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Surfen als Frau ist ein vielbehandeltes Thema:

  • Wird Ihnen beim Surfen weniger zugetraut?
  • Werden Sie im Wasser benachteiligt oder vielleicht sogar bevorzugt?
  • Werden sie im professionellen Bereich nur dann gesponsert werden, wenn sie gut aussehen und ihren Arsch in die Kamera halten?

All diese Themen habt ihr bestimmt, egal ob als Frau oder Mann schon einige Male diskutiert.

Diese Themen sind es aber nicht, die mich beschäftigen. Denn ich fühle mich insgesamt als Frau im Wasser nicht benachteiligt, noch habe ich das Gefühl, dass mir unbedingt weniger zugetraut wird. Und zum dritten Punkt könnte man jetzt wahrscheinlich einen ganzen Post mit wahnsinnig viel Diskussionsplattform schreiben.

Es gibt aber eine Sache, über die ich noch nie jemanden sprechen hören habe, die mich aber ab und an nervt. Vor allem hier in Neuseeland in meinem kleinen Dorf begegnet mir dieses Problem immer wieder.

Über was Niemand bisher spricht…

Stellt euch vor, ihr lebt seit ein paar Monaten in einem kleinen Dorf in Neuseeland. Sagen wir mal auf der Südinsel (Oh, Zufall!). Eure Mission: Jeden Tag in den Wellen sein und Surfen.

Genau das tut ihr.

Auffällig in eurem kleinen Dorf: Kaum surfende Frauen. Fast nur Männer.

Surfen_als_Frau

Alle freundlich, alle sehr hilfsbereit und alle sehr wertschätzend. Das Line-Up mit diesen Jungs zu Teilen macht immens Spaß. Jeder puscht den anderen und ein kleiner Chat ist vor, im und nach dem Wasser auch drin.

Du fühlst dich als Teil des Ganzen.

Die Locals wissen mittlerweile: Die Alte schmeißt sich mit uns in alles rein. Auch wenn sie manches Mal dabei zerbröselt wird. Oder sich eben ein blaues Auge einfängt.

Whatever! Hauptsache am Start und in den Wellen!

So, und jetzt stellt euch aber vor:

Die Connection stimmt. Offensichtlich.

Und mit einigen der Jungs hättest du Bock, einfach mal ein Bier trinken zu gehen. Abzuhängen. Mal ein bisschen mehr zu quatschen.

Mit den Solo-Männern ist das auch überhaupt kein Problem!

Aber da haben wir das große Problem:

Vergebene Männer. Fast alle.

Jetzt denkt ihr zu Recht: Na und?

Well, eigentlich auch meine Einstellung.

Denn ich habe Deutschland nicht deswegen verlassen, um mir einen Mann im Wasser zu suchen. Schon gar nicht einen Vergebenen.

ICH WILL EINFACH NUR SURFEN!

Kaikoura_pumping_neutral

Aber an diesem Punkt wird es aber lächerlich kompliziert.

  • Plötzlich musst du aufpassen, wie viel du lächelst, wenn du mit diesen Kerlen sprichst – du willst ja keine falschen Signale senden.
  • Du musst aufpassen, dass du dir nicht anmerken lässt, wie saunett du diese Menschen findest – es könnte fehlinterpretiert werden.
  • Einen Surftrip mit diesen Jungs an andere Küsten – undenkbar.

What the fuck!?

Jetzt könnte man natürlich klar sagen:

Pana, das ist alles nur in DEINEM Kopf.

Die Wahrheit sieht aber anders aus

  1. Ich habe ein sehr gutes Gefühl für Stimmungen und Situationen (Als Sozialpädagogin berufsbedingt vielleicht!).
  2. Dieses Gefühl hat sich leider bestätigt.

Es bedarf an dieser Stelle keiner Details und die Situation ist auch wunderbar durch ein Gespräch geklärt worden. Alles easy.

Aber: Wieso muss die Stimmung denn so angespannt sein!?

Was sich jede Männerdomäne auf die Fahnen schreiben sollte…

Ich fühle mich grundsätzlich wohl in Männerdomänen. Aus meiner Zeit in Bands z.B. weiß ich, wie es ist, eines von wenigen Mädels zu sein.

Boys_n_Girls

Ich habe ja immer den größten Spaß: Beim Scheiße reden kann ich mindestens so gut mithalten, wie die Boys und am Ende kommen die allerschlimmsten Sprüche unter der Gürtellinie wahrscheinlich von mir.

And you know what: Passt wunderbar! 

Wieso muss sich das dann also ändern, nur weil Partnerinnen ins Spiel kommen?

Natürlich sind hier nicht alle so…

…und Daumen hoch an genau diejenigen:

  • Die Kerls, die einfach normal bleiben

und viel wichtiger

  • Die Partnerinnen, die locker bleiben oder sogar das Gespräch suchen und merken, dass ich einfach nur auf Wellen stehe und nicht auf ihre Typen. Und am Ende ergibt das sogar eine richtig nette Connection!

Wenn Frauen sich also in der Männerdomäne „Surfen“ wohlfühlen sollen…

… dann heisst das für mich keinesfalls, dass man ihnen Wellen schenken muss oder besser behandeln muss als andere. Ich bin allgemein Fan von freundlichen Line-Ups für jedes Geschlecht.

Aber dann heisst das, dass es ebenso möglich sein muss, unbedarft Bier trinken zu gehen, Scheiße zu reden und sich einfach so zu treffen. Unabhängig vom Beziehungsstatus.

Wenn es also mal wieder heisst „es sollte mehr surfende Frauen geben“, dann sollte auch weitergedacht werden als an die reine Zeit im Wasser.

Es sollte mehr surfende Frauen geben, die ein Teil der surfenden Gemeinschaft sind – auch an Land!

Also: Bezieht die Mädels ein, lacht euch gemeinsam den Arsch über Wipe-Outs ab, zollt ihnen den selben Respekt für gute Wellen, lacht ebenso gemeinsam über ihre beschissenen und trinkt ein Bier mit ihnen.

Und das nicht nur, wenn ihr Single seid!

Bier_nach_dem_Surfen

Kennt noch jemand das Gefühl?

Ich muss sagen, dass mir diese Thematik bisher nicht allzu oft aufgefallen ist und vielleicht ist das auch ein Kleinstadt-Syndrom – aber deswegen interessiert mich umso mehr, wie es anderen damit geht. Egal ob Mann oder Frau:

Welche Erfahrungen habt ihr in Bezug auf dieses Thema gemacht?

Das Einzige, das mich beim Surfen als Frau wirklich ankotzt…

2 Gedanken zu „Das Einzige, das mich beim Surfen als Frau wirklich ankotzt…

    • 5. August 2016 um 15:35
      Permalink

      🙂 Ja, die Stimmung hat sich zum Glück mittlerweile beruhigt, nachdem die Mädels mich kennengelernt haben und gecheckt haben, dass ich einfach Bock auf Wellen hab! 😉

      Antworten

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