Ich wurde kürzlich von ViajeroMogli  für einen Round-Up-Post angefragt. Die Frage, die gestellt wurde:

Was war der atemberaubenste Moment auf deinen Reisen?

Ich habe sofort gewusst, in welche Richtung die Beantwortung meiner Frage gehen wird.

Ich fange also an zu schreiben und merke, dass mir die Worte nur so von den Fingern gleiten. Einige Zeit später stehe ich vor einer fertigen Geschichte, die für einen Round-Up-Post viel zu lang ist! Und da ich euch sowieso noch auf meinem Blog darüber berichten wollte, hier einer meiner wohl ATEMBERAUBENSTEN MOMENTE:

Momente, die uns Surfern den Atem rauben gibt es viele!

Nämlich:

Wipe-Outs!

Wie viele das sind, kann wohl kaum einer noch zählen! Denn sie gehören dazu wie das Paddeln, der TakeOff und das Gleiten selbst!

Meine Devise lautet:

Wer surfen lieben will, muss auch Wipe-Outs lieben lernen!

Was du lieben lernen musst?

Die Kraft des Meeres deutlich spüren, durchgewaschen werden, von links nach rechts fliegen, kurzer Moment voll Chaos, kopfüber und kopfunter – was auf dem Rummel 5 Euro pro Fahrt kostet, gibts beim Surfen umsonst! Deine Einstellung sollte also sein: Noch eine Runde, Runde, Runde, Runde… Auf geht’s, geht’s, geht’s, geht’s…

Wipe-Out_

Dann gibt es aber ein paar spezielle Sonderfahrten im Leben, die du niemals so einfach vergessen wirst!

Wipe-Outs, die dich an deine Grenzen bringen, weil du nicht genau weißt, ob und wie es danach weitergeht!

Einige davon sind noch immer klar in meiner Erinnerung vorhanden.

Besonders dieser eine heftige in Costa Rica, Playa Hermosa bei Jaco…

… von dem ich euch erzählen will:

Dieser Spot ist heftig! Die Wellen dort brechen sehr hohl, sehr stark und man muss superschnell auf seinem Brett aufstehen. Schon von außen erkennt man, welche immense Kraft diese Wellen haben. Allein das Rein- und Rauspaddeln ist jedenfalls für mich schon eine Aufgabe an und für sich.
Trotzdem ist das einer dieser Tage, an dem ich es mir selbst beweisen will und an dem ich an meine Grenzen gehen will – bei dem ich weiß, dass das Adrenalin durch meinen ganzen Körper pumpen wird. Ich setze mir mein kleines Ziel: An einem Stück wieder rauskommen.

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Ich nehme also all meinen Mut zusammen, nachdem ich eine Weile lang beobachtet habe und springe mit meinem Surfbrett in einer Setpause schnell hinein und paddel was das Zeug hält! Ich schaffe es einige Meter hinein. Bryan, mein Kumpel aus Kalifornien, ist bei diesem Moment dabei. Wir schaffen es ins Line-Up. Wir warten. Wir paddeln immer wieder mal eine an und die kleineren an diesem Tag.

Fuck – Freakset aus dem Nichts!

Doch plötzlich, aus dem Nichts, erheben sich schon die nächsten Wellen – und klar ist, diese­ werden nicht klein sein. Nein, ganz im Gegenteil – ein Freakset baut sich vor uns auf. Wir paddeln wie blöd in Richtung Horizont, um es über die Wellen zu schaffen. Bryan und ich feuern uns gegenseitig an und paddeln und paddeln. Die Wellenwand vor uns wird immer riesiger und steiler und meine Augen größer. Ich rufe zu Bryan rüber: Man, how big is this one?

Die Antwort kommt nicht mehr. Denn die Welle ist auf einmal schon da. Bryan paddelt noch zwei Züge und rammt sein Surfboard in die Welle und duckdived. Meine zwei Züge jedoch sind nicht stark genug und ich schaffe es nicht unter der Welle durch…
Ich bleibe genau an der Lippe hängen und als würde mich die Lippe umarmen, reißt sie mich in hohem Bogen mit sich! Ich fliege durch die Luft! 2 Meter freier Fall!

Alles geht superschnell!

Ich klatsche durch die Wasseroberfläche und anschließend auf den Sandboden! Bam -Schmerz! Ich fühle, dass der Druck auf meinen Ohren höher als sonst ist – ich muss also in einer gewissen Tiefe sein. Ich bekomme Panik!

Plötzlich fühlt es sich so an, als hätte es der Wasserdruck geschafft –  so lange Druck gegeben, dass er es durch meine Ohren in meinen Kopf schafft – als würde das Wasser jetzt nicht nur um mich herum durcheinander im Chaos um mich rumwirbeln, sondern auch in meinem Kopf. Durchgangszone mit Ausgang aus dem anderen Ohr und aus der Nase. Scheiße, das brennt!

Ein aufgewühlter Weißwasserteppich über mir!

Ich fange an wie blöd nach oben zu paddeln. Ich reiße auch noch die Augen auf, um mich zu orientieren – eine blöde Idee, denn die Masse an Weißwasser über mir macht mir noch mehr Angst! Obwohl ich genau weiß, dass ruhig bleiben das einzige ist was hilft und ich in nicht mal 5-10 Sekunden wieder oben sein werde, geht mir die Lutzi! Ich paddel und paddel… und verliere Energie… Panik Panik…

Wipe-Out_alles_weiß

Doch dann schwups… durchbreche ich doch noch die Grenze von Wasser zu Luft und schnappe nach Atem! Eine Weile lang schnappe ich nur nach Luft anstatt tief in die Lunge einzuatmen.

Erst langsam fange ich wieder an kontinuirlich zu atmen! So richtig tief geht die Luft jedoch nicht in mich hinein.

Ich bin platt!

ATEMPAUSE

Danach ist erstmal Pause für den Rest des Tages angesagt – Lunge regenerieren.

Meer_beobachten

Aber Morgen geht es wieder weiter…

Wieso?

Wieso man nach solchen Wipe-Outs immer noch weitermacht? Und wieso ich trotzdem wieder an einen Spot gehen werde, der an meine Grenzen gehen wird? Und wieso das soviele Surfer tun?

Weil sie alle verrückt sind?

Ganz ehrlich: Vielleicht sind sie das ein bisschen! Ich weiß es nicht.

Was ich sicher weiß ist, dass diese Wipe-Outs Lektionen des Meeres für mich sind.

Dass sie dazugehören und dass ich mich ihnen stellen muss, wenn ich weitermachen will.

Again: Wie so manch anderen Dingen im Leben!

Und Morgen kommt der nächste Wipe-Out…

Die nächste freie Fahrt…

Die nächste Runde, Runde, Runde, Runde… auf geht’s, geht’s, geht’s, geht’s!

 

Costa Rica, Playa Hermosa/Jaco – über die heftigsten Wipe-Outs beim Surfen!

Ein Gedanke zu „Costa Rica, Playa Hermosa/Jaco – über die heftigsten Wipe-Outs beim Surfen!

  • 25. September 2015 um 1:47
    Permalink

    Hey Pana,

    Ein Wipe-Out ist schrecklich, auf einer Art. Auf der anderen ist es ein geniales Gefühl. Du wirst gewaschen und bist an einem Ot an dem du selbst nicht weißt ob du oben oder unten, rechts oder links bist. Niemand anderes weiß wo du dich befindest. Nur du selbst weit, DAS DU BIST!!!

    Es verändert dich, genau wie das Reisen…

    Beste Grüße
    Marcus

    Antworten

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