Surf Competitions sind nicht Jedermanns Sache.

Mittlerweile kann ich auch nachvollziehen warum. Ebenso verstehe ich aber auch, weshalb es seinen Reiz hat.

Denn inzwischen habe ich selber meine ersten Surf Comps überstanden.

Grund genug, uns das Thema genauer anzuschauen und davon zu berichten.

Wie wäre es, wenn DU irgendwann an einer Surf Competition teilnimmst?

Beängstigend?

Richtig! Und nicht nur deswegen, solltest du es unbedingt in Betracht ziehen!

Die Gründe, mitzumachen, sind vielfältig:

1. Profitiere für dein Free-Surfen 

Während du bei einem Free-Surf gemütlich unterwegs bist und dir Zeit lässt, stehst du bei einem Contest absolut unter Adrenalin und musst in nur 15-25 Minuten das absolute Maximum aus dir rausholen: Paddeln was das Zeug hält, an der richtigen Stelle positionieren, konzentriert einen Take-Off hinlegen… ein Contest pusht genau diese Fähigkeiten. Oft wird behauptet, dass sich dein Surfen nach einem Contest verbessert. Ich stimme dem auf jeden Fall zu.

2. Du verstehst den Ablauf einer Surf Competition besser

Wie Surf Competitions ablaufen und welche Regeln es gibt, habe ich bereits hier erläutert:

Einen Surfcontest verstehen – Über Regeln, Heats und Wertung

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Sobald du aber selber das erste Mal eine Surf Competition gemeistert hast, verstehst du die Details z.B. dass ein Surfer meist eh nicht hört, was durchgesagt wird und dass Fahnen am Strand die Heats regeln (Rote Fahne oben – Heat is nicht on // Grüne Fahne oben – Heat is on // Rote und grüne Fahne oben – Noch 5 Minuten bis Ende des Heats).

3.  Private Surfsession gefällig?

Einen geilen Surfspot mit maximal 3 anderen Surfern teilen? Allein dafür lohnt sich der Antritt in einer Surf Competition eigentlich doch schon!

4. Surf Competitions – Connecting People

Eine wunderschöne Nebensache: Selbst kurz vor einem Heat ist die Stimmung zwischen den konkurrierenden Surfern freundlich (so war das jedenfalls hier in Neuseeland bei mir). Auch wenn es um einen Wettkampf geht, sind die meisten sehr entspannt und helfen sich gegenseitig aus. Kein Grund zur Sorge vor bissigen Gegnern also.

5. Top-Surfer auf einem Fleck

Selten wirst du so viele gute Surfer auf einem Fleck antreffen, die alles geben. Natürlich kannst du auch nur als Zuschauer zu einem Contest antreten und die Jungs und Mädels rippen sehen. Was sich aber als Teilnehmer oft ergibt, sind Tipps für dich selbst von einem dieser guten Surfer. Gold wert!

Hier z.B. Maz Quinn in Kaikoura – einer der besten Surfer Neuseelands (Bild von Nicole Cooley):

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6. Übe dich in Geduld – keiner wird über Nacht zum guten Surfer

Bei Gesprächen mit diesen guten Surfern wird klar: Auch sie haben irgendwann eine erste Surf Competition gesurft. Und ebenso erzählen sie dir von ihren Verlusten in den ersten Comps. Davon, dass jeder irgendwo anfängt und sich hocharbeiten muss. Motivation genug, an der Sache dranzubleiben, oder?

7. Hab Angst und mach es trotzdem…

… denn die Belohnung dafür ist Stolz! Denn wenn es ein Gefühl gibt, das stolz macht, dann die Überwindung deiner Ängste! Do it and be proud of yourself!

8. Lerne zu verlieren

Verlieren macht nicht Spaß, gehört aber ganz klar dazu. Eine Surf Competition ist auf jeden Fall der richtige Schauplatz, um das zu üben!

9. Be part of the party

Wo Surfer zusammenkommen und etwas zu feiern haben, ist garantiert geile Party angesagt! Und egal, ob du verlierst oder gewinnst, bei der Afterparty sind alle wieder auf gleichem Niveau und feiern miteinander.

Wie ICH auf die Idee kam, an einer Surf Comp teilzunehmen

Unser Surfclub, die BullerBoardriders hier in meinem kleinen Dorf Westport, in dem ich seit Dezember 2015 lebe, veranstaltet jedes Jahr das Cape Classic – eine Surf Competition, die eine Station des Südinsel Circuit darstellt.

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Dabei umfasst der Südinsel Circuit folgende Stationen:

  • Westport – Cape Classic (Februar)
  • Dunedin – South Island Champs (März)
  • Christchurch – Canterbury Champs (März – Frauen/ April – Männer)
  • Kaikoura – Coldwater Classic (Juni)

Teilnehmen kann man aber an einzelnen Competitions.

Jetzt habe ich nicht einen Moment daran gedacht, jemals an einer Surf Comp teilzunehmen. Plötzlich ist für die BullerBoardriders jedoch vorm Cape Classic klar:

„Pana, du solltest mitmachen!“

Pana: „Woah, immer langsam Jungens… ich bin doch gar nicht ready um gegen neuseeländische Mädels anzutreten, die jahrelang surfen!?“

Allerdings sehen das die Locals hier anders.

Denn bei einer Surf Competition geht es um andere Dinge, als unbedingt den Gewinn einzufahren.

Anthony Hema, mehrfacher Südinsel Champion, Westport-Local, surft seit 25 Jahren

beschreibt das Ganze so:

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We enter surf competitions to measure ourselves, find out how good we are and what we need to improve on … its about a peak performance on the day and squeezing a good heat into a small time frame …. winning is hard and learning how to deal with losing is the harder part …. most surfers enter a contest, lose, then almost give up…. most surfers are too scared to enter surfing competitions because of fear of looking silly or they just hate losing …but the truth is you have to make mistakes to actually learn how to surf in hi level surf contest which can take many years of hard toil. In surfing nothing is a given its tough hard work … even the world’s best make rookie errors. …. so learn how to deal with losing. … and learn from it .

(Frei übersetzt: Wir nehmen an Surf Competitions teil, um uns zu messen, um herauszufinden, wie gut wir sind und was wir weiterentwickeln müssen… es geht darum, eine hochgradige Leistung an diesem Tag abzuliefern und einen guten Heat in einen kleinen zeitlichen Rahmen zu quetschen… gewinnen ist hart und verlieren lernen ist um noch einiges schwerer… viele Surfer machen bei einem Contest mit und geben dann fast auf… viele Surfer haben zuviel Angst davor bei einer Surf Competition mitzumachen, weil sie Angst davor haben, blöd auszusehen oder es hassen, zu verlieren… aber die Wahrheit ist, dass du Fehler machen musst, um Surf Contests auf hohem Niveau surfen zu lernen, was viele Jahre harter Arbeit mit sich bringt. Beim Surfen is nichts geschenkt, es ist harte Arbeit… sogar die weltbesten machen Anfängerfehler… deshalb: Lerne mit Verlieren umzugehen… und lerne daraus.)

Also gut, dann geben wir der Sache doch eine Chance und schauen, was dabei rum kommt!

Meine erste Surf Competition

(Cape Classic – Westport – Februar 2016)

… bietet Heimvorteil und den Support der BullerBoardriders. Außerdem sind es nur 4 Teilnehmerinnen, also biste direkt im Finale!

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Mit Anmeldung zum Contest also schon den vierten Platz abgeräumt.

Eine Tatsache, die auf der einen Seite witzig, auf der anderen Seite auch enttäuschend ist – denn schließlich will man ja nichts geschenkt.

Für eine erste Competition vielleicht aber auch ganz gut – weniger Druck… keiner erwartet ein Wunder von dir… nur die Erwartung an dich selbst zählt!

Kleine Ziele setzen und erreichbar machen!

Mein niedrig gesetztes Ziel:

EINE Welle!

Klingt seltsam aber: Es ist NICHT EINFACH in NUR 15 Minuten…

… die Panik im Körper übernimmt komplett die Kontrolle ab dem Moment, an dem du deinen Fuß ins Wasser setzt – Herz rast mit Vollkaracho, selbst das Liegen auf dem Surfbrett ist plötzlich eine neue Megachallenge und zitternd paddeln ist auch nicht unbedingt das gewohnte Surfgefühl!

Da sitzt du nun also mit den 3 anderen Mädels, die soviel mehr Erfahrung haben als du und fragst dich: Ach du scheiße, was zur Hölle mache ich hier!?

5,4,3,2,1 – *hooter* – dein Heat beginnt!

Wie von der Tarantel gestochen, entwickelst du auf einmal Superpower-Kräfte, die dein Paddeln so schnell und kräftig wie noch nie machen – in Kombo mit deinem Zitterer. Dein Körper ist aufgeladen, wie 3 Duracel-Hasen auf Speed.

Fuck, was für eine Hektik!

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Ich sehe die ersten Wellen der anderen Mädels, was mich noch mehr in Panik versetzt. Scheiße, ich muss mich ranhalten!

Und da kommt die erste Chance: Ich sitze ganz gut, jetzt heisst es nur paddeln und schön die Welle im Auge behalten, um den richtigen Punkt zu erwischen!

Paddel, Paddel, Paddel – Welle unter mir durch! NOOOOOOOOOOOOOOOO!

Welle-weg

Weitermachen! Nicht aufgeben!

Ich fange an mir gut zuzureden: „Du kannst das, du kannst das, atmen, atmen…“

Und es scheint zu helfen!

Die nächste Welle bäumt sich auf – ich paddel mit geballter Kraft an den hoffentlich richtigen Ort – Welle im Blick – paddeln, paddeln, paddeln…

… und zack, ich sehe und spüre, dass ich in der Welle bin, sehe die Steigung unter mir – und springe auf!

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Die nächste Welle, die ich jage, erwischt mich steil und spuckt mich erst wieder in der Impact Zone aus.

Ich paddel mir in der Impact Zone die Arme schlapp!

Die letzte Minute wird durchgesagt!

Shit, come on, eine kleine zweite geht noch.

Eine minikleine Welle bäumt sich in meiner Impact-Zone auf: Entweder alles oder nichts.

Ich drehe um, paddel und zack – bekomme das kleine Scheißding!

2 GESURFTE WELLEN! Wahoo!!!

Ich habe mein Ziel erreicht! Ich bin zufrieden! Egal, was jetzt kommt!

Was andere als Verlust sehen, kann dein persönlicher Sieg sein!

Natürlich ist meine Leistung trotzdem nur Platz 4 wert, denn die anderen Mädels sind selbstsicher auf den Wellen.

Dennoch: Ich muss lachen, als mein Name aufgerufen wird, denn wären mehr Mädels dabei, hätte ich den 4. Platz nicht gemacht. Trotzdem: Ich bin stolz! Ich habe es geschafft!

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Meine Locals sind ebenso stolz, dass ich mich gestellt habe!

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Sind die nächsten Surf Competitions einfacher?

Nicht einfacher, aber anders!

Du hast nun eine Vorstellung davon, was auf dich zukommt.

Meine zweite Surf Competition…

(Local Contest – Westport – April 2016)

… verläuft ganz anders, denn es ist eine kleine Competition unter uns Locals in Westport!

Wir haben wahnsinnig viel Spaß, da der Leistungsdruck nicht so immens ist. 8 Mädels – Viertelfinale und Finale.

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Meinen ersten Heat meistere ich so ganz anders als letztes Mal: Ich pumpe die Wellenwand einer wunderbaren Linken entlang und schaffe ein paar Turns. Danach noch eine ordentliche Rechte.

Bämm, das Ding hab ich eingetütet. Im Viertelfinale werde ich 1.!

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Ab in die nächste Runde! Finale!

Leider läuft es dieses Mal nicht so rund, wie in der ersten Runde.

Dennoch reicht es aus: Ich mache den 2. Platz und bin sehr stolz auf mich!

Und die Laune bei allen am Abend ist perfekto:

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Meine dritte Surf Competition…

(Coldwater-Classic – Kaikoura – Juni 2016)

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… ähnelt wieder viel mehr dem ersten Surfcontest, denn wir befinden uns bei den Coldwater Classic in Kaikoura, einem weiteren Stopp des Südinsel Circuits.

Dieses Mal zusätzlich erschwerte Bedingung: Kälte! Der Name Coldwater Classic hat seine Daseins-Berechtigung:

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(Wobei die Hood nur Morgens um 8 Uhr, wie hier notwendig ist – Mittags ging es auch ohne Hood)

Meine Aufregung immens, die Mädels dieses mal: Wieder gehobenes Level. Die Wellen in Kaikoura, Meatworks, sind ordentlich groß.

Kaikoura

Den Spot: Noch nie gesurft!

In den Open Woman bekomme ich 3 Wellen, aber alle sind nicht der Rede wert und eher scheiße anzuschauen. Bei einer komme ich nicht aus dem Weißwasser auf die Wellenwand, in der nächsten schaffe ich es nicht ordentlich aufzustehen und die Dritte wäscht mich. Tataaaa! Verkackt! Egal, ich bin froh, dass ich überhaupt Wellen bekommen habe.

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Die Senior Division (28 Plus, jaaaa, da ist man plötzlich schon senior woman) läuft noch beschissener: Nicht eine einzige Welle!

Ich bin gefrustet!

So war das nicht geplant!

Mein Ärger über mich selbst ist immens und ich kann mir nur schwer verzeihen!

Meine Westporter BullerBoardriders-Crew ist trotzdem stolz auf mich und versucht mich aufzumuntern. Es dauert eine ganze Weile, bis ich wieder vom Ärger über mich selbst absehen kann.

Aber genau das ist ebenso eine Lektion, die ich lernen muss: Mit Verlust umgehen!

Und immerhin trösten die Wahnsinns-Wellen an diesem Wochenende ebenso, die am nächsten Morgen ohne Druck endlich in Ruhe ausgekostet werden können! Allein dafür lohnt sich der Trip!

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Lohnt es sich an einer Surf Competition teilzunehmen?

Auf alle Fälle!

Für mich persönlich ist die Kernessenz:

Scheißegal, wie es bei einer Surf Comp läuft – vor allem bei der ersten – es ist einen Versuch wert!

Und ich finde es wichtig, dass du liest, dass du nicht unbedingt Wunder von den ersten Surf Comps erwarten musst – deshalb schreibe ich auch darüber!

Ich will dir nicht nur die glänzenden Momente auf diesem Blog zeigen, sondern die echten. Denn Surfen ist eine jahrelange Entwicklung! Und ich nehme dich mit auf meine!

Was wäre deine größte Angst vor einer Surf Competition?

 

Über erste Surf Competitions und wie sie dich beim Surfen weiterbringen

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