Gastbeitrag von Silke!

Silke hat es gewagt und hat Anfang 2018 ihren Entschluss gefasst – Weg von Überstunden, hin zu Wellen, mehr Zeit für sich selbst! Der Weg bis zur Kündigung war nicht einfach, aber Silke ist frei! Wie lang, wie es weitergeht und wie sie sich mit all dem fühlt, schildert sie in diesem Gastbeitrag!

Ich freue mich sehr, dass sie sich die Mühe gemacht hat und ihre Gedankengänge mit uns teilt! Danke Silke!

Noch mehr freue ich mich aber, dass sie den Schritt gegangen ist und sich getraut hat, ihre Situation zu verändern und jetzt mit einem großen Lächeln im Gesicht das Leben in den Wellen genießt! Denn der Schritt ist alles andere als einfach und eine gehörige Portion Mut gehört dazu! Was das genau heisst, erklärt Silke wunderbar in ihrem Beitrag!

Lest selbst:

Warum finden Kinder Helden so faszinierend? Es ist ganz einfach: Helden stehen dir in der Not direkt zur Seite und stellen sich jeder Herausforderung. Sie nutzen das Negative, um etwas Positives zu bewirken, sind dabei immer positiv, lösungsorientiert und bleiben trotz ihrer Superkräfte nahbar.

„Sei dein eigener Held“ hörte ich eine Yogalehrerin in einem Workshop zum Thema Loslassen und Akzeptanz sagen, als wir in einer der ausdrucksstärksten heldenhaften Position Namens Virabradrasana 1 (Krieger 1) standen und den Atem genießen sollte. „Sie hat ja so Recht“ dachte ich mir.

Dieser Workshop fand nach meiner vermeintlichen Heldentat statt: Ich hatte gekündigt ohne einen Anschlussjob zu haben. Erstaunlich viele Menschen bewundern meine Entscheidung. Sagen es sei so mutig und freuen sich für mich. Ich selbst freue mich ebenso, dass ich diesen Schritt tatsächlich gegangen bin und solche Reaktionen erfahre. Ich hatte mit weitaus kritischeren Kommentaren gerechnet. Nichts desto trotz sehe ich es weder als bewundernswert noch als Heldentat an. Mutig – ja es ist mutig. Vieles ist mutig, aber es kommt auch immer auf die Ausgangssituation an, oder?

Für ein Kleinkind sind es die ersten Schritte; für ein Schulkind ist es der Schulweg, den es das erste Mal ohne Eltern bezwingt; für den Schulabgänger ist es der Auszug von Zuhause, das Auslandsjahr, der Beginn der Ausbildung oder des Studium. Wir waren alle schon einmal mutig und wenn wir daran zurück denken, haben wir es nie bereut mutig gewesen zu sein, richtig?

Ich habe mich immer wieder gefragt, warum ich so positive Zustimmung bekomme. Meiner Meinung nach liegt die Antwort genau hier begraben: Wir haben irgendwann zwischen Schulabschluss, Ausbildung und ersten Job aufgehört mutig zu sein. Wir haben uns eingefunden in unserem Alltag mit Beruf, Partner, Familie, Freunde und den Wochenenden, die vollgepackt sind mit To Dos, Familienfesten, Hochzeiten, Geburtstagen, vielleicht auch den ein oder anderen Kurztrips oder sogar noch einer Yogalehrer-Ausbildung. Maximale Auslastung, da wir unter der Woche so wenig Zeit für die Dinge haben, die wir doch eigentlich viel lieber machen würden als in einem Büro vor einem PC zu sitzen und E-mails abzuarbeiten oder in Meetings zu sitzen und ad-hoc die Marketingplanung für das kommende Jahr zu überarbeiten. Wir bekommen es vorgelebt, dass es richtig ist, sich in so einem Alltag wieder zu finden. Schließlich wurden wir auch so erzogen. Es ist sicherlich auch eine Art von Lebensgestaltung, die so richtig sein kann. Aber nicht richtig sein muss. Genau an dieser Stelle habe ich mich immer wieder gefragt: Was ist denn richtig?

Ist es richtig, wenn wir Urlaub brauchen, um uns von unserem Alltag zu erholen und immer wieder merken, dass der Urlaub nicht ausreicht, um sich vom Alltag zu erholen? Ist es richtig, immer mehr zu wollen oder sollten wir uns auch mit weniger zufrieden geben bzw. können wir uns mit weniger zufrieden geben? Wie so oft gibt es kein richtig oder falsch. Es gibt nur ein: Was ist für mich richtig und was ist für mich falsch?

Dies Fragen und Gedanken haben sich in den vergangenen Jahren immer mehr und immer wieder in meinen Alltag gedrängt. Vor allem, weil ich seit 2013 einen Menschen zu meinem Freundeskreis zählen kann, der sich genau diese Fragen ebenso gestellt hat. Wir hatten uns damals in den Kinderschuhen unserer Surfkünste in Portugal kennengelernt, als wir noch vor den Wellen weggepaddelt sind anstatt sie anzupaddeln. Pana und ihr Blog „TakeoffandTravel“ haben mich seit Beginn inspiriert, bei einigen Tiefs begleitet, mir wieder auf die Höhe geholfen und in den letzten Monaten sehr viel Mut gemacht und Zustimmung gegeben. Besonders weil sie vor 3 Jahren alles hinter sich gelassen hat und alleine mit ihrem Surfboard in die Welt losgezogen ist. Das ist verdammt mutig. Inzwischen finde ich es sogar noch mutiger als je zuvor. Denn es ist nicht immer alles easy peasy Sonnenschein, wenn man alleine unterwegs ist. Zweifel, Ängste, Fragen, Einsamkeit begleiten dich auch wenn du an den schönsten Stränden in den besten Line Ups sitzt und in Gesellschaft bist. 

Ich freue mich, dass Pana den Mut hatte etwas grundlegendes in ihrem Leben zu ändern und ich bin froh, dass ich es ebenso geschafft habe. Denn jeder hat es selbst in der Hand in seinem Leben das zu ändern, das ihm Energie raubt und unglücklich macht. Gleichzeitig muss nicht jeder gleich kündigen, für ein Jahr auf Weltreise gehen oder einen Blog schreiben. Nein, aber man kann für sich einen Weg finden etwas zu ändern. Und genau das habe ich nach vielen Überlegungen, wie dieser Weg aussehen kann, gemacht.

Für mich war es an einem gewissen Punkt, nämlich nach vielen unbezahlten Überstunden, Arbeit an Feiertagen und Wochenende ohne Ausgleich, Verteilung von viel zu viel Arbeit auf zu wenig Köpfe und ständig wechselnder Strategie ohne sichtbaren langfristigen Gedanken, falsch so weiter zu machen. Ich war müde von meinem Alltag und die Wochenenden haben nicht mehr ausgereicht, um die Akkus aufzuladen, da sie ja auch gefüllt waren mit Arbeit oder eben mit Dingen die das Leben noch schöner machen.

Mir wurde nach und nach klar, dass ich etwas ändern muss und vielleicht einen neuen Weg gehen muss. Leider wusste ich nicht wohin dieser Weg geht und weiß es auch heute, 3 Monate nach meiner Entscheidung zu kündigen – noch nicht. Deswegen bin ich aber noch lange nicht planlos sondern einfach nur sehr untypisch deutsch. Es ist ein Plan ohne konkreten Erfüllungsort, Anfangsdatum, Aufgaben und Gehalt. Ich habe bereits frühzeitig, noch vor der Kündigung Bewerbungen verschickt, Gespräche geführt und schicke auch weiter kontinuierlich Bewerbungen raus. Ich habe schon Absagen für Stellen, die auf den ersten, zweiten oder sogar auch schon dritten Blick vielversprechend klangen überstanden und werde auch weitere überstehen. Das klingt alles einfacher als es tatsächlich ist. Aber es geht immer weiter und keinen Grund sich von kleineren Tiefschlägen komplett aus der Bahn werfen zu lassen. 

Und auch wenn uns Sicherheit oft die Möglichkeit nimmt, mutig zu sein, beruhigt es mich dennoch, noch einen gewissen Schutz zu haben. Damit ich mich sicher fühle brauche ich vor allem meine Familie und meine Freunde um mich oder zumindest in erreichbarer Nähe. Diese Erreichbarkeit, welche heutzutage dank Skype, Whats App, Social Media etc. so einfach ist wie nie zuvor, gibt mir Sicherheit. Ich weiß, dass ich sie zu jeder Tages und Nachtzeit erreichen kann. Sicherheit gibt mir, dass ich das Glück habe in Deutschland krankenversichert zu sein. Dieser Punkt klingt vielleicht plump, aber so ist es. In keinem anderen Land ist die medizinische Versorgung so gut abgesichert wie in Deutschland und das gibt mir das Gefühl von Sicherheit. Wenn es hart auf hart kommt, bin ich (sogar im Todesfall *auf Holz klopfen*) top über meine Krankenversicherung auch im Ausland abgesichert. Ich kann also sagen, dass ich trotz der Tatsache keinen Anschlussjob zu haben und auch noch nicht genau weiß wo die Reise hingeht, ich mich sicher fühle.

Ich fühle mich sicher und frei, da mir alle Türen offen stehen. Selten habe ich mich so frei gefühlt. Ich genieße jede Sekunde und fange an neue Möglichkeiten zu sehen, da mein Körper und mein Kopf wieder Energie haben diese neue Wege zu sehen und tatsächlich auch zu gehen. 

Diese Freiheit genieße ich gerade an der wunderschönen Atlantikküste in Portugal. Für mich stand nach meiner Kündigung fest, dass ich in jedem Fall mir die Zeit nehmen werde für einen gewissen Zeitraum X nichts zu tun, außer mich um mich selbst zu kümmern. Für manche klingt das vielleicht egoistisch aber ich finde es völlig in Ordnung, da wir uns viel zu wenig Zeit für uns alleine nehmen. Ich habe also ein One-way ticket nach Portugal gebucht und bin mit meinem neuen Secondhand Surfboard auf einen Roadtrip losgezogen. Einfach mal nicht alles planen, alleine ein Land erkunden und schauen was passiert. Was für Menschen werde ich treffen, wie komme ich mit mir alleine über längere Zeit klar und welche Entdeckungen werde ich machen. Nach knapp 4 Wochen in Surfcamps und Hostels ziehe ich ein Resümee und kann es in einem Wort zusammenfassen: WUNDERBAR! Ich kann mich besser leiden als je zuvor, auch wenn ich zwischenzeitlich 2 Tage keine Lust mehr hatte mit mir rumzuhängen 😉 Ich finde, dass jeder einmal mehr als ein paar Tage mit sich selbst in den Urlaub gehen sollte. Es geht besser als man vermutet und man macht sehr interessante Erfahrungen über sich und andere. Viel mehr habe ich dazu gar nicht zu sagen, da es den Rahmen sprengen würde. Probiert es einfach aus und schaut wie wunderbar es ist.

Dennoch ändert das nichts daran, dass mutig sein auch weh tun kann und es bedeutet Dinge los- und laufen zu lassen. Ich habe mein grandioses Team losgelassen und nehme es in Kauf nicht mehr Teil davon zu sein. Das ist hart, tut weh und macht mich auch traurig….immer noch und immer wieder. Ich habe Rotz und Wasser geheult als ich an meinem letzten Arbeitstag nach Hause gefahren bin. 

Ich habe es meinen Freunden immer so beschrieben: Es ist wie in einer Beziehung, in welcher du dich entschieden hast, dich von deinem Partner zu trennen. Danach fängt dein Gehirn an dir zu sagen, dass doch gar nicht alles so schlecht war und vernebelt die Gründe für deine Entscheidung. Genauso haben sich viele Tage angefühlt und mein Umfeld musst es zwangsläufig mit mir durchstehen. Und auch hier habe ich eine Unterstützung erfahren, die ich mir nicht hätte erträumen können. Alle sprechen dir dann wieder diesen Mut zu, den du kurzzeitig verloren hattest. Dann war er wieder für ein paar Tage, manchmal auch nur ein paar Stunden wieder da…dieser Mut, der mir zugesprochen wird.

Abschließend stelle ich fest, dass ich aus einer im weitestgehenden negativen Situation etwas sehr Positives ziehe. Ich bin mein eigener Held: Positiv, lösungsorientiert und dabei nahbar. Jeder andere kann das auch sein, da jeder für sich seine eigene Heldentat definieren und bestreiten kann. Es sind manchmal die kleinen Dinge, die den Unterschied machen. Keiner muss zwangsläufig kündigen un

d losziehen, aber jeder kann sich Zeit für sich selbst nehmen. Einfach einmal alleine mit einem Buch bewaffnet ein Kaffee in deinem Lieblingskaffee trinken gehen, ein Wochenendtrip buchen und sich in einem Hostel statt Hotel einbuchen, sich Zeit für das Lernen einer neuen Sprache nehmen. Vielleicht denkst du ja auch darüber nach deine Arbeitszeit auf 80% herunterzuschrauben. Was spricht dagegen, außer das man es eigentlich

 nicht macht sofern man nicht Kinder zu Hause hat? Baue deine eigenen kleinen Heldentaten in deinen Alltag ein und schau einfach mal was sich verändert und wie gut es sich anfühlt. Lass Dinge los die dich belasten, traurig machen oder dich daran hindern dich weiterzuentwickeln und akzeptiere das du nicht alle planen kannst. Ziehe los und erkunde die Welt, auch wenn keiner von deinen Herzensmenschen Zeit hat dich zu begleiten. Sei dein eigener Held. TakeOffandTravel.

Namasté

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Über den Mut, seinen Job zu kündigen und aufzubrechen!

4 Gedanken zu „Über den Mut, seinen Job zu kündigen und aufzubrechen!

  • 14. Mai 2018 um 21:20
    Permalink

    Liebste Silke,
    ich (Tanu) lese gerade Deine Geschichte. War zuerst überrascht und umso mehr bin ich entzückt darüber, wie entschlossen Du bist -auch mit den traurigen Seiten, hatte wirklich ein Kloß im Hals, als Du dass mit Deinen Kollegen geschrieben hast-!
    Von Herzen wünsche ich Dir, dass Du weiterhin viel Freude an dem hast, was Du gerade tust, anpackst oder einfach auch nur beobachtest. Schaust richtig gut aus! 🙂
    Halte uns auf dem Laufenden, meine Lieblings-Heldin!
    Namasté

    Antworten
  • 14. Mai 2018 um 17:13
    Permalink

    Danke für diesen tollen, Mut machenden und ehrlichen Beitrag, Silke!
    Schön, dass du Pana über den Weg gelaufen bist.

    Antworten
    • 15. Mai 2018 um 16:05
      Permalink

      Hi Marius, danke für deinen Kommentar. Freut mich, dass dir mein Beitrag gefällt 🤙☺️

      Antworten

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