Große Wellen machen uns Angst!

Und zwar UNS ALLEN!

Selbst Surfer, die seit 10, 20 oder auch 40 Jahren surfen, haben ihr persönliches Limit!

Denn „groß“ ist eine relative Maßeinheit:

„Waves are not measured in feet and inches, they are measured in increments of fear.“
Buzzy Trent

Während meine Wohlfühlgröße bei schulter- bis kopfhoch liegt und alles darüber meinen Körper langsam zum Zittern bringt, kann das für den einen Surfer ein Witz sein und für den nächsten schon der absolute Albtraum!

Das wird mir jedes Mal wieder bewusst, wenn ich Anfängerkurse gebe. Eine kniehohe Welle kann dabei schon beängstigend sein.

Und das ist auch absolut verständlich.

Aber darum geht es für mich beim Surfen: An die eigenen Grenzen gehen. Nur reicht es, wenn man das Schritt für Schritt macht.

Die letzte Aktion, die mich ordentlich gefordert hat, sah z.B. so aus:

Die Angst vor großen Wellen – wie ich sie überwinde

Angst vor großen Wellen

Wie du dich an größere Wellen rantasten kannst

Da ich immer wieder gefragt werde, wie ich mich in größere Wellen traue, habe ich mir meine Gedanken dazu gemacht und will eine Antwort darauf geben.

Gleichzeitig will ich betonen: Ich kann nur aus eigener Erfahrung sprechen und möchte mich nicht als Expertin darstellen. Auf all meine Herangehensweisen gibt es keine Gewähr. 

Die Komfortzone

Wenn du dich an größere Wellen rantastest, finde ich eines ganz besonders wichtig: Deine eigene Komfortzone! Das heißt: Du musst sie kennen und du musst dir Gedanken darüber machen, ob du bereit dazu bist, sie zu verlassen.

Am besten betrachtest du dazu eine Weile lang andere Surfer, um die Wellengröße einzuschätzen.

Dabei ist es natürlich gaaaaaaanz wichtig (ich betone: Gaaaaaaaaanz wichtig!), dass du kleine Schritte gehst.

Wenn du dich also bisher in hüfthohen Wellen wohl gefühlt hast, dann bitte, steuere keine double overhead Wellen an, sondern versuche dich zunächst an schulter- oder kopfhohen Wellen.

Realistische Einschätzung – Wellengröße

Bei der Einschätzung der Wellengröße ist oftmals Vorsicht gefragt: Was du beim letzten Surf als kopfhoch empfunden hattest, war in Wirklichkeit evtl. nur hüft- oder brusthoch. Wie das sein kann?

Weil die Welle beim Surfen meist einen falschen Eindruck hinterlässt: Du beugst deine Knie und dadurch fühlt sich eine Welle auf dem Surfbrett sehr viel größer an, als wenn du sie von Land aus betrachtest!

Ein Beispiel hier: Das hier ist keine überkopfhohe Welle, obwohl sie mir auf dem Surfbrett so erscheinen könnte. Ich auf dem Surfbrett weiß das, weil ich meine gebeugten Knie einberechne. Würde ich meine Knie ausstrecken, wäre schnell deutlich, dass das eine maximal kopfhohe Welle ist.

(Anmerkung der Redaktion: Über Wellengrößen lässt sich sehr viel diskutieren, weil es mehrere Maßstäbe gibt – ich orientiere mich hier am Face der Welle und benutze den Maßstab des Surfers zur Erklärung z.B. kniehoch, kopfhoch, überkopfhoch etc.)

nicht-overhead-welle

Deshalb gilt: Am besten lässt du bei einer Session mal ein Video oder Bild vom Strand aus von dir machen. Vergleiche deine in der Session gefühlte Wellengröße mit der tatsächlichen auf dem Bild. Du wirst sehen, das die Welle meist kleiner war, als sie dir im Wasser erschienen ist.

Beim Beobachten der Wellen hast du dadurch ein besseres Gefühl dazu, welchen Eindruck die Surfer in den größeren Wellen wohl haben und wie das tatsächliche Verhältnis ist.

Realistische Einschätzung – Wellenform

Eine 4 Fuß Welle hat viele verschiedene Gesichter:

Wellen wie in Playa Hermosa in Costa Rica oder Supertubos in Peniche sind zum Beispiel hohl und sehr schnell und schmeißen dich wenn es scheiße läuft mit voller Wucht bis auf den Meeresgrund! Wellen, die mir bei 4 Fuß richtig zusetzen und Angst machen!

In einer 4 Fuß Welle an meinem Homespot in Neuseeland surfe ich aber sehr gerne, weil sie eher rollt und nicht so schnell bricht!

D.h.: Bei der Beobachtung der Wellen, solltest du dir auch bewusst werden, um was für eine Welle es sich handelt! Bei sehr schnellen und hohl brechenden Wellen ist auf jeden Fall große Vorsicht geboten!

Generell gilt: An dir unbekannten Surfspots solltest du mit Locals sprechen, dir die Wellen erklären lassen und danach entscheiden, ob der Spot etwas für dich ist.

Genug Zeit zur Beobachtung

Mein erster Move ist vor jedem Surf grundsätzlich immer: Beobachten! Und zwar so lange wie nötig!

Warte einige Sets ab und zähle auch, wie viele Wellen ein Set jeweils bringt – welche Welle davon ist meist die größte? Je nachdem, kannst du auch im Wasser agieren und weißt, wie viele Wellen du noch auf den Kopf kriegst, wenn du einmal erwischt wurdest.

Außerdem weißt du dadurch auch: Wenn du vom Strand aus beobachtet hast, dass immer Welle Nummer 3 die größte ist, dann wirst du einen Teufel tun und Welle Nr. 2 anpaddeln, nach der evtl. eine noch größere folgt. Du machst dir also einen Plan.

Besonders wichtig ist es natürlich auch, wie immer Ausschau nach Channels zu halten… falls du gewaschen wirst, in welche Richtung musst du dann, um schnellstmöglichst aus der Impact Zone rauszukommen und wieder ins Line-Up zu kommen?

Nicht immer ganz einfach, denn es ist ein jahrelanger Prozess, der nicht durch Theorie erlernt wird, sondern durch Erfahrung und Betrachtung. Etwas, das den jahrelangen Surfer von den weniger erfahrenen Surfern unterscheidet. Aber: Üben ist angesagt!

Keinen Druck aufbauen

Egal, was der andere Surfer neben dir macht und mit welcher Einstellung er den dir Angst einflößenden Wellen gegenüber steht: Hör auf dein eigenes Gefühl und lass dich nicht unter Druck setzen! Denn wenn du etwas tust, zu dem du noch nicht bereit bist, wird es lebensgefährlich!

Es ist deswegen absolut ok, Angst zu haben und vor allem ist es auch absolut ok, am Ende zu entscheiden, dass dir die Wellen zu groß sind! Sag bitte Nein, wenn du dich unwohl fühlst!

Niemand kann für dich entscheiden, ob die Wellen zu groß für dich sind oder nicht. Nur du!

Ziel realistisch wählen

Wenn ich größere Wellen angehe, die mir Angst machen, lautet mein Ziel meist entweder: Einfach nur „1 Welle“ ODER sogar „einfach an einem Stück wieder raus“! Je nachdem, wie groß der Respekt ist! So wie in meinem Fall hier in Neuseeland:

Surfen_als_Frau_2

Besonders das zweite Ziel klingt ein wenig krass, aber so fühlt sich das in dem Moment an. Erwarte also keine Heldentaten von dir, sondern sei einfach wahnsinnig stolz auf dich, dass du dich überhaupt reintraust! Dieser Battle ist einer mit dir selbst – nicht mit anderen. Andere musst du in dem Moment ausblenden!

Bereite dich ordentlich vor

Das gilt eigentlich immer, aber besonders wenn du eine Challenge mit größeren Wellen angehst, solltest du nicht über Mängel nachdenken, die im Vorfeld hätten beseitigt werden können. Zum Beispiel:

  • Hunger
  • Durst
  • Fehlender Sonnenschutz
  • Kaputte Leash
  • Zu wenig Wachs

Selbstverständliche Dinge eigentlich!

Rauspaddeln richtig timen

Da du vorher schon vom Strand aus beobachtet hast, was die Sets machen, konzentrier dich darauf, nicht so loszupaddeln, dass du das Set auf den Kopf kriegst. Je nachdem natürlich wie weit du paddeln musst, musst du timen. Eine allgemeine Regel lässt sich hier nicht festhalten, aber mit der Zeit wirst du auch das besser einschätzen lernen. Also immer die Setpause abgreifen!

Beruhigen!

Das ist eine der schwierigsten Aufgaben, aber sehr essentiell!

Ab dem Moment, an dem du entschieden hast, es zu wagen, wird dein Puls nochmal hochgehen. Vor allem, wenn du anfängst zu paddeln! Was mir hilft, ist regelmäßiges Atmen und gutes Zureden! Die Angst und der schnelle Puls bleiben natürlich, aber etwas anderes bleibt dir nicht übrig und schützt dich vor unnötiger Panik on top!

Ich atme dann langsam eeeeeein und langsam aaaaaaus!

Wie beim Yoga oder Meditieren! Beides eine super Vorbereitung!

Zwischendrin rede ich mir gut zu: Du kannst es! Du kannst es! Du kannst es!

Langsam an die Wellen ran

Lass dir Zeit! Du musst nicht sofort Wellen catchen, wenn du im Line-Up bist! Schaue dir erstmal einige Sets an, bevor du Gas gibst und lerne sie auch im Wasser einzuschätzen!

Vor allem weil du unsicher bist, bist du ja auch gefährlich für umliegende Surfer! So lange du also noch mit deiner Angst kämpfst, bleibe schön weit auf der Schulter.

Schaue erstmal zu!

Paddel zunächst über die Wellen drüber, wenn sie sich am Horizont abzeichnen. Bekomme ein Gefühl für die Wassermassen! Ich mache das immer erstmal so:

große_wellen

Selbst wenn das 1 Stunde lang so geht!

Nimm dir die Zeit, egal wie lange es dauert!

Wipe-Outs aushalten lernen

Halte dir vor Augen, dass ein Wipe-Out meist sehr viel schneller wieder vorbei ist, als du glaubst.

Versuche mal bei einem Wipe-Out langsam bis 10 zu zählen – meist kommst du gar nicht soweit, weil du dann schon wieder oben bist!

Wenn du dir das vor Augen hälst, ist es auch leichter, sich zu entspannen! Das wichtigste bei Wipe-Outs ist: Relaxen!

Je weniger du um dich schlägst, zappelst und versuchst an die Wasseroberfläche zu kommen, desto mehr Luft bleibt deiner Lunge!

Klartext: Keine Panik schieben!

Stattdessen: Körper und vor allem Kopf entspannen! Sobald die Welle einschlägt, komplett loslassen und mitfliegen!

Vergiss dabei aber nicht, deine Arme über deinen Kopf zu legen, um den Kopf zu schützen!

Zähle langsam und sprich dir selber gut zu: Relaaaaaaax! Oder irgendeinen Spruch, der hilft!

Was nicht hilft und was mir immer wieder noch mehr Panik macht, ist das Wort „Panik“. „Keine PANIK“, beinhaltet das Wort nämlich ebenso und löst eher das Gegenteil aus! Im Sinne von: „Denke nicht an rosa Elefanten!“ – You got it?

Etwas, das diese Herangehensweise von mir erst kürzlich bestätigt und geschult hat, war ein Free-Dive-Kurs! Warum das so ist und wie es mir damit erging, kannst du hier lesen:

Luft anhalten trainieren – Wie du dich auf Wipe-Outs vorbereiten kannst!

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Wipe-Outs LIEBEN lernen

Über die Zeit habe ich eine Sache für mich entdeckt: Wipe-Outs zu lieben!

Und ich glaube, dass man mit der Einstellung auch besser mit ihnen umgehen kann!

Denn sie sind einfach ein sehr wichtiger Teil beim Surfen!

Also: Liebe sie und genieße sie, statt zu versuchen, sie zu vermeiden!

Klar, bei den richtig großen, die uns lange unter Wasser halten ist der Spaß leider nicht mehr ganz so präsent, aber versuche dich grundsätzlich mit Ihnen anzufreunden!

Ich persönlich feier sie auch ganz gerne und lasse hier und da auch mal einen Freudenschrei raus! Lockert das Line-Up auf und alle haben in dem Moment das gleiche Schicksal und können wenigstens mit einem Grinser durch den Waschgang!

Und sieh es mal so: Im Vergnügungspark zahlst du Geld für Achterbahnen – hier gibt es das Ganze gratis!

Wipe-Out_

Einen guten Artikel zum Thema Wipe-Outs findest du übrigens auch im Golden Ride Magazine mit dem Thema: „Better Wipeout„.

Wenn der Wipe-Out doch mal heftiger war…

Dann bleibt nur eins: Wieder zur Ruhe finden. Geht das nicht mehr, dann solltest du aus dem Wasser und dich am Strand beruhigen!

Nimm dir die Pause und erhol dich erstmal von dem Schock.

Wichtig ist dennoch: Don’t give up!

Beim Surfen ist es wie mit dem Reiten: Du musst nach einer kritischen Situation bald wieder auf dein Pferd bzw. ins Wasser, damit du die negative Erinnerung durch positive ersetzen kannst.

Dazu legst du erstmal wieder einen niedrigeren Gang ein und gehst zurück zu dem Level, an dem du dich wohlgefühlt hast oder sogar darunter, damit du den Spaß an der Sache wieder zurück gewinnst!

Und steigere dich von dort aus wieder ganz langsam, sobald du dich wieder wohl fühlst!

Aber bitte behalte eine Grundregel vor Augen:

Mit dem Meer ist nicht zu spaßen und es kann zu Lebensgefahr führen!

Also: Immer laaaaangsam mit kleinen Schritten vorwärts und nicht gleich mit einem Sprung!

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Am besten am Anfang Surfkurse machen, die dich über Gefahren und den Umgang mit dem Meer aufklären, dann langsam Erfahrungen sammeln und dann Schritt für Schritt vorwärts.

Und wenn du dich bei einer Größe wohl fühlst und größere Wellen gar nicht surfen willst, ist das auch vollkommen in Ordnung! Bleib dabei und hab Spaß!

Was macht dir am meisten Angst bei größeren Wellen?



 

Die Angst vor großen Wellen – was DU tun kannst!

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