Gastbeitrag von Marius

Marius, mit dem ich in Stuttgart einige Jahre im Jugendhaus zusammengearbeitet habe, erntet all meinen Respekt:

Er lief den Jakobsweg – 2340km von Konstanz nach Santiago de Compostela.

Mit Marius verbindet mich genau das – eine Reise, bei der das Alte hinter sich gelassen wird und man neue Wege erschließt! Wir sind uns einig: wir sind auf einer Wellenlänge!

Kurz nach Santiago de Compostela überschnitten sich unsere Wege in Portugal! Ich freue mich heute noch, so zeitnah nach seiner Reise seine strahlenden Augen und seine Leichtigkeit erlebt zu haben, die er sicherlich beim Gedanken an seine Reise heute noch ausdrückt.

Ich bin sehr stolz auf diesen Kerl! Er ist das beste Beispiel dafür wie man sein Leben zum Positiven wenden kann, wenn man sich dazu entschließt. Aber lest selbst:

Marius

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“

Alles nicht so geil gewesen die letzten ein bis zwei Jahre. Nach einem gewaltigen Höhenflug lief es für mich echt scheiße, um es mal milde auszudrücken. Ich will euch hier nicht mit meinem privaten Murks belästigen auch wenn das sicher keine uninteressante Geschichte wäre, aber eindeutig nicht die Plattform.

Hier geht es nämlich um Dinge wie: “Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ oder auf neudeutsch bzw. eigentlich englisch: „Just do it.“

Ist sicher nichts neues und hört sich vielleicht auch erstmal bisschen platt an, aber das ist es nicht. Jedenfalls das, was dem in der Regel folgt.

Am 08. April 2014 stand ich bei meinen geliebten Großeltern vor der Haustür und schaute mich noch einmal um. Ich ging nämlich nicht zum Bäcker um die Ecke, sondern wollte von Konstanz am Bodensee in Deutschland nach Santiago de Compostela in Spanien laufen.

Wie die Brötchen dort schmecken wusste ich nicht, aber das war ja schließlich auch nicht meine Motivation. Normalerweise werde ich beim Brötchen holen auch nicht so emotional, dass ich das Verlangen hätte, nochmal zurück schauen zu müssen. Nein, ich hatte Größeres vor, weshalb der kurze Blick zurück durchaus angebracht war.

Ich brach von Oma und Opas Haustür zu meiner Reise auf dem Jakobsweg bzw. Camino de Santiago auf, der mich über 2340 km zu Fuß durch die Schweiz, Frankreich und Spanien bis nach Santiago de Compostela führen sollte. Jetzt hieß es: Blick nach vorn und los gehts!

Ich hatte mich trotz meiner Knieprobleme dafür entschieden, die lang geplante Reise in die Tat umzusetzen. Ein paar Wochen zuvor hatte ich beim Fasching den klugen Einfall total filigran von der Bühne zu springen. Das war keine gute Idee. Beim Aufkommen bemerkte ich ein sehr komisches Gefühl im rechten Knie. Und das alles geschah im nicht alkoholisiertem Zustand, was die ganze Sache nicht unbedingt besser macht.

Ich schonte mich über Wochen und machte mir etwas Sorgen, da die Vorbereitungen in die finale Phase gingen und das Knie immer noch zwickte.

Schließlich entschied ich mich trotz der Wehwehchen zum Aufbruch und siehe da, ich habe es geschafft und bin nach 101 Tagen am 17. Juli 2014 in Santiago angekommen.

Mein erstes Video einer Serie meiner Reise findet ihr hier:

Wenn ihr die restlichen Filmchen auch noch sehen wollt, freue ich mich über neue Abonnenten. Da ich den Youtube-Channel frisch eingerichtet habe, freue ich mich natürlich auch riesig über reposts oder etwas feedback.

Ich habe ähnliche Geschichten von Leuten gehört, die teilweise jahrelang vom Jakobsweg träumten, jedoch immer Ausreden gefunden haben, warum gerade jetzt kein guter Zeitpunkt für die Erfüllung dieser Sehnsucht sei. Sobald sie sich über diese Ausreden hinweg gesetzt haben, ist ihnen der Aufbruch nicht mehr schwer gefallen. Einfach machen! So hatte ich das Vergnügen, diese Menschen kennenzulernen.

Träume sind gut und wichtig, treiben uns voran und geben uns Kraft, unabhängig von ihrer Erfüllung. Wenn wir aber irgendwann durchschauen, dass wir uns damit nur selber austricksen und keiner dieser Träume zur Wirklichkeit wurde, ist es an der Zeit sich einen dieser Träume zu schnappen und zu spüren, dass es nicht immer ein Traum bleiben muss. Dann sind Träume nämlich nicht mehr Schäume sondern Realität. Und im schlimmsten Fall sind sie Gewissheit, es versucht zu haben. Dann ist wieder Platz für neue Träume und Wege und wer weiß was dabei raus kommt.

Panas Traum war es „mit dem Surfbrett um die Welt zu fliegen“ (was bisschen paradox klingt, Pana was machst du da eigentlich?!), für mich war es das Laufen und für dich kann es etwas ganz anderes sein!

Es gibt viele die vom Reisen träumen. Es gibt jedoch auch andere Träume als auf Reisen zu gehen. Es gibt Träume, die lassen sich miteinander verbinden, wie z.B. Surfen und um die Welt reisen. Allerdings muss man für die meisten Träume nicht um die Welt reisen, sondern einfach von seinem Sofa aufstehen!

Diesen Sommer überschnitten sich unsere Wege dann kurz, als Pana sich in ihrem Surfdomizil Peniche in Portugal aufhielt und ich im Anschluss an meine Fußreise zum normalen Backpacker wurde und die iberische Halbinsel bereiste. Da bot sich ein Besuch geradezu an und ich hatte das Vergnügen für einen Tag Panas Surfschüler zu sein und mit ihren Surfbuddys abzuhängen. Hat Spaß gemacht. Außerdem erfuhr ich mehr über ihre Reisepläne, die sie momentan in die Tat umsetzt.

Jetzt komme ich wieder an den Anfang des Textes. Ich hatte geschrieben, dass ich `ne scheiß Zeit hatte, die wirklich niemandem zu gönnen ist. Jedoch „wäre es heut nicht wie es ist, wär es damals nicht gewesen wie es war“, um noch Cora E zu zitieren.

Diese schwere Zeit hat Sachen in mir hervorgebracht, die wunderschön sind und unter anderen Umständen nie zum Vorschein gekommen wären. Deswegen, wenn auch nicht alles gut war, so hatte alles irgendwie sein Gutes.

Über diesen Satz hätte ich vor 2 Jahren ungläubig den Kopf geschüttelt. Wie schön, dass sich die Ansichten ändern.

Uns bleibt auch nichts anderes übrig, da die meisten Dinge ja so bleiben, wie sie eben sind. In den häufigsten Fällen ist die Perspektive das Ausschlaggebende.

Genieße deine Reise, Pana, und finde auch wieder den Weg nach Hause! Wo immer das auch sein mag.

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UPDATE:

Mittlerweile hat Marius den zweiten Teil seiner Reise zu einem Video verpackt. Hier könnt ihr es euch ansehen:

 

Träumen ist erlaubt, Verwirklichung auch. 2340 km auf dem Jakobsweg.

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