Surf-Etikette_Regeln_Vorfahrt

Surf-Etikette – der Knigge des Surfens.

Ein sehr wichtiges Thema, um in den Wellen dieser Welt zu bestehen und vor allem

– sagen wir es mal ganz direkt –

nicht aufs Maul zu bekommen!

Ok, ganz so schlimm ist es natürlich nicht immer.

Hälst du dich aber beim Surfen nicht an die Regeln, machst du dir schnell einige Feinde und verdirbst dir und anderen den Spaß!

Unterwegs habe ich viele Leute getroffen, die mich mit großen Fragezeichen angeschaut haben, wenn wir von Vorfahrtsregeln gesprochen haben. Teilweise auch Menschen, die schon viele Jahre surfen, was mich sehr stutzig gemacht hat.

Ich bin sehr dankbar, dass ich dank meiner Surfkurse über diese Surf-Regeln aufgeklärt wurde und vorbereitet war. Was einen guten Surfkurs sonst noch ausmacht, kannst du übrigens hier lesen:

Der ideale Surfkurs – was er bieten sollte und wie du ihn findest!

Aufgrund mehrfachen Wunsches, hier also die Erläuterung der Regeln beim Surfen:

1. Wer hat grundsätzlich Vorfahrt?

Wer näher am Peak, also am brechenden Teil der Welle anpaddelt und somit den längeren Weg auf der Welle hat, hat Vorfahrt.

Sitzt also jemand auf einer rechtsbrechenden Welle links von dir aus gesehen, dann hat er Vorfahrt.

Du kannst natürlich ebenso anpaddeln, in der Hoffnung, dass der andere die Welle nicht bekommt. Dazu musst du aber auch schnell genug wieder zurückziehen können, falls er doch in die Welle kommt.

2. Don’t drop in!

Eine Welle – ein Surfer!

Dropst du jemandem in die Welle, hast du einen potentiellen Kumpel weniger.

Reindroppen: Wenn du jemandem in die Welle fährst, obwohl derjenige schon auf der Welle ist!

Surfen_Regeln_Vorfahrt_Drop_in

3. Don’t snake!

Im letzten Moment noch an die richtige Position reinziehen, obwohl der andere 5 Sekunden vorher noch an der perfekten Stelle war?

Ungeil!

Theoretisch hast du dann natürlich die Vorfahrt, weil du weiter am Peak sitzt als der andere – praktisch ist das aber kein feiner Schachzug von dir.

4. Teile!

Jetzt denkst: Ahaaaa… ich muss also nur  immer am richtigen Spot sitzen, dann darf ich fahren.

Theoretisch!

Aber:

Wenn du die ganze Zeit Wellen nimmst und zurückpaddelst und dich immer und immer wieder an die Position rückst, die am nächsten zum Peak ist, dann wirst du irgendwann auch Missgunst erfahren.

Denn: Die anderen wollen ja auch surfen!

Wenn du also gerade erst eine Welle hattest, dann lass die anderen auch ran und warte.

Line Up = Einreihen.

5. Sitze niemandem im Weg!

Du hattest eine Welle und willst wieder zurück paddeln.

Das WIE ist dabei wichtig:

A) Achte darauf, dass du schön weit um die Wellen herum durch den Channel wieder zurück ins LineUp kommst, um niemandem im Weg zu liegen. Also nicht direkt geradeaus zurück durch die Wellen, sondern weit ausholen und erst von dort wieder zurück zum Peak.

B) Wenn es passieren sollte und du vor den Wellen festhängst und es kommt ein Surfer auf dich zu, dann ist es das Wichtigste, dass du nicht zögerst, in welche Richtung du gehst.

Das verwirrt den Surfer auf der Welle und er weiß ebenso nicht, wie er ausweichen soll.

Generell gilt: Wenn du nicht mehr weit genug um die Welle rum paddeln kannst, dann paddel zum Weißwasser hin, damit der Surfer auf seiner Welle bleiben kann und du aus dem Weg geräumt wirst.

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6. Was tun, wenn dir jemand im Weg sitzt?

Du hast Recht, wenn du dich aufregst, dass dir einer im Weg liegt.

Aber: Es passiert nicht immer aus purer Bosheit. Deshalb: Hab Verständnis!

Versuche auszuweichen und vergewissere dich, dass es dem Anderen gut geht.

7. Kommuniziere!

A) Wenn du in die eine und der andere in die entgegengesetzte Richtung fährt

Manchmal ist es alles noch viel einfacher, als man glaubt und zwei Leute können zusammen eine Welle nehmen – WENN sie in unterschiedliche Richtungen fahren.

Wenn du also nach rechts fahren willst und links von dir sitzt noch einer und es sieht ganz danach aus, dass er die Welle nach links nimmt – verlass dich nicht auf das Wahrscheinliche, sondern kommuniziere: „Fährst du nach links?“

Zack – erledigt!

B) Wenn du auf einer Welle bist und jemand droppt dir rein

Mache auf dich aufmerksam. Rufe: „Hey“ oder „Oi“ oder irgendwas, damit der andere es checkt und hoffentlich aus der Welle geht.

Bleibt er dennoch drauf, musst du dich entscheiden: Bleibst du auch drauf und fährst hinter ihm her oder springst du aus der Welle?

Siehst du Verletzungsgefahr, weil du sehr nah dran bist: Geh raus aus der Welle!

Kann alles passieren. Passiert manchmal ohne böse Absicht.

Aber: Passiert es immer wieder, ist er entweder ein riesiges Arschloch (das fällt anderen im Wasser dann auch schnell auf) oder er weiß nicht, wie die Regeln sind.

Klär ihn auf, wenn zweitens der Fall ist.

Wenn erstens der Fall ist: Verlass dich auf Karma! Gehe nicht auf Konfrontation! Das bringt nichts außer schlechte Laune!

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8. Surfe Wellen deines Kalibers!

Werde nicht waghalsig! Gefährde niemanden! Wenn dir die Wellen zu groß sind und du weißt, dass du nicht klarkommen wirst, lass es bleiben, denn du gefährdest nicht nur dich, sondern auch die anderen.

9. Lasse dein Surfbrett nicht los!

Vor allem, wenn andere in deiner Nähe sind. Dein Surfbrett wird zur Waffe und kann andere verletzen.

Halte das Brett gut fest! Zum Beispiel durch eine Turtle Role bzw. Eskimo Rolle.

Bist du allein im Wasser ist es natürlich nicht so tragisch an sich. Aber du gewöhnst es dir dann an, was nicht gut ist. Ist mir auch schon so gegangen und es dauert, sich diese Dummheit wieder abzugewöhnen! Deshalb: Brett festhalten!

10. Commitment!

Paddel was das Zeug hält! Zeige, dass du dir einen Arsch für die Welle aufreißt! Wenn du halbherzig rumpaddelst, wirst du mit Sicherheit keine Welle mehr abbekommen, da du sie nicht wirklich nutzt.

Heißt nicht, dass du gleich verteufelt wirst, wenn du eine Welle nicht bekommst, aber wenn du nicht ehrgeizig genug an die Sache rangehst, wirst du schnell nicht mehr ernst genommen.

11. Biete deine Hilfe an!

Du siehst, dass jemand Hilfe braucht? Helfe!

Das sollte selbstverständlich sein!

Zum Beispiel: In Uluwatu hatte ich letztens einen Krampf im Fuß – ein Typ hat sofort meinen Fuß gepackt und ihn gedehnt!

Helfe oder animiere andere gemeinsam mit dir Hilfe zu leisten!

12. Wir reden im Wasser nicht über die ganz großen Fische!

Das ist die Regel meines Altherrenclubs in Noosa. Und ich muss sagen: Find ich richtig!

Wenn man anfängt über sie zu reden, denkt man auch an sie. Unnötig!

Wenn du dich außerhalb des Wassers mit ihnen beschäftigen willst, dann lies meinen Artikel dazu:

Die Angst vor Haien – wie gehe ich damit um?

13. Sei freundlich!

Egal was ist, die wichtigste Grundregel in meinen Augen: Sei freundlich! Trage zu einem guten Vibe im Wasser bei!

Du wirst sehen, dass es in vielen Line-Ups auch viele Trottel gibt, die bitter und unfreundlich schauen – drauf geschissen! Bleib positiv und somit die wichtigste Regel:

14. Hab Spaß!

Darum geht es! 

Wer den Spaß am Surfen verliert, verstößt in meinen Augen gegen die wichtigste Regel überhaupt!

Surfregeln

Check: Wer hat hier also Vorfahrt?
Regeln und Vorfahrt beim Surfen – was du wissen musst, um im Line-Up zu bestehen!

8 Gedanken zu „Regeln und Vorfahrt beim Surfen – was du wissen musst, um im Line-Up zu bestehen!

  • 6. Juni 2015 um 21:11
    Permalink

    Ich wünschte, alle Surfer würden sich diese Richtlinien zu Herzen nehmen 🙂 Jedenfalls vielen Dank für die Auffrischung und die vielen Tipps – kann man nicht oft genug lesen. LG Franzi

    Antworten
    • 6. Juni 2015 um 23:05
      Permalink

      Hey Franzi!

      Danke für diese positive Rückmeldung!
      Freut mich! 🙂

      Liebe Grüße, Pana

      Antworten
      • 16. Oktober 2015 um 17:42
        Permalink

        Ich habe eine Frage und würde mich freuen wenn ihr mir weiter helfen könnt. 🙂
        Wenn jemand (Surfer 1) am Rand des Channel raus paddelt und ein anderer Surfer (Surfer 2) dann dort dennoch versucht zu Surfen und eine sich aufbauende Welle nehmen will und Brett in Richtung Strand dreht und versucht los zu surfen… Wer hat dann Vorfahrt?
        Muss man als Surfer nicht auch gucken wo man hin surft und und nachsehen ob jemand „im Weg“ ist bevor man eine Welle nimmt?
        Gibt es hierfür eine Regel, die man irgendwo nachlesen kann?
        Ich wäre dankbar über feedback und freue mich auf Eure Antwort!
        Liebe Grüße!

        Antworten
        • 16. Oktober 2015 um 21:19
          Permalink

          Hi Sabrina,

          Finde ich gut, dass du fragst!

          Grundsätzlich musst du als Surfer, der gerade Richtung Line-Up rauspaddelt, aufpassen, dass du Niemandem im Weg bist! Das ist die Regel! Egal, wo du dich gerade befindest. Selbst wenn du versucht hast, wieder schön durch den Channel rauszukommen. Oftmals sind die Peaks ja auch „shifting“, d.h. sie verschieben sich und damit auch der Channel. Wieder gilt: Versuche entgegen der Fahrtrichtung des Surfers ins Weißwasser auszuweichen. Aaaaber: Natürlich kann es mal zu Situationen kommen, in denen du nicht mehr ausweichen kannst! Passiert jedem Mal! Dann sollte er dich natürlich nicht aus Prinzip umfahren, sondern versuchen auszuweichen. Aber du musst dich im Endeffekt entschuldigen.

          Ich hoffe, das hilft dir weiter?

          Liebe Grüße, Pana

          Antworten
          • 18. Oktober 2015 um 13:47
            Permalink

            Danke Pana für Deine Antwort!
            Eine Frage noch. Muss ein Surfer der auf die „perfekte“ Welle warte bevor er dann eine nehmen will und lospaddelt um den Take-off zu machen nicht erstmal gucken ob da jemand schwimmt oder jemand oder etwas anderes sich im Wasser befindet? Ich meine darf dieser Surfer einfach versuchen die Welle zu nehmen ohne vorher Richtung Strand zu gucken und einfach quasi „blind“ losfahren und versuchen die Welle zunehmend ohne vorher sich zu vergewissern ob die Fahrt „frei“ ist? Ist das wirklich rechtens?
            Ich meine beim Skifahren zum Beispiel muss ich ja auch erst gucken ob jemand mir in der Piste im Weg ist und kann nicht einfach „blind“ in den Hang einsteigen und riskieren jemanden umzufahren…
            Wie ist das?
            Liebe Grüße und danke für Deine Hilfe!
            🙂

          • 18. Oktober 2015 um 22:43
            Permalink

            Hey Sabrina,

            naja, der Surfer schaut beim Lospaddeln schon nach vorne und natürlich sollte er nicht lospaddeln, wenn er definitiv auf dir landen wird… das ist der gesunde Menschenverstand, der einem klar davon abrät… aber es ist schon sehr ärgerlich für den Surfer, wenn er eine perfekte Welle fahren könnte, die er aber nicht fahren kann, weil du „im Weg“ bist. Du bist dann diejenige, der es leid tun sollte. Aber wenn einer doch mal lospaddelt, z.B. weil er dich nicht direkt gesehen hat und dann schon Fahrt aufgenommen hat, dann sollte er sich als normaler Mensch natürlich auch entschuldigen. Rein aus Höflichkeit und Rücksicht zwischen Menschen. Die gute Surfetikette allerdings (kein wirkliches Regelwerk, sondern eine Art ungeschriebenes Gesetz) sieht den Surfer auf der Welle als denjenigen, der Recht hat.

            Liebe Grüße, Pana

  • 6. Juni 2015 um 19:56
    Permalink

    Hey pana!

    Genialer Post! Vielen Dank dafür!
    Ich glaub be das die Etikette des surfens leider viel zu wenig vermittelt wird! Dabei ist es so wichtig!!!
    Ich möchte mich noch nicht als guten Surfer bezeichnen, aber ich versuche respektvoll gegenüber anderen Surfern zu sein und lieber Vorrang zu lassen als gefährliche Situationen zu riskieren!
    Weiter so, das Ziel mit dem Barrel wirst du noch erreichen, bin ich fest von überzeugt! Ich arbeite auch daran…..

    Beste Grüße aus der Domrep nach Hawaii
    Marcus

    Antworten
    • 6. Juni 2015 um 23:14
      Permalink

      Hey Marcus,

      Danke für dein positives Feedback!

      Ja, ich denke auch, dass immer mehr Leute zwar Anfänger-Surfkurse machen, aber die sind z.B. in Australien oder Neuseeland 1,5 bis 2 Stunden lang und da wird bereits soviel anderes vermittelt, dass die Priority Rules nicht auch noch Platz haben. Verständlich. In weiterführenden Surfstunden könnte man das angehen, aber das Geld haben die meisten Leute nicht (was ich verstehe, eine Lesson in Neuseeland oder Australien kostet ca. 70-100 Dollar!).

      Im Vergleich zu all den langejährigen Surfern, die ich überall auf der Welt treffe, sind wir alle Beginner! Umso wichtiger, dass wir uns an die Regeln halten, um diesen Leuten nicht im Weg zu stehen und evtl. sogar Tipps zu erhalten!Das Glück hatte ich mehrfach und ich bin sehr dankbar darum! 🙂

      Noch viel Spaß und guten Swell in der Dom.Rep!

      Liebe Grüße, Pana

      Antworten

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