Vor 2 Jahren, am 4. November 2014, hat sich mein Leben drastisch verändert:

Ich habe alles hinter mir gelassen, bin los geflogen und bin seitdem surfend in der Welt unterwegs.

Meine Gründe:

Jeden Tag surfen. Besser werden. Eins mit den Wellen sein.

War es damals eine gute Entscheidung loszuziehen?

Jeder der diesen Blog verfolgt kennt die Antwort und wir brauchen nicht lange drum herum reden: Absolut!

In den letzten beiden Jahren habe ich unfassbar schöne Dinge erlebt, mich beim Surfen weiterentwickelt und bin gefühlt mit den Wellen verschmolzen!

Außerdem haben sich neue Lebensmodelle ergeben, die sich teilweise immer noch surreal anfühlen:

Wie sich Tür und Tor öffnet, wenn du es zulässt

Sonne

„Surfing is not everything…(?)“

Diesen Satz habe ich in den letzten Monaten öfter gehört und er hat mich zum Grübeln gebracht:

Wenn Surfen nicht alles ist, was zur Hölle mache ich dann hier?

Denn Wellen haben in den letzten beiden Jahren (und eigentlich auch die beiden Jahre vorher) mein Leben geleitet. Und so geht es, in vielfältiger und unterschiedlicher Weise, den meisten Wellenjunkies da draußen.

Oder gehst du als Wellenjunkie noch gerne woanders in den Urlaub als an eine Küste mit Swell?

Versuchst du nicht auch, den Urlaubsantrag nach der besten Wellenzeit zu richten?

Hast du nicht schon zig Mal überlegt, wie du flexiblere Lebensmodelle finden kannst, um flexibel den Wellen folgen zu können?

Wenn ich also sage, dass es für viele von uns einen hohen Stellenwert im Leben hat, dann wird mir ein Surfer da wohl kaum widersprechen.

Und eigentlich kann ich mir auch nicht vorstellen, dass es für mich irgendwann anders sein wird.

Dennoch: Wie viel Platz darf Surfen in unseren Leben tatsächlich einnehmen?

Darf es unseren Arbeitsalltag bestimmen?

Darf es bestimmen, wie wir unseren Tag gestalten?

Wie viel Platz wir für andere Dinge lassen?

Und wie in meinem Fall ganz wichtig: Wo wir leben?

Denn seit ich im November 2014 Deutschland verlassen habe, konnte ich mir eine langfristige Rückkehr in die Heimat nicht mehr vorstellen.

Für mich war klar: Wo es keine Wellen gibt, kann ich auch nicht langfristig ausschließlich Zuhause sein!

Und wenn ich eines verstanden habe in den letzten Jahren, dann diese Lektion:

„Find what you love and let it kill you!“

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Ermüdungserscheinungen vom Surf-Weltreisen?

Ihr seht, ich lasse mein Leben durchaus von den Wellen leiten.

Wann kommt aber der Punkt, an dem man müde von der ganzen Surf-Weltreise Geschichte wird?

Wird das ganze nicht irgendwann auch mal langweilig?

Das Surfen an sich habe ich nicht satt. Denn je mehr sich der Körper an das Surfen gewöhnt, desto mehr braucht er diesen Ausgleich auch. Das habe ich besonders im letzten Sommer bei meinem 3-monatigen Heimatbesuch in Deutschland gemerkt, der mittendrin zu einem 2-wöchigen Wellenauftank-Trip nach Portugal geführt hat. Wellenhummeln im Hintern haben wäre wohl der richtige Ausdruck dafür.

Die zusätzliche Crux: Surfen wird man niemals komplett erlernt haben. Es gibt also immer etwas, das man noch lernen kann. Der Ansporn wird immer vorhanden sein!

Die Perspektive also: Kein Ende in Sicht!

Müde vom Reisen an sich hingegen: Jap, solche Phasen habe ich immer wieder mal. Es ist schön, nach einer intensiven Surfreise-Phase auch mal wieder für einige Monate einfach an einem Fleck zu sein, wo ich dennoch surfen kann (wie z.B. in Neuseeland, die mittlerweile eine Homebase für mich ist).

Denn so sehr ich es liebe zu reisen, neue Surfspots zu entdecken und mich auf Abenteuer einzulassen – ab und zu will ich einfach nur Routine empfinden. Ja, verrückt aber wahr. Manchmal sehnt man sich nach einem Ort ohne viele Unbekannte.

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Die Sehnsucht nach neuen Surfspots hingegen fühlt sich ebenso wie eine lebenslange Aufgabe an: Obwohl ich längere Phasen in Neuseeland habe bzw. haben werde und es genießen kann: Ich freue mich ebenso schon wieder auf die nächste Phase des Surf-Reisens. Es reizt ungemein, neue Spots zu entdecken, mit den Locals vor Ort in Kontakt zu kommen und Neues zu lernen. Ein Gefühl, von dem ich nicht genug bekommen kann!

Sehnsucht nach Zuhause?

Ok, von Wellen leiten schön und gut. Aber was ist mit der Sehnsucht nach der Heimat? Immer wieder wurde ich gefragt, ob ich Zuhause nicht auch vermisse?

Ich muss gestehen: In meinem ersten Jahr meiner Reise gab es kaum Momente der Sehnsucht nach Zuhause. Ich war geflasht, ich war am Erleben und meine Ersparnisse waren ausreichend.

Ein Surfbrett. Ein Backpack. Ich.

Sorgenfrei.

Erst ab dem zweiten Jahr kamen viele Fragen auf, die manches Mal zu Zweifeln geführt haben z.B.:

Fragen, die immer wieder zu Tiefs führen, wegen denen du dein gesamtes Vorgehen anzweifelst.

Während die erste Frage durch Arbeitsmöglichkeiten schnell beantwortet wird und es nur eine Frage der Zeit ist, bis man sich regeneriert hat, ist die zweite Frage eine oft vorhandene Sorge. Vor allem wenn es mal wieder an der Zeit ist, sich zu verabschieden.

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Die meisten Zweifel kommen besonders dann auf, wenn alles auf einmal scheiße läuft:

  • Die Immigrationsbehörde hier in Neuseeland braucht noch mehr Anträge, Formulare und Unterschriften, die wiederum mit Geldsummen verbunden sind….
  • … dadurch wird die finanzielle Lage nicht unbedingt einfacher…
  • … zeitgleich ist Abnabeln von der Hostelfamilie in die erste eigene Bude hier in Neuseeland angesagt, was gewöhnungsbedürftig ist…
  • … der Abschied aus Deutschland liegt auch noch nicht fern und schmerzt…
  • … und als wäre das nicht anstrengend genug: Die Erde bebt plötzlich! Und zwar auch noch in der ersten Nacht allein in der neuen Wohnung! Auch die kommenden Tage gibt es immer wieder Nachbeben, die eine konstante Übelkeit auslöst!

Wenn dann die eine Sache verwährt bleibt, wegen der du das alles tust, dann sind die Zweifel laut und deutlich! Kein Surf, weil die Erde bebt und Unwetter toben, kommt dann sehr ungünstig!

In solchen Momenten denk ich: Scheiße Mann, ist es das alles wirklich wert? Sollte ich nicht einfach Zuhause sein???

Aber dann kommt auch schon gleich die nächste wichtigste Frage für mich auf:

Wo ist Zuhause mittlerweile für mich überhaupt?

Home is where….?

Jeder Mensch braucht das Gefühl von Zuhause sein. Und während die einen das Gefühl haben, „lost“ zu sein und gar kein Zuhause zu haben, habe ich ein ganz anderes „Problem“:

Was, wenn ein Mensch nicht nur an einem Ort Zuhause ist?

Für mich persönlich gibt es nämlich 3 Arten, den obigen Satz zu beenden.

1) Home is where… your friends are!

Während du in der Welt unterwegs bist, knüpfst du viele neue Kontakte und gewinnst so manch guten neuen Freund. Etwas, dass das Reisen sehr besonders macht und um das ich sehr dankbar bin!

Wenn du also Freunde überall auf der Welt hast, kannst du dich theoretisch auch überall zu Hause fühlen!

Aber eine Sache wird niemals ersetzbar werden, egal was du tust: Langjährige Freunde!

Die Menschen, mit denen du ein Repertoire an verrückten Nächten, unvergesslichen Tagen und zusammenschweißenden Momenten erlebt hast – kein Mensch der Welt kann solche Freunde austauschen!

Und genau das fühlt man auch, wenn man mal wieder Zuhause in Stuttgart ist!

Leute, ihr seid der Hammer! Der vergangene Sommer mit euch war einfach so wundervoll!

Ich habe es so sehr genossen, euch alle wieder um mich zu haben und ich bin froh darum, dass ich den 16,000km weiten Heimweg angetreten bin.

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Meine Freunde erinnern mich an die Dinge, die mindestens ebenso wichtig sind, wie das Folgen deines Herzens: Das Füreinander Dasein und den Zusammenhalt!

Etwas, das ich immer von egal wo bieten möchte. (Danke dir, du erstaunliche Technik!)

2) Home is where… the waves are!

Egal, ob in Neuseeland, Portugal, Indonesien oder sonst wo auf der Welt: Die Wellen sind mein Zuhause!

Ein Leben ohne Wellen kann ich mir beim besten Willen nicht mehr vorstellen!

Schau dich auf diesem Blog um und du weißt Bescheid!

Im Moment sind das die Wellen in meinem klitzekleinen süßen Kaff auf der Südinsel in Neuseeland mit einer lieben Surf-Community, die dich keinen Moment daran zweifeln lässt, dass du hier Zuhause bist!

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Der Konflikt bei der Sache…

… wird schnell deutlich:

Da wo meine Freunde sind (die in Deutschland zumindest), sind keine Wellen.

Da wo die Wellen sind, sind meine Lieben nicht!

Ein ständig vorhandener Zustand, der sich nicht wegreden lässt!

Aber: Etwas, mit dem man umgehen lernt!

Denn:

3) Home is where… the heart is!

Wer diese Lektion versteht, gewinnt unendlich viel Freiheit im Kopf, die auch die zähen und schwierigen Momente unterwegs relativieren:

Wenn ich mich bei meinen Freunden und meiner Familie Zuhause fühle, dann deshalb, weil ich mich bei ihnen wohl fühle!

Wenn ich mich in den Wellen Zuhause fühle, dann ebenso deshalb, weil ich mich bei Ihnen wohl fühle!

Beides macht mich glücklich!

Der Unterschied: Wellen liefern das individuelle Glück, meine Freunde und meine Familie das gemeinsame!

Ich kann nicht ohne das eine und auch nicht mehr ohne das Andere.

Und da mein Herz meinen Lieblingsmenschen und den Wellen gehört, ist das doch eigentlich auch der Ort an dem Zuhause ist.

Im Herzen!

Ich denke, dass es sehr hilft, wenn man sich das immer wieder bewusst macht!

Da es dennoch immer schwierig bleiben wird, eine Balance zwischen diesen beiden Herzensangelegenheiten zu finden, bleibt mir nichts anderes übrig, als immer wieder etwas Zeit an einem Ort und etwas Zeit am anderen Ort zu verbringen. Mein persönliches Lebensmodell, auf das ich derzeit hinarbeite.

Und dabei hilft sicherlich diese Einstellung:

Freunde im Herzen tragen und in Kontakt bleiben, während du bei den Wellen bist!

+

Wellen im Herzen tragen, während du bei Freunden bist!

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Und mit dieser Einstellung bleibe ich auch weiterhin bei meiner Meinung, die ich seit 2 Jahren vertrete:

TakeOffandTravel!

Ich für meinen Teil bin sehr dankbar für den Weg, der sich mir eröffnet hat, dadurch dass ich meine TakeOffs gewagt habe! Und ebenso bin ich dankbar für all die Zweifel, die in mir hochkommen. Denn sie zeigen mir deutlich, wie wichtig mir meine Menschen sind und wie sehr wir nach wie vor verbunden sind!

Dennoch sollte uns sowas nicht davon abhalten, den für uns persönlich richtigen Weg zu gehen und ihn zu gestalten!

Denn von deinem individuellen Glück profitieren auch deine Lieben für euer gemeinsames Glück!

Davon bin ich überzeugt!

Und den Kontakt zu deinen Lieben kannst du dank Technik sehr viel leichter halten als zu den Wellen.

Und wie geht es weiter mit TakeOffandTravel?

Wie es weiter geht?

Natürlich immer die Wellenwand entlang! Rauf, runter und am liebsten irgendwann in eine Tube!

Denn die das große Ziel „Barrel“ steht noch aus!

Und dabei versorge ich euch weiterhin mit all dem, was ich auf dem Weg unterwegs lerne!

Und falls mein Gefühl mir irgendwann sagen sollte, dass es Zeit ist, nach Hause zurückzukehren (nach Stuttgart oder welches Zuhause auch immer das auch sein sollte), dann werde ich genau das tun.

Wann das sein wird, ob das sein wird, wo das sein wird – wir werden sehen!

Das Leben ist nicht immer planbar und neue Wege ergeben sich oft unverhofft!

Also: Einfach machen solange es sich gut anfühlt!

Und für mich ist das immer noch: TakeOff after TakeOff after TakeOff….

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2 Jahre Surf-Weltreisen – Zeit, nach Hause zurückzukehren?!

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