Surftipps_Teil1_TITELVielleicht geht es dir, wie mir damals:

Seit du deine erste Welle gestanden bist, hast du Bock auf mehr!

Und nicht nur nach mehr, sondern auch nach besser!

Was mir immer wieder durch den Kopf ging und mir unter den Nägeln gebrannt hat:

Wie werde ich besser beim Surfen?

Was mir damals sehr viel gebracht hat und natürlich auch heute noch hilft, sind Ratschläge von erfahrenen Surfern.

Deshalb habe ich langjährige Surfer befragt und um ihre Ratschläge gebeten.

Also: Lesen und Ratschläge aufsaugen!

(Um einen Eindruck zu bekommen, wie viel Zeit die Surfer jeweils mit Brett am Meer verbracht haben, um zu ihrem heutigen Surflevel zu gelangen: Die Befragten wurden gebeten, ihre Anzahl an Surftagen in Wochen umzurechnen. Es handelt sich hierbei um eine grobe Einschätzung.)

Surftipps von Julian Siewert

vom Surfblog Surfnomade

Surfblogger und Online-Unternehmer, 37 Jahre alt, lebt in Berlin und an verschiedenen Surfspots nach Belieben.

Surft seit 1998 – Surferfahrung: Ca. 117 Wochen

Surfnomade-Brasilien

Wie verlief dein Weg zu deinem heutigen Surflevel und was hat dich dabei weitergebracht?

Von einem dreitägigen Schnupperkurs mal abgesehen, habe ich nie einen Surfkurs belegt. Ich habe mir das Surfen also weitgehend selber beigebracht. Eine große Rolle hat dabei gespielt, das Meer, die Wellen und bessere Surfer stundenlang vom Strand aus zu beobachten. Ganz wichtig waren aber auch meine Auslandaufenthalte. Ich lebte und studierte für ein Jahr in Brasilien und überwinterte in Südafrika. Um wirklich gut zu werden, reichen mehrwöchige Surfurlaube meiner Meinung nicht aus.

Was kennzeichnet in deinen Augen einen guten Surfer?

Das wichtigste Merkmal für mich ist, dass gute Surfer genau hinschauen, welche Welle sie anpaddeln und welche sie links liegenlassen. Die meisten Anfänger und Intermediates achten erstmal nur darauf, ob eine Welle groß genug ist, um sie mitzunehmen. Dabei ist es viel wichtiger zu erkennen, wie sich eine Welle entwickelt. Es geht darum zu beurteilen, ob ein langer Ritt möglich ist, denn ansonsten endet der Ritt schnell im Weißwasser. Um einen Blick für die richtige Welle zu entwickeln, braucht es einfach Zeit und Erfahrung. Ab einem bestimmten Surflevel ist es dann wichtig, den gesamten Körper einzusetzen, um ausreichend Speed zu generieren.

Welche Tipps hast du, um diesem Punkt näher zu kommen? Vor allem als deutscher Surfer?

Weil die meisten deutschen Surfer nur im Urlaub ins Wasser kommen, geht es darum, sich in möglichst kurzer Zeit effektiv zu verbessern. Das funktioniert eigentlich nur in einem Surfcamp. Dabei sind die entscheidenden Kriterien für schnelle Surferfolge gute Surfbedingungen gepaart mit professioneller Video-Analyse.

Die mit Abstand beste Art, um ein guter Surfer zu werden, ist meiner Meinung nach aber eine Langzeitreise mit Surfboard. Um über das Anfängerlevel hinauszukommen, hilft es eigentlich nur, für längere Zeit direkt am Meer zu leben. Ob nun eine Weltreise, ein Auslandssemester, Praktikum oder Work & Travel am Meer. Hauptsache du bringst deinen Körper über mehrere Monate dazu, sich an die Bewegungsmuster beim Surfen zu gewöhnen und eine Art Routine zu entwickeln. Der Rest kommt dann wie von selbst.

Surftipps von Mascha Trietsch

Teilnehmerin der Deutschen Surf-Meisterschaften 

Flugbegleiterin, 21 Jahre alt, lebt in Darmstadt.

Surft seit 2006 – Surferfahrung: Mehrere Wochen/ Monate pro Jahr (Keine Angabe in Wochen).

Mascha_Trietsch_Surfen_

Wie verlief dein Weg zu deinem heutigen Surflevel und was hat dich dabei weitergebracht?

Mit 12 machte ich mit meiner ganzen Familie meinen ersten Surfkurs. Wir waren auf Maui und mein Vater bestand darauf, dass wir surfen gehen müssen. Wir haben riesige Longboards ausgeliehen und wurden von unserem Surflehrer in perfekte grüne Wellen geschubst. Zwei Jahre später fuhren wir zum ersten Mal zum surfen an Frankreichs Atlantikküste und das war der Start für zahlreiche Surfurlaube seitdem. Der nächste große Schritt für mich war mein Austausch nach Neuseeland 2011 wo ich das Glück hatte 3 Monate direkt am Meer zu leben. Mittlerweile hatte ich einige Erfahrungen auf meinem geliebten Mini Malibu in Frankreich und auch Portugal sammeln können und wechselte nun zum Shortboard. 2011 nahm ich auch das erste Mal an der Deutschen Meisterschaft teil und habe seitdem keine mehr verpasst. Ich hatte dadurch die Chance an noch ein paar weiteren internationalen Contests teilzunehmen und habe viele Leute kennengelernt die mir bei meiner Entwicklung im surfen weitergeholfen haben.

Was kennzeichnet in deinen Augen einen guten Surfer?

Keine Angabe

Welche Tipps hast du, um diesem Punkt näher zu kommen? Vor allem als deutscher Surfer?

Eine große Hilfe ist es für mich immer wenn ein anderer Surfer oder Coach sich ein paar meiner Wellen anguckt und mir Tipps geben kann. Umso besser wenn vielleicht jemand filmt, sodass man sich selbst mal surfen sehen kann. Meiner Meinung nach macht das einen großen Unterschied, da es im Surfen schwierig sein kann sich selbst zu korrigieren und somit auch zu verbessern.

Außerdem denke ich, dass es besonders für eine/n Surfer/in aus Deutschland wichtig ist das Beste aus der Zeit zu machen die man am Meer verbringt und vor allem so viel Zeit wie möglich im Wasser zu verbringen. Es gibt im Surfen auf jeden Fall egal auf welchem Level man ist immer wieder neue Herausforderung und wahrscheinlich kann man gerade deshalb nicht mehr ohne.. 🙂

Surftipps von Sebastian Emmert

Besitzer der Surfschule Surfguiding Peniche

Besitzer der Surfschule Surfguiding Peniche in Portugal, 32 Jahre alt, ursprünglich aus Hammelburg bzw. Würzburg, lebt seit 2006 in Potugal in Peniche.

Surft seit 2001 – Surferfahrung: ca. 500 Wochen

Sebbo_Surfen_Surfguiding_Peniche

Wie verlief dein Weg zu deinem heutigen Surflevel und was hat dich dabei weitergebracht?

Weitergebracht hat mich einfach nur die Zeit am Meer. Und vielleicht, dass ich noch relativ jung und fit war, als ich angefangen habe. Direkt nach der Schule war ich ein Jahr in Zentralamerika und da praktisch jeden Tag im Wasser. Das ist eine gute Basis. Auch wenn man nach einem Jahr noch Beginner ist. Danach eben 10 Jahre Peniche. 

Was kennzeichnet in deinen Augen einen guten Surfer?

Dass sein Surfen natürlich aussieht, er keine Antibewegungen macht, Flow hat und nicht rumhampelt. Was gutes Surfen ist ist eine philosophische Frage. Für einen 16 jährigen Kalifornier ist es wahrscheinlich das was von der ASP mit vielen Punkten bewertet wird. Für seinen Papa wahrscheinlich nicht mehr… Aber beide, genauso wie jeder Außenstehende wird sehen, ob es gut aussieht oder erzwungen. Viele Surfer sind im übrigen nur in genau “ihren” Bedingungen gut. Man muss nicht in allen Wellen gut sein. Wer zum Beispiel Angst vor überkopfhohen Wellen hat, der kann sein Shortboard gleich verkaufen und widme sich einfach dem Longboard. Surfen ist nicht gleich Surfen. Und gutes Surfen hat nichts mit kurzem Brett zu tun. 

Welche Tipps hast du, um diesem Punkt näher zu kommen? Vor allem als deutscher Surfer?

Kein Stress. Surfen dauert Zeit. Wer ankommt und nach einem Monat erwartet irgendwas zu können kann gleich wieder heim. Oder nach einer Woche. Körperliche Fitness muss sein. Erstens mal um Zeit im Wasser zu verbringen (wer am besten Tag der Woche 8 Stunden drin ist hat wahrscheinlich mehr gute Wellen als die kleine Marie, die jeden Tag nur ne knappe Stunde schafft) und zweitens zum Surfen selbst: Alleine der Take-off macht schon aus, ob jemand überhaupt eine Welle gut erwischen kann. Wer immer noch sein Knie dabei hat oder erst das eine Bein setzt, dann das andere hinterherschleift, der hat da draußen nichts verloren. Vom Paddeln muss man gar nicht reden. Das alles muss trainiert werden, v.a. wenn man nicht mehr 15 ist. 

Und dann halt der Materialfehler: Im Internet gibt es genug Boardvolumenrechner. Und die bringen keinem irgendwas, der nicht in der Lage ist jede Welle an der richtigen Stelle zu erwischen, entlangzufahren und einen Cutback zu fahren. Vorher solltet ihr einfach ein großes Board haben. Ja, ich könnte mich jetzt stundenlang darüber auslassen. Jedem das seine. 

Surftipps von Leonie Awad

Mitarbeiterin des Surf- und Snowboardmags Golden Ride

Mitarbeiterin bei der Golden Ride, Lehrerin, Personal-Trainerin und zertifizierte Surflehrerin, 32 Jahre alt, lebt in München.

Surft seit Oktober 2001 – Surferfahrung: Ca. 130 Wochen.

Leonie_Awad_Surfen_Golden_Ride

Wie verlief dein Weg zu deinem heutigen Surflevel und was hat dich dabei weitergebracht?

Da ich schon als Jugendliche surfen lernen wollte, plante ich mit 17 ein Auslandsjahr nach der Schule ein. Beim ersten Mal Surfunterricht in Australien in einem Nationalpark in New South Wales hats mich dann gleich gepackt. Es war genauso wie ich es mir vorgestellt hatte, hart aber ungemein aufregend und herausfordernd. Nach dem Surfkurs kaufte ich mir von einem Kollegen ein altes Board (habe ich immer noch) und wollte so richtig loslegen. Leider waren meine Erfolge minimal und es hat sehr lange gedauert bis ich auf dem 6.0 Shortboard (Fishtail) endlich aufstehen konnte. Ich bin dann am Ende des Tripps auf ein größeres Funshape Board umgestiegen, der Umstieg hat mich sehr viel weitergebracht.

In meinem Studium der Sportwissenschaft traf ich leider auf wenige Surfer und allein traute ich mich dann erst nach circa 2,5 Jahren wieder zum Surfen loszuziehen.Von da an habe ich mein Leben so geplant, dass ich Studium und meine Leidenschaft zum Surfen vereinen kann. D.h ich habe meine Surfinstructor Lizens gemacht, um in den Semesterferien zu jobben und natürlich Surfen zu können. Ich bin nach München gezogen, um wenigstens 1 mal die Woche, wenn auch eher schlecht als recht, im Eisbach zu surfen.

Ich habe mein Auslandssemester in einem wellensicheren Land geplant (Costa Rica). Meine achtmonatige Weltreise nach dem Studium ging natürlich auch nur in Länder, in denen man surfen kann. Kurz: Seit 12 Jahren bin ich nicht mehr ohne mein Board vereist. 

Weitergebracht hat mich dabei definitiv, dass ich auch in München viele Stunden in der Woche Sport mache und meine Muskulatur immer vorbereitet ist bei jedem Surftrip.

Durch einen meiner Arbeitgeber, das Golden Ride Magazin, für das ich des öfteren Surfreiseartikel oder Surfworkouts produziere, bin ich öfters mit dem Sport und den Sportlern in Kontakt. Einmal die Woche versuche ich an den Eisbach zu gehen, dort Surfen und Paddeln bringt auch etwas für das Meersurfen. Unter anderem hilft mir auch das Mädels-Surfworkout welches ich in München im Park mit Hilfe von Roxy und dem Golden Ride Magazin durchführe.

Durch viele Surftrips in der ganzen Welt kenn ich viele Surflocals, die Einheimischen haben mir immer sehr viel weitergeholfen und mir ihre Topspots gezeigt oder mir Surftipps gegeben.

Was kennzeichnet in deinen Augen einen guten Surfer?

Für mich ist ein guter Surfer eine Person, die bei jeden Bedingungen das Beste aus sich und den Wellen rausholt. Also jemand, der keine schlechten Wellen kennt! Mich beeindruckt es, wenn ein Surfer auch bei absoluten Scheißwellen, Powerturns und Aerials raushaut und das ganze auch noch mit einem Lächeln im Gesicht! (Ich gehöre leider nicht zu dieser Kategorie!)

Ein guter Surfer kennt keinen Localism oder Ähnliches… obwohl er jede Welle haben könnte lässt er/sie anderen Surfern auch mal ne Welle, weil er sich und dem Ozean nichts beweisen muss.

Ein guter Surfer hat Respekt vor dem Meer, er weiß z.B. wann ein Break einfach nicht mehr surfbar ist oder informiert sich (ganz ohne Arroganz) erst einmal über bisher noch nie gesurfte  Spots bei den Locals.

Welche Tipps hast du, um diesem Punkt näher zu kommen? Vorallem als deutscher Surfer?
  • Zwischen den Surftripps aktiv sein und Übungen machen, die dem Surfen ähneln. Propriorezeptives Training zum Beispiel: Dabei wird mit wackeliger Unterlage trainiert (dem Wasser nachempfunden) und vor allem deine Tiefenmuskulatur und deine Balance trainiert (TRX, Flexibar etc.) sowie Schwimmen oder Paddeln am See/ Fluss.
  • Videoanalyse vor Ort. Einfach mal einen Freund fragen ob er mal 2-3 Wellen filmen kann. Sich dann bei jeder Welle 1-2 Sachen vornehmen, auf die man konkret achtet.
  • Sich immer gut mit den Locals stellen, um auch mal versteckte und einsame Wellen zu surfen.
  • Während dem Studium oder einer Auszeit im Surfcamp arbeiten, um möglichst viel Zeit zum Surfen zu haben und nebenbei nicht zu verarmen.
  • Viele Auszeiten nehmen: Sabbatjahr etc.
  • Viele verschiedene Wellen surfen.
  • Immer ins Wasser gehen, auch bei schlechten Wellen!
  • Sich mit anderen Surfen connecten.
  • Locale Gegebenheiten optimal nutzen: Ein Wochenende in Levanto (Italien 4h von München), Eisbach, Nordsee/Ostsee etc.
  • Sich einen Job suchen bei dem man entweder viele Ferien hat (z.B. Lehrer) oder von überall in der Welt arbeiten kann: Fotograf, Webdesigner, Blogger.

Weitere Surftipps…

… findest du hier:

Lerne besser zu surfen – Surftipps von erfahrenen Surfern! (Teil 2)

Danke an alle teilnehmenden Surfer in diesem Teil für ihre Zeit!

Zu welchem Tipp hast du noch Fragen? Welcher Tipp ist für dich besonders hilfreich? 

Schreib es einfach in die Kommentare gleich hier unten!

 

Lerne besser zu surfen – Surftipps von erfahrenen Surfern! (TEIL 1)

2 Gedanken zu „Lerne besser zu surfen – Surftipps von erfahrenen Surfern! (TEIL 1)

  • 3. Oktober 2016 um 18:17
    Permalink

    Her Pana,
    dein Blog gefällt mir echt gut aber was ist mit diesem Sebastian Emmert falsch?
    Kleine Marie, wtf?
    Sorry aber in meinen Augen gehören Leute die sonen Kram von sich geben in kein Lineup dieser Welt.
    Wen man mit so einem seine ersten Surferfahrungen macht kannst einem ja direkt vergehen…
    Jeder der Bock hat zu surfen sollte dies tun und wenn er bis zum Ende seines Lebens den Take off übers Knie macht…so what?

    Ansonsten ist dein Blog super, Viele Grüße aus Arugam Bay

    Antworten
    • 15. Oktober 2016 um 12:42
      Permalink

      Hi Lulu,

      Danke für dein positives Feedback zu meinem Blog! Das freut mich!

      Zum anderen Punkt: Der Sebbo ist eigentlich voll in Ordnung. Die Frage war ja, welche Tipps er geben kann, damit man sich weiterentwickelt. Natürlich hast du Recht, wenn du sagst, dass man immer auch Spaß haben kann, wenn man über das Knie aufsteht. Ich stimme dir zu, dass der Spaß das Wichtigste ist. Aber wer noch zusätzlich das Ziel hat, sich weiter zu entwickeln, der sollte langsam daran arbeiten, nicht mehr üebr das Knie aufzustehen, um eben schneller zu werden.

      Die Ausdrucksweise ist natürlich Geschmackssache, aber wie gesagt: Eigentlich will er helfen. 😉

      Liebe Grüße, Pana

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.