Thomas und ich sitzen in Moliets beim Pines&Beach Festival auf dem kleinen Balkon unseres Mobile Homes. Hare Krishna mässiger Sound läuft aus Thomas Laptopboxen und ich werde immer mehr angesteckt. Wahrscheinlich kehre ich bekehrt wieder aus Frankreich zurück. Egal, ich finds geil!

Generell ist die Zeit mit Thomas easy und unbeschwert. Die Connection steht sehr schnell und ein dummer Wortwitz folgt dem anderen im Schlagabtausch mit einer gehörigen Portion Lachattacke.

Genau deshalb, weil wir uns so verstehen, wollen wir uns gegenseitig interviewen und einen Eindruck vom jeweils anderen geben.

Wir werden ein Gespräch führen, schreibend, während wir uns schräg gegenüber sitzen und immer wieder über die neu erscheinenden Worte des anderen lachen. Nebenbei läuft Musik, die verbindet uns nämlich ganz schön schnell. Den Soundtrack dazu halten wir fest: TakeOffandGetWet-Soundtrack auf Spotify. 

(Folge mir auf Spotify: Pana TakeOffandTravel)


Thomas, wir haben ja jetzt einige Tage hier als WG-Kollegen miteinander verbracht und sitzen jetzt mal wieder auf unserem Balkon und tun so, als wollten wir arbeiten. Ganz oft labern wir uns aber gegenseitig nur voll. Woran liegt das denn nur? Stimmt was nicht mit dir, mir oder uns?

Ich glaub das liegt an dieser Krankheit “Gute Laune”, die von uns Besitz ergriffen zu haben scheint. Es wird wirklich Zeit, dass die Pharma-Industrie dagegen – ähnlich wie bei ADHS – mal ein paar Medikamente entwickelt. Apropos Chemie – ich glaub die passt bei uns einfach ganz gut, daher dieses ganze Gequatsche.

Ja, das mit unserer Chemie kann ich nur bestätigen. Haben ja auch einige Dinge gemeinsam. Uns verbindet ja z.B. auch die Liebe zu ähnlicher Musik, vor allem zu roughen Gitarrensounds und den zugehörigen Bands aus vergangenen Tagen. Ebenso hast du wie ich in HC/Punk-beeinflussten Bands gespielt. Wie stehst du denn mittlerweile zu all dem?

Viele alte Sachen höre ich auf jeden Fall hin und wieder noch. Die machen einfach Spaß und setzen immer wieder ungeahnte Energie frei. Die hatten eine Aussage und waren einfach real. Gibt es ja heute leider viel zu selten. Musik, die wirklich etwas bewegen will, außer nur Geld von einem Konto zum anderen. Das Musik machen als solches fehlt mir oft. Ich klampfe hin und wieder noch auf meiner Gitarre, aber das ist halt nicht mehr das Gleiche, als wenn man mit seinen Buddies selbst an heißen Sommertagen lieber im muffigen, schattigen Proberaum sitzt und einfach in die Saiten haut. Keine Sekunde die ich mit Musik verbracht habe sehe ich als verschwendet an. Es war einfach etwas, wohinter ich zu 100% stand und mich voll und ganz mit identifizieren konnte. 

Ohja, bin da ganz bei dir, da fahren wir auf jeden Fall eine Schiene. Von Herzen muss das kommen, ne? Einer der Gründe, weshalb wir uns auch auf Blogger-Ebene verstehen. Ich weiß gar nicht, ob Menschen das verstehen, die nicht aus solchen Szenen entspringen. Wie würdest du das denn beschreiben für jemanden, der das alternative Szene-Leben nicht kennt und verstehen will, was ich meine?

Für mich war diese Szene schon immer so ein Auffangbecken für Outsider. Also im positiven Sinne. Menschen, die sich den Regeln der Gesellschaft nicht sofort angepasst haben, die viel hinterfragt haben und dabei merkten, dass da einige Dinge absolut falsch laufen. Einfach ein Leben abseits von Konventionen zu leben. Einen positive Life-Style führen, sich nicht auf Partys zu zu dröhnen, sich betäuben vor Langeweile – sondern sein Leben mit Sinn füllen und damit eben ein bisschen rebellieren 🙂

Inwiefern glaubste ist denn auch Surfen ein solches Auffangbecken? War ja mal auch eine alternative Szene für wenige, die rebelliert haben. Ist das heute alles tot oder siehst du da noch die Ansätze einer Subkultur?

Surfen war definitiv mal mehr Punk. Mehr Underground. Mittlerweile extrem vereinnahmt von der Werbung die den Lifestyle mit all seinen Klischees benutzen, um Produkte oder Events zu verkaufen, die kein Mensch braucht.

Auch Facebook-Profile und Instagram-Accounts sind voll von Menschen mit Surfbrettern unterm Arm, die mit dem Sport eigentlich nicht wirklich etwas am Hut haben – jeder möchte ein Stück vom Coolness-Kuchen abhaben. Im Yoga gibt es derzeit eine ähnliche Entwicklung: Jeder ist jetzt unglaublich spirituell und positioniert sich fast schon als Guru. Also gilt für mich bei vielen aufgebauschten Phänomenen wie seit jeher: Don´t believe the hype!

Für diejenigen, die dich nicht kennen zum Verständnis: Dein Blog konzentriert sich eben nicht nur ausschließlich aufs Surfen, sondern auch auf Yoga, Spiritualität und Fotografie. Alles Dinge, die für dich persönlich sehr wichtige Bestandteile im Leben sind, das sieht und spürt man bei dir. Wenn du eines dieser Dinge aufgeben müsstest und keine Wahl hättest, was würdest du als erstes loslassen?

Wow. Das ist eine schwere Entscheidung, da alle drei Bereiche ja hauptsächlich mit dem im Hier und Jetzt sein zu tun haben und damit quasi das Leben mit erfüllten Momenten bereichern.

Wenn ich aber auf eines verzichten müsste, dann wäre das wohl die Fotografie. Ich würde dann versuchen, mehr Bilder, Momente einfach in meinem Gedächtnis zu speichern.

Leben nach dem Hier und Jetzt sozusagen wie in der Yoga-Lehre, wie ich bei dir gelernt habe, oder?

Absolut. Wobei auch beim Fotografieren das im Hier und Jetzt sein gibt oder eben das komplette Gegenteil. Fotografen, die sich gerade mit einem Werk beschäftigen, gerade wirklich shooten, egal ob für eine persönliche Arbeit oder einen kommerziellen Auftrag sind meist zu 100% im Hier und Jetzt. Sie konzentrieren sich auf den Moment, den sie einfangen, sind aber zugleich 100% im Hier und Jetzt. Hingegen wenn ich mir heutige Konzert-Besucher anschaue, die ihr Handy in die Luft halten um versuchen den Moment einzufangen, tun genau das Gegenteil: Sie verpassen ihn. Sie verpassen ein Konzert, Blickkontakte mit anderen Menschen und wer weiß was noch alles, nur um den Moment zu konservieren. Und das absurde ist, sie können anderen zeigen, dass sie da waren, ohne es wirklich gewesen zu sein.

Und wie geht das mit Bloggen einher? Also wenn ich das so lese, merke ich selber häufig, wie ich Momente einfange, um sie mit meinen Leuten zu teilen. Wo findet sich da ein guter Mittelweg? Gibt es überhaupt einen?

Ich kenne das auch. Versuche aber diese Momente zu splitten. Beispielsweise, wenn ich einen Menschen interviewe, sauge ich auf, was er zu erzählen hat. Die Portraits mache ich gesondert quasi dann auch im Hier und Jetzt, wo ich mich voll und ganz auf das Bild konzentriere. Aber klar, manchmal geht auch beides, ich sehe einen wunderbaren Sonnenuntergang und genieße ihn kann aber auch schnell mal auf den Knopf drücken um ihn einzufangen. Dafür muss ich nicht die ganze Stunde hinter der Kamera stehen, wie die Konzertbesucher beispielsweise.

Apropos Moment: Falls ihr wissen möchtet, was im Moment auf GET WET SOON so läuft, bleibt gerne up do date: Get Wet Soon Newsletter

Jeder Yogi hat auch wieder Yogis, die ihn inspirieren. Wenn man mit dir zusammenlebt, weiß man relativ schnell, dass dich vor allem der ehemalige Shelter bzw. Youth of Today Sänger und heutige Yoga Master Raghunath prägt. Was fasziniert dich an ihm und wie stark beeinflusst er dich tatsächlich?

Ich liebe einfach Menschen, die authentisch sind und eine Message haben. Ich hab Shelter damals auf dem Dynamo Festival in Eindhoven gesehen. Sie waren als Headliner gelistet und als sich die wartende Menge vor der Bühne versammelte dröhnten aus den Boxen minutenlang Sanskrit-Verse indischer Yogis. Dann betraten die Jungs die Bühne und gingen total ab mit dem passenden Stück “Message of the Bhagavad”. Dieser Moment, dieses Konzert war eine absolute Offenbarung. Die Musik samt der spirituell angehauchten Texte übertrug eine wahnsinnige Energie auf das Publikum und somit auch auf mich. Ich hab alle Alben samt Lyrics verschlungen, da war plötzlich etwas mit höherem Sinn.

Und Raghunath ist einfach ein wahnsinnig guter Redner. Selbst in einer Yoga-Stunde bei ihm, hängen die Leute bereits nach 15 Sekunden an seinen Lippen und nehmen konzentriert jede Silbe auf, die er von sich gibt.

Er rockt quasi auch heute noch! Und lebt das, was er predigt. So wie es eben sein sollte: Practice what you teach!

Genauso wie Yoga ist ja auch Surfen eine Lebenseinstellung. Welchen Platz nimmt Surfen in deinem Leben ein? Wie sehr beeinflusst es dich?

Surfen nimmt seit Jahren einen großen Platz in meinem Leben ein. Es gibt quasi keine Reisen, die nicht ans Meer gehen. Durch das Reisen lebe ich schon seit Ewigkeiten total minimalistisch – ich weiß dass ich keine materiellen Dinge brauche, um glücklich zu sein. Okay, meine Bücherregale daheim sind die einzige wirkliche Anhäufung an Dingen, die ich noch habe. Das wird sicher meine letzte Prüfung, mich davon zu lösen.

Was ich aber eigentlich sagen wollte – dank des Yoga, ist dieses Anhaften an den Gedanken, diesen Drang jetzt unbedingt wieder ans Meer zu müssen, obwohl ich gerade in Hamburg bin, schon gut in den Hintergrund gerückt. Wenn ich in Hamburg bin, bin ich 100% dort. Okay sagen wir zu 95%. Meine Surfbretter stehen auf dem Dachboden und in der Wohnung erinnert tatsächlich gar nichts ans Surfen. Ich versuche wirklich dort zu sein. Ist der nächste Flug dann aber erst einmal gebucht, kann ich es aber auch kaum erwarten, wieder ins Wasser zu kommen.

Also ganz oder gar nicht ist die Devise?

Ein gesunder Mittelweg wäre auf jeden Fall erstrebenswert. Es würde quasi überhaupt keinen Sinn machen, wenn ich in Hamburg nur unglücklich wäre, weil ich gerade nicht am Meer bin und jede Minute nur daran denke.

Ja, das Gefühl kenne ich nur zu gut. Langfristig willst du aber schon auch gerne mehr Meer und weniger landlocked sein, wenn ich das richtig verstanden habe. Welche Pläne hast du, um das umzusetzen?

Feste Pläne gibt es da noch nicht. Vage Ideen wäre das passendere Wort. Eine kleine GET WET SOON SURF YOGA LODGE an einem entspannten Ort mit Wellen wären zum Beispiel ein Traum. Oder eben erst einmal so ans Meer ziehen, um dort zu arbeiten, remote für Kunden und Agenturen und noch mehr Yoga anzubieten.

Wie häufig kommst du denn noch zu den Wellen?

Seitdem ich mich selbstständig gemacht habe, auf jeden Fall wieder viel öfter. Von 6 Wochen Urlaub, den ich sonst ja nur zur Verfügung hatte, bin ich jetzt schonmal um die drei Monate unterwegs, wenn auch parallel gearbeitet wird. Ich kann ja teilweise meine Jobs vom Laptop aus erledigen, für Kunden texten oder konzipieren.

Und seit Dezember letzten Jahres biete ich ja auch Surf- und Yoga-Retreats an, die ich in berfreundeten Surfhäusern abhalte und durch die ich zusätzlich ans Meer komme, fantastische neue Menschen kennenlerne mit denen ich eine gute Zeit auf der Matte und auf dem Surfbrett verbringe. Das nächste findet übrigens im September in Portugal statt.

Der nächste Step wäre zu überlegen, wo ich mich doch mal länger niederlasse.

Inwiefern könnte dir deine neue Surfing Worldwide Map dabei helfen? Für wen habt ihr die Karte entwickelt und welche Bedürfnisse eines Surfers deckt sie ab?

Also mir hilft sie definitiv vor der Planung und Inspiration anstehender Surftrips. Ich kann jetzt einfach kurz drauf schauen und sehe sofort, welche Regionen für welchen Monat überhaupt in Frage kämen. Und umgekehrt welche Monate für eine bestimmte Region die passenden sind.
Ich bin mir sicher, dass es vielen Surfern ähnlich ergeht. Zusätzlich sind zu den Regionen noch viele Wellen gelistet samt der Wellenart, Bodenbeschaffenheit und der Bedingungen, die nötig sind, damit sie laufen. 

Die Karte könnt ihr übrigens hier erhalten: Surfing Worldwide Map

Ein solches Tool hätte ich mir vor meiner eigenen Surf-Weltreise gewünscht! Find ich gut! Ich wünsche dir und deinem restlichen Team ganz viel Erfolg damit! 
Und natürlich auch mit Get Wet Soon generell! Ich freue mich, dass sich unsere Wege gekreuzt haben und wir im Hier und Jetzt noch ein paar Tage Lachen, Abhängen und gute Musik miteinander genießen können!
Es war sicherlich nicht das letzte Mal!

Was Thomas über mich denkt…

(… und was er von mir wissen will, findest du im Interview mit mir auf seinem Blog Get Wet Soon)

3 Worte, die mich in seinen Augen beschreiben:

(Die spontane Original-Antwort von Thomas, bezogen auf einen Insider zwischen uns, hat mich gerade 3 Minuten zu einem Lach-Heul-Bauchkrampf gebracht. Typisch! Lachen steht hier an der Tagesordnung ganz oben). Nächster Versuch:

Eloquent. Humorvoll. Crazy.

3 Dinge, die uns miteinander verbinden:

Das Surfen. Der Humor. Die Lebenslust.

3 Orte der Welt, in dessen Line-Ups er mich am ehesten sieht:

Mit irgendwelchen Makaken in Indonesien.

Mit echten Soul-Surfern in Costa Rica.

Mit Deinen Homies in Neuseeland.

Lies hier das Interview mit mir auf Get Wet Soon!

Über gemeinsame Wellen mit Thomas von Get Wet Soon!

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