Manchmal laufen die Dinge einfach nicht gut.

Da kommt eine Scheiße nach der anderen und es bleibt dir nichts anderes übrig, als sie auszuhalten.

Das ist tatächlich auch auf dieser Reise so – nicht oft, aber das gibt es!

So wie vergangene Woche:

Die Überfahrt von der Süd- auf die Nordinsel – Ups and Downs auf ganzer Linie:

Organisatorisch – geografisch – aber auch emotional!

Was abging?

DOWN Nr. 1: Adieu Westport!

Wie ich in meinem letzten Beitrag erwähnt hatte, habe ich Westport verlassen, um Richtung Norden zu fahren.

Der Abschied dort fiel mir unglaublich schwer! Mit den Leuten dort habe ich wochenlang gemeinsam gelebt und gearbeitet, was ganz schön verbindet!

Zwar wurde mir der Abschied hiermit versüßt, aber leichter wurde er dadurch nicht!

Geschenk_Rin

(Zu Westport wird es noch ein eigenes kleines Kapitel geben, denn meine Zeit dort will ich euch nicht vorenthalten!)

UP Nr. 1: Bekanntes Gesicht in Christchurch

Immerhin konnte ich erstmal mit meinem Abschiedsschmerz zu einem Vertrautem, zu Michael. Denn mein Weg führte zunächst vorbei an Christchurch, um von dort meinen Relocation-Van abzuholen mit dem ich nach Auckland fahren würde.

(Was ein Relocation-Auto ist und ob sich diese Art des Reisen lohnt, habe ich für dich hier aufgeschlüsselt: Neuseeland: Relocation-Car – lohnt es sich wirklich?)

Nochmal zwei coole, entspannte Tage inklusive einem gediegenen Morgensurf in Kaiapoi:

Fatum_Dolphin

Außerdem hatte ich die Ehre, Michaels kleine Shaper-Werkstatt zu Gesicht zu bekommen. Ich durfte sogar selber ein bisschen an einem Blank rumschustern.

In Portugal war ich zwar oft bei Fatum, aber von einer Hobby-Surfboardwerkstatt wie dieser bin ich trotzdem ziemlich begeistert.

Der Deal steht bereits: Irgendwann shapen wir ein Cotton-Pana-Surfbrett.

Irgendwann…

Shaper_NZ

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DOWN Nr. 2 – Adieu Michael!

Ich fühle mich zerrüttet.

Nämlich ab dem Moment, an dem ich am Flughafen abgesetzt werde, damit ich meinen Relocation-Van abholen kann.

Schon wieder Zeit sich zu verabschieden! Zum wie vielten Mal seit ich Deutschland verlassen habe? Ich weiß es noch nicht mal mehr!

Aber das ist nunmal part of the game!

Mit getrübtem Grundgefühl und schwerem Herzen fahre ich also los in den Norden. Ich hoffe in Kaikoura einen klitzekleinen Surf genießen zu dürfen, denn das würde mir sofort den Kopf freischaufeln… so ist das nämlich immer… mit meinem Kopf… und mit meinem Herzen…

Ein Surf… alles wieder gut!

Aber unglaublicherweise ist Kaikoura „flat like a pancake! We haven’t seen Kaikoura this flat in ages!“

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Oh Mann!

Ich vermisse in diesem Moment meine Freunde, meine Familie, meine Arbeitskollegen, meine neu hinzugewonnen Freunde aus Bali, Sydney und Neuseeland! Nach Hause will ich nicht, aber ich hätte gerne alle Leute hier bei mir! Zumindest für einen Abend!

Kaikoura_flat

Ich schreibe meinen E-Mail-Abonennten, was in mir vorgeht. Irgendwie hilft es ein bisschen.

Und es hilft umso mehr, als ich wenige Minuten später und auch im weiteren Verlauf des Abends immer wieder superliebe Nachrichten von meinen Leuten bekomme!

Ich danke euch so sehr! Ihr seid einfach die Besten! Das hat mir unglaublich viel Kraft geschenkt und auch ein kleines Lächeln in mein Gesicht gezaubert!

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Am nächsten Morgen um 5.30 Uhr früh geht es dann auch schon von Picton auf die Fähre Richtung Nordinsel…

Ferry_Wellington

Es ist soweit:

DOWN Nr. 3: Adieu Südinsel

Meine Scheiße, war das eine schöne Zeit hier! Ich werde die Rauhheit, die leeren Line-Ups und die Vielfalt dieses Ortes sehr vermissen!

Ich werde noch trauriger!

Es beginnt wieder eine neue Zeit ohne zu wissen, was kommt. Das Einzige was klar ist, ist dass ich erstmal wieder auf mich gestellt bin.

Grundsätzlich nichts Schlimmes. Das wollte und will ich ja auch so. Aber dieses Mal bin ich noch nicht so wirklich bereit.

Aber wie war das gleich nochmal: loslassen!

DOWN Nr. 4 : Immernoch kein Surf 

Auf der Nordinsel ist klar was als erstes von Süden aus angesteuert wird: Die Gegend um Taranaki – der Surfers Highway!

Aber sogar hier: immernoch kein Surf in Sicht!

Verdammte Scheiße!

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Dafür bietet die Gegend anderweitig wunderschöne Aussichten:

Taranaki_Pause

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Krasses UP Nr. 2: Raglan

So, wenn auch hier kein Surf ist, dann weiß ich auch nicht mehr!

Mein Herz fängt an zu hüpfen, als ich folgendes Schild sehe:

Raglan_ankommen

Und was kurz danach kommt, macht mich fertig:

Raglan_Surfen

Perfekte Wellen!

Wirklich: perfekt!!!

Ich habe das Gefühl, dass ich hier für immer bleiben will!

Ich schmeiße mich natürlich in die Wellen! Und werde für mein Warten mit Perfektion und 22 Grad Wassertemperatur belohnt!

Ich gehe zwar mit Wetsuit rein, schmeiße ihn aber kurz darauf schnell an Strand und genieße es nach Ewigkeiten mal wieder im Bikini zu surfen!

Hach, perfekt!!!

Achja, und: habe ich schon geschrieben, dass es perfekt war?!

Fettes DOWN Nr. 5: No money, no honey!

So, und ab jetzt geht es bergab!

In Auckland gebe ich den Van ab und der nächste Mietwagen steht an!

Jetzt wirds aber erst richtig brenzlig, denn:

Die gute Pana hat es total verrafft, ihr Reisekonto mit Geld zu füllen! Tataaaaaa!

Da kannste die tollste Kreditkarte und das beste Reisekonto der Welt haben – das Konto füllen musste schon selber!

(Ich bin von meinem DKB-Konto mit Kreditkarte wirklich überzeugt –> lies selbst!)

Für den Mietwagen reicht es noch, allerdings nicht mehr für den Excess von 1500 Dollar (Excess=Eigenanteil im Schadensfall). Da habe ich natürlich nicht darüber nachgedacht.

Also muss ich zusätzlich eine Versicherung von 15 Dollar pro Tag abschließen, damit der Excess auf 250 Dollar runtergeht, die ich bezahlen kann. Damit zahle ich nicht mehr nur 58 Dollar pro Tag, sondern 73 Dollar! FUCK!

Bei 15 Tagen ist das nicht wenig.

Naja, selber schuld! Aber immerhin habe ich jetzt eine Versicherung.

Abfahrt!

DOWN Nr. 6: 1 broke girl!

Kennste die Serie 2 broke girls? Herzlich willkommen zu meiner persönlichen Show: 1 broke girl!

Mein erster Move mit neuem Mietwagen: The Warehouse. Wie beim letzten Mal Camping-Equipment besorgen.

(Was man alles am Start haben sollte für einen Roadtrip allein, kannst du hier lesen:

Neuseeland, Südinsel – Roadtrippin’ allein! Wie du dich besser vorbereitest als ich!)

Das bisschen Geld wird ja noch auf der Karte sein.

Tataaaaaa… denkste!

Nach 1 Std zusammensuchen aller Dinge, die ich brauche, steht da doch tatsächlich: CARD DECLINED!

FUCK!

Ok, irgendwas muss hier bleiben. Aber was?

Der Camping-Kocher? – Dann hab ich nichts zum Kochen!

Der Topf? – Wie kochen ohne Topf?

Die Matratze? – Wie schlafen?

LECK MICH AM ARSCH!

Jetzt bin ich richtig gefrustet!

Und: Natürlich habe ich auch NULL-KOMMA-GAR-KEIN-GELD mehr auf meinem Handy. Also auch kein Internet. Also kann ich auch kein Geld von meinem Hauptbankkonto auf mein Reisekonto überweisen!

Bargeldcheck: noch 30 Dollar!

Was tun???

In solchen Momenten am besten dahin, wo du dich am wohlsten fühlst. Das ist in unmittelbarer Nähe ganz klar Raglan. Tank ist voll, also auf gehts.

Der Surf in Raglan wird gut tun!

Tja, auch hier: denkste!

Ich komme an, es stürmt, die Wellen sehen heute ganz anders aus als gestern.

Raglan_mies

Nochmal im Vergleich:

Raglan_gut_nichtgut

Ich versuche mein Glück, merke aber relativ schnell, dass das alles keinen Wert hat! Wellen durcheinander wie eh und je und ich kriege nur auf die Mütze!

Was nun?

Idee: Andrea (die ich in Bali kennengelernt habe) hat mir das Solscape Hostel empfohlen. Vielleicht brauchen die jemanden zum woofen?

Leider sind alle Plätze voll, aber im Sturm, der immer schlimmer bis abartig wird, darf ich mich im hauseigenen Cafe einquartieren, mich wärmen und im Internet abhängen – für einen 5 Dollar-Kaffee.

Bargeldcheck: 25 Dollar

Ich bleibe den ganzen Tag, denn was anderes bleibt mir nicht übrig. Ich überweise natürlich als erstes Geld auf das Reisekonto und hoffe, dass es schnell geht.

Bei Sturm und Regen kannste draußen aber nicht kochen. Und im Solscape rumhängen bedeutet etwas konsumieren.

Also kaufe ich das billigste Sandwich: 6 Dollar.

Bargeldcheck: 19 Dollar

Glaubste ich bin lang satt von einem Sandwich?

Weiteres Sandwich für 6 Dollar.

Bargeldcheck: 13 Dollar

Ich nutze die Gunst der Stunde – Regenpause:

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Mit den letzten Nudeln, zwei Karotten und einer Tube Tomatenmark will ich mir ein Abendessen machen.

Pah, denkste!

Denn der Campingkocher hat nicht wie versprochen eine Gaskartusche inklusive! Waaaah! Also ab in den Supermarkt und Gaskartusche kaufen: weitere 3,50 Dollar gehen drauf.

Bargeldcheck: 9,50 Dollar!

Ich bete, dass der ganze Scheiß morgen früh vorbei ist!

Tataaaa: Endlich wieder ein UP!

Erste Amtshandlung dürfte klar sein: Bankautomat!

Daumen drückend gebe ich meine PIN ein.

Augen zu und betend… Augen auf: Juhuuuu! Geld kommt aus dem Automaten!

Dekadent kaufe ich mir erstmal einen geilen Kaffee und alles was mir sonst so taugt im Supermarkt! Ich bin saufroh und die Welt sieht auf einmal sehr viel besser aus!

Scheiß Geld!

Es heißt immer: Geld allein macht nicht glücklich!

Aber Leute: Allein in Neuseeland – ohne Geld – macht auch nicht glücklich!

Ganz klare Ansage also:

Wie ich bereits geschrieben hatte: Reisen ohne Plan und Ziel –> find ich super!

Aber: Reisen ohne Geld, weil man zu verpeilt ist –> nicht gut!

UP UP and away: Happy End in Manu Bay

Mit gefülltem Bauch, gefülltem Geldbeutel und guter Laune kann es also endlich wirklich losgehen:

Mein Nordinsel Roadtrip!

Aber bevor ich Raglan verlasse, checke ich natürlich nochmal den Surf.

Und hallelujah: es sieht definitiv besser aus!

In Manu Bay geht es ab! Die Wellen sind nicht gerade klein!

Manu_Bay_Raglan_groß

Ich bin aber so gepusht und happy, dass  ich mich in die Riesenoschis reinschmeiße!

KRASS sag ich euch!

Keine einzige Welle bekommen, aber dafür überlebt! Das war auch das Ziel!

Fix und fertig und ordentlich im Dreieck umeinander geschmissen, komme ich nach 2 Stunden Paddeln en masse wieder raus…

Glücklich!

FINALLY!

Und die Moral von der Geschichte?

1. Sei nicht dumm – kümmer dich drum!

Notiz an mich selbst: FÜLLE DEIN REISEKONTO!!!

2. Es ist normal auf einer solchen Reise – alle fresse irgendwann mal Scheiße!

Das gehört nunmal dazu. Es kann nicht immer nur rosig laufen! Das war mir schon bei Abflug klar! Und es darf dich auch nerven, aber es darf dich nicht entmutigen! Es gibt immer eine Lösung – zur Not wäre ich zur Polizei oder hätte in einem Hostel um Hilfe gebeten. Schließlich ist man nicht allein mitten im Dschungel, sondern in der Zivilisation!

3. Traurig wird man auch mal sein – ist ganz normal und gehört hier rein!

Ich finde es ganz arg wichtig, dass jedem der so eine Reise machen will, bewusst ist, dass es auch Momente geben wird, in denen man seine Freunde, die Familie und auch die gerade kennengelernten Menschen vermissen wird.

DAS. GEHÖRT.DAZU.

Wenn man aber bewusst hat, dass es jedem anderen Langzeitreisenden auch mal so geht und dass es auch wieder gut wird, dann lässt sich das leichter hinnehmen.

Außerdem wäre es doch völlig verrückt, wenn man seine Leute nie vermissen würde, oder?

In einer schönen Nachricht, die ich bekommen habe, stand drin:

„Traurig sein und die Menschen vermissen, die man gerne hat, ist ein Gefühl, das zeigt, dass man irgendwo gut verwurzelt ist“

DANKE dafür!

Letztendlich kann man sagen:

Es wird dir nicht immer die Sonne aus dem Arsch scheinen!

Aber da wo ich so hinreise scheint sie meistens vom Himmel, was bei mir das Scheinen aus dem Arsch sehr begünstigt!

Jetzt gerade z.B. scheint sie aus meinem Arsch, aber auch aus meinem Herzen: Die letzten Tage habe ich in Shipwreck Bay, in Sandy Bay und in Piha bei wunderschönen Wellen im Wasser gesessen und eine schöne Welle nach der anderen gehabt.

 

Würde dir die Sonne da nicht aus dem Arsch scheinen?

Neuseeland, von Süd- auf Nordinsel – Ups und Downs! Geografisch, organisatorisch und emotional!

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