Wenn ich zu Besuch in Deutschland bin, versuche ich alles, um mich für die nächste Surfphase fit zu halten:

Ich übe meine Take-Offs, mache spezielle Surf-Workouts, gehe auf dem See paddeln, ins Schwimmbad zum Kraulen und schaue Surf-Videos.

Was ich ebenso gerne mache und wovon ich auf jeden Fall einen Effekt spüre: Tauchen!

Einfach nur ganz simpel im Schwimmbad unter Wasser Bahnen ziehen und dabei versuchen, so weit wie möglich zu kommen. Denn Luft anhalten trainieren ist natürlich ein wahnsinnig wichtiges Element bei der Surf-Vorbereitung.

Was aber, wenn dir ein Experte mal wirklich zeigt, wie es geht?

Zum Beispiel ein Freedive-Coach!

In meinem Fall hatte ich das Glück, dass mir eine liebe Freundin einen Free-Dive-Kurs zum Geburtstag geschenkt hat!

Denn immer wieder kommt es beim Surfen zu heftigeren Wipe-Outs, die einem im wahrsten Sinne des Wortes den Atem rauben!

Wie zum Beispiel letztens in Bali:

Die Angst vor großen Wellen – Wie ich sie überwinde

Angst vor großen Wellen

Danke Silke, Wahnsinns-Geschenk!

Und ich bin so begeistert davon gewesen, dass ich euch darüber berichten muss!

Nicht nur, weil ich schon in Deutschland die Wirkung deutlich spüren konnte, sondern weil ich auch bei meinen darauf folgenden Wipe-Outs hier in Portugal einige erlernte Dinge anwenden konnte!

Was ist Free-Diven überhaupt?

Freediven ist das Tauchen mit nur einem Atemzug. Auch Apnoetauchen genannt.

Apnoe kommt das aus dem Griechischen (natürlich, was sonst!*lacht*) und wird folgendermaßen erklärt:

Apnoeπνοή (ausgesprochen Pnoi) = „Atmung“// ἄπνοια (ausgesprochen apnoia) = Nicht-Atmung

„Und was kann ich beim Freediven lernen? Luft anhalten kann ich doch schon!“

Najaaaa, das denkt man so, ne?

Ich kann euch aber sagen, dass ich überrascht war, was ich in nur einem Tag aus meiner Atmung bzw. Nicht-Atmung rausholen konnte!

Und obwohl es beim Freediven nicht um Rekorde gehen sollte (außer bei Wettbewerben natürlich) und eine zu erreichende Zeit laut unserem Coach nur unnötig Druck macht, will ich euch dennoch eine beeindruckende Tatsache nennen, die euch evtl. ebenso überzeugt:

Silke und ich konnten beide die Zeit, in der wir unsere Luft anhalten, VERDREIFACHEN!

Niemals hätten wir mit so einem Ergebnis gerechnet!

„Und was genau passiert bei einem Freediving Kurs?“

Mit Sicherheit läuft jeder Kurs anders und ich habe bisher nur diesen einen ausprobiert!

Deshalb will euch nicht das ultimative Freedive 1×1 an die Hand geben, sondern von meiner Erfahrung erzählen und auch Timo Niessner, meinen Freedive-Coach ein paar Dinge erläutern lassen!

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Sofort ab ins Wasser – oder nicht?

Wer sich beim Freediven nur im Wasser sieht, liegt schonmal komplett falsch!

Denn anders als erwartet, verbringen wir zunächst einige Zeit auf einer Wiese. Und ich behaupte im Nachhinein, dass hier alles steht und fällt. Denn was wir hier an die Hand bekommen, sind Atemtechniken, die uns den ganzen Tag über noch begleiten werden.

(Atemtechniken, die gefühlt sehr individuell auf unsere jeweiligen Körperreaktionen angepasst werden und learning-by-doing funktionieren. Eine Anleitung kann ich deswegen nicht geben.)

Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich wirklich verstehe, wie mein Atmen funktioniert!

Verrückt, denn eigentlich dachte ich, dass ich das schon seit 31 Jahren kann!

Ganz ehrlich: Dem ist nicht so!

Das intuitive Atmen hat nämlich nichts mit dem zu tun, was wir hier tun!

Selbst beim Yoga und Meditieren, das ich gerne immer wieder betreibe, habe ich das bewusste Atmen noch nicht so begriffen, wie an diesem Tag.

Es spielt sich alles in deinem Kopf ab!

Das wird uns noch schnell bewusst werden!

Mit dem an Land Erlernten geht es ab ins Wasser!

Also, Atemtechniken zur Vorbereitung… langsam in einen ruhigen und fast schon meditativen Status einatmen – nur dieses Mal durch einen Schnorchel…

Und dann: Schnorchel raus – Loslassen – Luft anhalten – schweben…

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Ich genieße die Ruhe. Auch die in meinem Kopf. Denn das ist eine der wichtigsten Lektionen, die ich heute mitnehme:

Der kleine Affe, der sonst immer Purzelbäume im Kopf schlägt, muss sich jetzt mal mit einer Banane auf einen Stuhl setzen und einfach mal den Mund halten.

Fokus auf einen Gedankengang ist angesagt. Einen, der mir hilft, nicht daran zu denken, dass ich gerade die Luft anhalten muss und dass sie irgendwann aufgebraucht ist. Etwas, das bei jedem anders aussieht, aber das hier geübt werden kann.

Denn der Körper kann soviel mehr, als der Kopf uns manches Mal sagt!

Während der gesamten Zeit steht uns Timo zur Seite.

Sobald wir an unsere Grenze kommen, gibt es ein vereinbartes Zeichen, sodass Timo auf uns reagieren kann und – seine Kenntnisse anwenden kann… es ist der Wahnsinn, denn eigentlich bin ich überzeugt davon, dass ich gleich nicht mehr kann.

Timo aber schafft es, noch soviel mehr aus meiner Lunge rauszuholen. Er redet mir zu, er erinnert mich an die vielen Dinge, die wir an Land gelernt haben und ich merke selber: Krass! Der Typ hat Recht! Ich kann noch!

Erst einige Zeit später reisse ich den Kopf aus dem Wasser…

… und grinse aber über beide Ohren:

Ich bin stolz auf mich!

Ich glaube nicht, dass ich vorher jemals solange unter Wasser war. Es hat ein bisschen was von einer guten Welle beim Surfen – die Glücksgefühle sprühen im Körper. Auch in Silkes Gesicht der selbe Effekt. Positive Aura Ahoi!

Und wir wissen, dass wir das auch noch länger könnten! Es ist nur der Kopf, der meint es geht nicht mehr… etwas das man also trainieren kann!

Ab in die Tiefe…

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Wir bekommen Gewichte um die Hüfte und ich habe Angst – bisher war mir Timo sehr sympathisch, aber was hat er denn jetzt vor? Gewichte um die Hüfte? Das erinnert mich stark an einen Mafiosi-Streifen!

Aber: Klar, es macht Sinn! Wer unter Wasser bleiben will, muss auch etwas Gewicht mitnehmen.

Der Pool ist 4 Meter tief – für geübte Freediver ein absoluter Witz wahrscheinlich. Aber ich scheisse mich irgendwie ein. Unbekanntes, unkontrollierbares macht Angst!

Timo erklärt uns ausführlich, wie das alles abläuft – er setzt einen Haken an den Boden, zu dem wir runter tauchen sollen und an dem wir uns festhalten sollen.

Druckausgleich zwischendurch, damit die Ohren mitmachen.

Mit der Ruhe von Timo und dem Vertrauen in die Sache, geht es wieder in die Vorbereitungsphase – und dann abwärts!

Abhängen ist angesagt!

Und wieder helfen alle bisher gelernten Strategien!

Der Druckausgleich klappt auch und ich genieße es!

Einfach abhängen – Gedanken fokussieren – schweben!

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Da ich den Weg nach oben noch einberechnen muss, gebe ich noch früher auf, als ich könnte. Ich merke das!

Und wieder ist das Gefühl deutlich: Ich weiß, ich kann mehr!

Was ich von diesem Freedive-Kurs mitnehme:

  • Die richtige Atmung und das Luft anhalten hängt stark von den richtigen Techniken ab.
  • Ich kann viel länger unter Wasser sein, als ich glaube!
  • Das richtige Mindset unter Wasser ist essentiell!

Inwiefern ist Freediven für Surfer förderlich?

Timo beschreibt das Ganze so und ich würde ihm zustimmen:

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Erwischt einen die Welle so, dass man unter Wasser gedrückt wird, löst dies oft eine Panikreaktion aus. Diese Reaktion kann dazu führen dass man sich unkontrolliert bewegt, dabei sehr viel Sauerstoff verbrennt und sich das Risiko drastisch erhöht ein Black-Out zu bekommen. Dies passiert natürlich nur, wenn man länger keine Chance hatte zu atmen.
Hier können Techniken aus dem Freediven Surfer dabei unterstützen, die Zeit die sie ungewollt unter Wasser sind in Ruhe abzuwarten und richtig zu reagieren. Wenn ein Surfer weiß, „ich halte meine Luft locker ein paar Minuten an“ ist es unter Wasser schon viel einfacher die Ruhe zu bewahren. Durch kontrollierte Bewegungen spart er Sauerstoff und kommt entspannt zurück an die Oberfläche.

Was ich davon bei meinem nächsten Wipe-Out anwenden konnte:

  • Ich habe zwar nicht genügend Zeit, mich so intensiv wie beim Freediven auf die Zeit unter Wasser vorzubereiten – denn manchmal kommt ein Wipe-Out aus dem Nichts. Dennoch kann ich die erlernten Atemtechniken nutzen, während ich im Line-Up sitze. Ich fühle mich dadurch vorbereiteter und meine Lunge fühlt sich an, als wäre sie besser vorbereitet, wenn der kurze essentielle Atemzug notwendig wird, bevor die Welle einschlägt.
  • Dieser letzte notwendige Atemzug wird kontrolliert aufgesaugt – so gut es geht, mit der richtigen Technik. Ich weiß, wie es sich richtig anfühlt, wenn mein Körper mit Luft aufgefüllt ist.
  • Wenn die Welle mich erwischt, weiß ich, dass ich die Luft anhalten kann. Zwar bestimmt nicht so lange wie beim Freediven, denn die Vorbereitungsphase beim Free-Dive ist lange und intensiv, aber ich weiß, dass ich sehr viel länger unter Wasser sein kann, als ich glaube.
  • Wenn ich unter Wasser bin, weiß ich, was ich mit meinem Affen im Kopf machen muss, um Ruhe zu bewahren. Etwas, das ich vorher auch schon wusste, das aber bewusst angewandt einen immensen Unterschied macht. Ich bleibe ruhig.

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  • Ich habe beim Free-Diven richtig gespürt, welch krassen Unterschied es macht, wenn ich meinen Körper unter Wasser entspanne! Auch wenn ich vorher bei Wipe-Outs schon immer wieder diese Theorie angewendet habe und versucht habe, loszulassen – beim Free-Diven hat mir Timo so richtig gezeigt, wie ich immer noch anspanne, obwohl ich glaube, losgelassen zu haben, was mir noch mehr Zeit zum Luft anhalten gebracht hat. Denn alles angespannte und verkrampfte verbraucht zu viel Sauerstoff im Körper!

Wie du den richtigen Freedive-Kurs für dich findest

Ich persönlich kann Timo Niessner mit seinen Freedive your Life Kursen sehr empfehlen! Nicht nur, weil der Kurs an sich sehr gewinnbringend war, sondern vor allem, weil er in dem Kurs mit seiner persönlichen sympathischen Art für einen super Rahmen gesorgt hat: Ich habe mich aufgehoben und sicher gefühlt und es gab Raum für Diskussionen über die Affen im Kopf, für die man auch jemanden haben will, der einem ein gutes Gefühl gibt!

Und das Wichtigste, das mich absolut überzeugt: Man merkt, dass er liebt, was er macht!

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„… do what you love“ – etwas, das er tut und das man ihm anmerkt! Authentisch eben!

Und ihr kennt mich – eine meiner höchsten Prämissen!

Deshalb empfehle ich ihn euch auch gerne weiter!

Ihr findet ihn speziell unter: Freedive Your Life

Seine Kurse finden nicht nur in Deutschland, sondern auch an bestimmten Orten im Ausland statt! Checkt das!

Und wenn es nicht Timo ist….

… auf welche Kriterien muss ich bei der Wahl meines Freedive Coaches achten? Gibt es spezielle Zertifizierungen etc.?

Timos Antwort:

Zertifizierungen gibt es AIDA, SSI, ApneaAcademy und noch ein paar weitere. Wichtiger als die Organisationen ist jedoch einen Lehrer zu haben der sich Zeit nimmt und auf individuelle Bedürfnisse eingeht.
Jede Person ist anders und hat einen anderen Trigger wenn es darum geht die Luft länger anzuhalten. Schließlich gibt es Techniken die auch in größeren Gruppen zu vermitteln sind. Je weniger Leute jedoch in einer Gruppe sind, desto effizienter ist der Kurs und desto schneller kommt man für sich weiter.

Bock auf Freediven bekommen?

Kann ich verstehen! Ich bin absolut geflasht und würde diese Erfahrung unbedingt weiterempfehlen!

Für mich wird es jedenfalls nicht das letzte Mal gewesen sein! Denn ich weiß, dass da noch mehr geht!

—–

(In Kooperation mit Timo Niessner – Danke Timo für die Beantwortung meiner Fragen)

Hast du noch Fragen an Timo zum Thema Free-Diven? Wäre es reizvoll für dich? Stelle deine Frage oder hinterlasse eine Antwort hier in den Kommentaren!


 

Luft anhalten trainieren – Wie du dich auf Wipe-Outs vorbereiten kannst!

2 Gedanken zu „Luft anhalten trainieren – Wie du dich auf Wipe-Outs vorbereiten kannst!

  • 31. Mai 2017 um 17:54
    Permalink

    Meine liebe Pana,
    wie glücklich ich bin, dass Du einen Blogbeitrag über dieses Thema geschrieben hast.
    Deine Erfahrungen mit Timo kann ich bestätigen! Ich hatte einen hervorragenden Tag und habe sehr viel Mentalimprovement mitgenommen. Nun freue ich mich auf die nächsten Wellen. Sollen sie kommen. Ich bin gerüstet. Shaka!

    Antworten
    • 31. Mai 2017 um 18:24
      Permalink

      Ganz lieben Dank für deine Rückmeldung Stef! Freue mich sehr, dass es dir so getaugt hat wie mir! 🙂

      Viel Erfolg in den nächsten Wellen!!! 🙂

      Liebe Grüße, Pana

      Antworten

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