Erfahrene_Surfer_Teil_2_

In TEIL 1 dieser Blogpost-Serie haben sich bereits andere langjährige Surfer zu Wort gemeldet, die über das Surfen schreiben oder bloggen, eine Surfschule besitzen, bei Surfmagazinen arbeiten oder an Surfcontests teilnehmen.

Hier nun der zweite Teil und die Surftipps von weiteren langjährigen Surfern.

Surftipps von Stefan Heinrich

vom Surf- und Kitesurfblog Travelonboards

Surfblogger und Journalist, lebt in Hamburg, versucht ca. 3 Monate pro Jahr ins Wasser zu kommen.

Surft seit 1996 – Surferfahrung: Ca. 308 Wochen.

Stefan_Surfen_Travelonboards

Wie verlief dein Weg zu deinem heutigen Surflevel und was hat dich dabei weitergebracht?

Ich würde mich heute als fortgeschrittenen Surfer bezeichnen – mit viel Luft nach oben. Angefangen hat alles mit einem Bulli-Trip nach Süd-Frankreich. Eigentlich war ich zum Windsurfen gekommen, doch nach dem Trip hab ich meinen ganzen Krempel verkauft und mir dafür ein Wellenreit-Brett zugelegt. Seitdem surfe ich, wann immer sich die Gelegenheit bietet. Ich fahre sehr, sehr selten an einen Ort, an dem ich nicht Surfen kann. Und das ist, zumindest in meinen Augen, auch das Geheimnis, um besser zu werden: Surf so viel du kannst! Immer, egal wie die Wellen gerade sind. Ich habe eine zweijährige Weltreise gemacht, auf der ich fast ununterbrochen im Wasser war. Auf dieser Reise habe ich einen riesigen Schritt geschafft, seitdem fühle ich mich auf dem Brett wohl und habe das Gefühl, das Board macht was ich will, und nicht andersherum. Das ist aber doch auch das Schöne beim Surfen – du lernst nie aus!

Was kennzeichnet in deinen Augen einen guten Surfer?

Na ja, es gibt ja diesen Spruch: Der beste Surfer ist derjenige, der am meisten Spaß hat! Da ist ziemlich viel Wahres dran. Klar, gemeinhin wird derjenige als der beste Surfer bezeichnet, der die fettesten Turns und höchsten Sprünge macht. So wird das natürlich auch von der immer populärer werdenden Welttour und den Medien- und Marketing-Menschen vermittelt. Ich persönlich aber finde es viel wichtiger, dass ein Surfer für eine gute Stimmung im Wasser sorgt, mit einem entspannten Style surft und Rücksicht auf Umwelt und Mitmenschen nimmt. Mein Lieblings-Surfer ist Dave Rastovich, auch wenn er noch nie einen wichtigen Contest gewonnen hat.

Welche Tipps hast du, um diesem Punkt näher zu kommen? Vor allem als deutscher Surfer?

Tja, als deutscher „landlocked“ Surfer musst du auch zwischen deinen Sessions im Wasser fleißig sein! Das heißt, du solltest viel schwimmen gehen, gesund essend und einfach fit bleiben. Dann dauert es auf deinem nächsten Surftrip nämlich nicht eine Woche, bis du wieder im Flow bist!

Surftipps von Paul

vom Surf-Forum Soul-Surfers

Redakteur für die Soul-Surfers Community und Freelancer, 34 Jahre alt, lebt in Berlin, wenn er nicht gerade irgendwo in der Welt surft.

Surft eigentlich seit 2004, so richtig Gas gegeben aber erst seit 2010 – Surferfahrung: 80 Wochen. Davon 70 Wochen in den letzten 5 Jahren.

Paul_Soul-Surfers-plxp_

Wie verlief dein Weg zu deinem heutigen Surflevel und was hat dich dabei weitergebracht?

Mit Anfang 20 freundete ich mich über das Snowboarden mit einem Kölner Sportstudenten an und fuhr, auf seine Einladung hin, nach dem Winter spontan mit ihm und seinen Freunden nach Frankreich. (Danke Woody;) Surfen lernen war da zwar eher Nebensache, aber ich lernte das Baskenland und die ansässige Surfkultur kennen und verstand, dass man nicht nur in Hawaii und Südafrika surfen konnte. Ich wiederholte diese Reise mehrfach, aber erst als ich mir sechs Jahre später einen Bus kaufte, schaffte ich es auch mal mehr als drei Wochen am Stück am Atlantik zu verbringen. Von da an ging dann auch die Lernkurve nach oben. Nach meinem zweiten achtwöchigen Trip fuhr ich dann mit dem Gefühl nach Hause, wenigstens ein bisschen surfen zu können. Danach habe ich mich dann auch getraut mal nach Bali zu fahren.

Was kennzeichnet in deinen Augen einen guten Surfer?

„The best Surfer out there is the one having the most fun.“ Den Respekt gegenüber den anderen Surfern im Lineup sollte man dabei stets bewahren, aber sonst ist dem nichts hinzuzufügen.

Welche Tipps hast du, um diesem Punkt näher zu kommen? Vor allem als deutscher Surfer?

Wichtig ist in jedem Fall, sich dauerhaft motivieren zu können. Realistisch betrachtet hat man selbst an Top Spots vielleicht fünf Tage im Monat perfekte Wellen. Um besser zu werden, sollte man aber auch an den anderen Tagen gehen. Sich bei kalten Temperaturen mit Muskelkater in einen nassen Neo zu zwängen, um sich dann mit 30 anderen Surfern mittelmäßige Wellen zu teilen, erfordert einen Einsatz, den nur wenige Leute bereit sind aufzubringen.

Wer besser surfen lernen will, muss diese Hingabe jedem Aspekt des Surfens widmen. Das bedeutet die eigene Komfortzone zu verlassen und sich in größere Wellen zu begeben, kritische Reef Breaks zu surfen und sich seinen Platz im Lineup zu erkämpfen. Zudem müssen Surfer Manöver lernen, also die Welle nicht einfach abreiten, sondern die Moves so in der Welle platzieren, dass die eigenen Grenzen ausgereizt werden.

Surftipps von Isa und Clemens

vom Surfblog Coldwatermag

Isa: Studentin und Surfbloggerin, 25, lebt in Flensburg.

Surft seit 2008 – Surferfahrung: Surft meist am Wochenende in Dänemark oder Norddeutschland (Keine Angabe in Wochen).

Isa_Surfen

Clemens: Student und Surfblogger, 26, lebt in Flensburg

Surft seit 2000 – Surferfahrung: Meist am Wochenende in Dänemark oder Norddeutschland und ab und zu mehrwöchige Surf-Urlaube (Keine Angabe in Wochen).

Clemens_Surfen

Wie verlief euer Weg zu euren heutigen Surflevel und was hat euch dabei weitergebracht?

Isa: Ich habe nie einen Kurs besucht und mir im Prinzip alles selbst beigebracht (ab und zu kam Clemens mit nem Tipp angepaddelt). Der Weg war holprig, hat sich aber absolut gelohnt. Geht also auch ohne Surfkurs, aber vermutlich deutlich langsamer. Im Kurs steht man schon in der ersten Woche Wellen. Bei mir war’s Ausdauer und nicht von Wind, Kälte und der Nordsee abturnen lassen. Immer wieder rein ins Wasser und nicht aufgeben. Der Preis, den man dafür bekommt ist einmalig!

Clemens: Einen Surfkurs habe ich auch nie gemacht. Ich hatte das Glück, dass mein Vater schon lange surft und ich mir zu Beginn viel abschauen konnte. Viele Jahre konnte ich aber nur im Sommer an den Wochenenden surfen und auch deshalb nur langsam besser werden. Fortschritte habe ich immer dann gemacht, wenn ich für längere Zeit regelmäßig ins Wasser gekommen bin. Heute surfen wir das ganze Jahr über an Nord- und Ostsee und ich komme im Schnitt einmal die Woche aufs Wasser. Regelmäßiges Surfen ist wohl das beste Training und deshalb lohnt sich auch jeder Surf in schlechten Wellen.

Was kennzeichnet in euren Augen einen guten Surfer?

Ein guter Surfer, ohne Witz, ist der, der am glücklichsten ist im Wasser. Er genießt die Wellen und hat Spaß. Er weiß was er tut, kommt mit verschieden Bedingungen klar, kann mit Vorhersagen umgehen und weiß, wo es am besten hingeht. Ein guter Surfer respektiert andere, egal wie gut jemand surft, wer anderen reindroppt ist halt schlecht.

Welche Tipps habt ihr, um diesem Punkt näher zu kommen? Vor allem als deutsche Surfer?

Das wichtigste ist, viel zu surfen. Andere Sportarten wie Schwimmen können fit halten, aber nichts ist besser als Surfen. Um Fortschritte zu machen muss man viel Zeit im Wasser verbringen und darf nicht aufgeben. Überwinde die Angst und hab Spaß an der Sache, genieße die Zeit im Meer. Wenn du nur hin und wieder Urlaub hast, plane rechtzeitig den nächsten Surftrip. Wenn du im Norden wohnst, wage mal einen Trip an die Nord- oder Ostsee. Oder am besten: Zieh gleich direkt ans Meer.

Surftipps von Anja

vom Surfblog Happybackpacker

Reisebloggerin und Weltenbummlerin, lebt in Berlin, wenn sie nicht gerade am Reisen ist.

Surft seit April 2006 – Surferfahrung: ca. 52 Wochen

Anja_Surfen_Happybackpacker

Wie verlief dein Weg zu deinem heutigen Surflevel und was hat dich dabei weitergebracht?

Am ersten Tag im Surfcamp surften wir unter Anleitung der Surflehrer Whitewater und am zweiten Tag durften wir mit ihnen hinaus an die grünen Wellen. Natürlich wurden wir ordentlich gewaschen und die Surflehrer waren mit sich selbst und den Wellen beschäftigt. Trotzdem war ich hooked und wollte weiter surfen lernen, besonders weil es bei den Pros so lässig und easy aussieht.  Da ich vier Jahr in Australien gelebt habe, surfte ich dort ziemlich häufig. Aber mittlerweile lebe ich in Berlin und komme daher nur noch in den Ferien auf die Wellen und irgendwie ist es frustrierend, dass ich nach anfänglichen Erfolgen stagniere und manchmal echte Probleme habe, die Wellen zu nehmen. Das lag vielleicht auch daran, dass ich nie wieder ein Surfcamp besucht habe und so nichts lernen konnte.

Was mir dabei sehr geholfen hat, war ein Surfcamp beim brasilianischen Surfpro Beto Dias. Er sah sich meinen Stil an und zeigte mir ein paar Tricks, damit das Board stabiler wird beim Anpaddeln.

Was kennzeichnet in deinen Augen einen guten Surfer?

Lässig und sicher durchs Wasser zu gleiten und dabei Spaß zu haben. Sich mit den anderen im Wasser über die Natur und die Wellen zu unterhalten und hilfreich den anderen zur Seite stehen. Ich mag diese Gemeinschaft Schlechte Surfer sind für mich diejenigen, die jedem die Wellen wegnehmen oder sich über Anfänger beschweren, als wäre im Meer nicht genug Platz für alle da.

Welche Tipps hast du, um diesem Punkt näher zu kommen? Vor allem als deutscher Surfer?

Einfach mal entspannen und nicht zu sehr auf die anderen zu schauen. Klar will man lernen und besser werden, aber für mich steht der Spaß im Vordergrund. In diesem Leben wird keine Profi-Surferin mehr aus mir, aber das ist ok so.

Surftipps von Veit Jürgens

vom Surfblog Precious Ocean

Eventmanager, Sportwissenschaftler und Surfblogger,

Surfe seit 1998 – ca. 150 Wochen Surferfahrung.

veit-juergens-precious-ocean

Wie verlief dein Weg zu deinem heutigen Surflevel und was hat dich dabei weitergebracht?

Ich habe klassisch in einem Surfkurs in Frankreich angefangen! Dieser wurde von Surflehrern geleitet, die eine Ausbildung beim DWV absolviert hatten, d.h. didaktisch und methodisch super aufbereitet.

Auch nach dem ersten Kurs habe ich weitere für Fortgeschrittene angeschlossen. Immer wieder hatte ich Surflehrer, die mir wertvolle Tipps geben konnten.

Natürlich bin ich dann immer öfter auf eigene Faust los!

Bereits 2x lebte ich auf Round The World Surfaris den ultimativen Traum von Freiheit und (Surf-)Abenteuer aus. Durch das Surfen längere Zeit am Stück konnte ich mein Level extrem steigern.

Was kennzeichnet in deinen Augen einen guten Surfer?

Abgesehen davon, dass ein guter Surfer alle Grundlagen in Bezug auf Wellenkunde, Sicherheit und Surf-Etikette verinnerlicht hat, zeichnet er sich aus durch:

Geduld: Erfolgserlebnisse sind beim Surfenlernen manchmal rar gesät. Machst Du am Anfang große Sprünge ist der Übergang zum nächsten Skill Level oftmals langwierig. Ein guter Surfer hat Geduld, freut sich über kleine Lernerfolge und auf das nächste Glücksgefühl.

Beharrlichkeit: You can do it if you really want but you must try. You succeed at last.

Antizipationsvermögen: Du kennst ihn: den Surfer, der immer perfekt am Peak sitzt und eine Welle nach der anderen bekommt während Du nichts abkriegst. Ein guter Surfer kann Wellen gut lesen und deuten. Und ist deshalb schneller auf ihnen drauf als andere.

Erfahrung: Ein guter Surfer hat viele Surfstunden auf dem Buckel und ist in unterschiedlichsten Bedingungen gesurft (nicht nur in guten).

Welche Tipps hast du, um diesem Punkt näher zu kommen? Vor allem als deutscher Surfer?

1. Beginne bei qualifizierten Surflehrern zu lernen. Diese wirst Du eher in Europa, USA oder Australien finden, weniger auf Bali oder in Sri Lanka. Nimm Dir hin und wieder einen Einzelcoach.

2. Beobachte andere Surfer. Wer bekommt die meisten Wellen und warum?

3. Paddle zur Welle. Warte nicht, bis sie zu Dir kommt.

4. Beobachte Wellen: Shape, Schulter, Laufrichtung. Je mehr Wellen Du beobachtest hast, desto besser wirst Du sie einschätzen und ansteuern können.

5. Wähle das richtige Brett. Überschätze Dich nicht.

6. Surfen ist komplex. Lerne in kleinen Schritten.

7. Sei fleißig. Surfe viele Wellen

8. Surfe so oft wie möglich. An den unterschiedlichsten Spots. In unterschiedlichsten Bedingungen. Surfe Beachbreaks, Reefbreaks, kleine und große Wellen. Mache viele Erfahrungen.

9. Als deutscher Surfer schaffe Dir daraus einen Vorteil. Viele einheimische Surfer kennen nur ihren Homespot. Kenne Du Dich mit den unterschiedlichsten Spots aus und lerne Wellen zu lesen.

10. Mache mindestens einmal in Deinem Leben eine Surfari von 6 bis 12 Monaten.

Für mehr Surftipps…

… einfach die Augen offen halten. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Bis dahin gilt:

Ab ins Wasser!

Denn vorallem BEIM SURFEN lernst du SURFEN! 
Der Schlüssel: ZEIT IM WASSER!
Was meinst du?

 

 

Lerne besser zu surfen – Surftipps von erfahrenen Surfern! (TEIL 2)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.