Big Wave Surfen – Wie kann man die Faszination, die dieser Anblick jedes Mal wieder auslöst wohl am besten einleiten?

Vielleicht so:

Erinnerst du dich an die größte Welle, die du je gesurft bist? Diese eine, die nur beim Gedanken daran das Blut durch deine Adern pumpt?

Haste das? Ja?

Dann multipliziere das jetzt um ein Vielfaches und du hast vielleicht die Welle, die Alex Zirke durchschnittlich surft… aber nur vielleicht…

Denn Alex surft massive große Wellen!

Und wenn ich groß sage, dann meine ich solche, die unbestreitbar einfach scheiße groß sind!

So eine zum Beispiel:

Oder auch so eine:

Wie und wann er dazu kam, kann er gar nicht genau sagen, denn eigentlich hatte er einfach nur Bock auf immer größere Wellen.

Klar ist aber: Spätestens seitdem die Bilder und die Videos seiner Wellen auch von World Surf League wahrgenommen werden, gilt er als deutsch-kanarischer Big Wave Export!

Was mir den Atem raubt und extrem viel Respekt für diesen Menschen bringt, scheint für Alex aber nicht allzu vorrangig zu sein!

Denn als ich ihn im Juni 2017 in Frankreich beim Pines&Beach Festival in Moliets kennenlerne, ist seine Bodenständigkeit sofort spürbar und man merkt ihm an: Er hat einfach nur Bock auf Surfen!

Dieser Vibe ist genau das, was mich so an diesem Typen überzeugt und wieso auch ihr ihn etwas besser kennenlernen sollt!

Wie wird man als Deutscher zum Big Wave Surfer?

Nun, ein Weg führt über diese Route:

Geboren wird man 1985 als Sohn zweier Islam-Wissenschaftler in Deutschland. Anders als bei anderen landlocked Surfern wandern Alex‘ Eltern allerdings aus als er 1 Jahr alt ist. Die ursprünglichen Auswanderungspläne nach Israel werden aber im letzten Moment durch Krieg gekreuzt. Die Container sind allerdings schon gepackt. Wohin also bis der Krieg vorbei ist?

Ab nach Teneriffa, um bei Familienangehörigen zu arbeiten. Ursprüngliche Dauer des „Notaufenthalts“: 1 Jahr!

30 Jahre später sind Alex und seine Familie immer noch in Teneriffa – und der Surf bestimmt Alex‘ Leben. Privat, aber auch beruflich als Surflehrer in der eigenen Surfschule Green Wave Surf School.

Ich hatte das Vergnügen, sein Surf-Coaching genießen zu dürfen und das folgende nachstehende Interview mit ihm zu führen.

Alex Zirke über Ziele, Grenzen und Fortschritte beim Surfen:

Du sagtest gestern auf der Bühne, dass die richtige Vorbereitung fürs Big Wave Surfen essentiell ist: Ihr seid viel im Fitnessstudio und beim Schwimmen. Weiterhin hast du mir ein Video von einem massiven natürlichen Wellenstrudel gezeigt, in dem ihr Wipe-Outs trainiert. Vor allem sei auch die richtige Einstellung und das richtige Mindset sehr wichtig beim Surfen solcher Wellen. Wie trainiert ihr euer Mindset?

Wir haben einen Kumpel, der Feuerwehrmann ist und der manchmal mitkommt. Der sagt immer: Das beste Training für eine Sache ist es, einfach genau diese Sache immer wieder zu machen. Wenn du also immer in solch krasse Wellen reingehst, dann bist du dadurch fit und vorbereitet.

Du meintest gestern auch, dass man nicht mit einer schlechten Energie an die Sache rangehen kann, sondern mit einer positiven Einstellung ins Wasser muss? Wie sieht das genau aus?

Ich mag es, mich hinzusetzen, zu schauen wie die Bedingungen sind und meinen Plan im Kopf aufzubauen. Wie, wo, was… das musst du alles schon im Kopf parat haben.

Wir machen immer Witze darüber und sagen, dass wir unser GPS updaten. Denn jeder Tag ist ein bisschen anders, auch z.B. hier beim Surf in Moliets die letzten Tage – von gestern zu heute waren hier bei uns die Orientierungspunkte zwar die selben, aber es gab etwas mehr Strömung rüber, d.h. um am richtigen Platz zu bleiben, musstest du mehr Richtung Ufer und mehr Richtung Norden paddeln. Jeden Tag musst du also dein GPS wieder neu ausrichten.

Wie oft hattest du schon Momente, in denen du gesagt hast: „Ich geh nicht rein – mein Kopf macht nicht mit.“

Also, meist gehe ich trotz nicht optimalem Mindset rein, aber ich bleibe dann eher in meiner Sicherheitszone und riskiere nicht soviel.

Ich fand es ganz schön, wie du meintest, dass Big Wave Surfen keine Entscheidung von einem Tag auf den nächsten war, sondern ein langsamer Prozess hin zu immer größeren Wellen. An welchen Moment erinnerst du dich dennoch, an dem du dachtest: „Oh, ich glaube ich bin jetzt Big Wave Surfer“

Eigentlich gab es so einen Moment nicht wirklich. Also, ok… typisch ist ja, dass dann mal die eigenen Bilder irgendwo gepostet werden. Wie jetzt zum Beispiel auch von der World Surf League. Da denkt man dann schonmal „Ah ok, jetzt ist es wohl so“, aber es war es gab keinen ausschlaggebenden Moment mit einer bestimmten Welle, an dem ich dachte „mit dieser Welle jetzt bin ich Big Wave Surfer“.

Wir alle machen es einfach aus Spaß, nicht um irgendwo zu landen.

Nice!

Für jeden ist eine große Welle etwas anderes. Für mich sind das z.B. 6 Fuß, für dich sind 6 Fuß im Vergleich wahrscheinlich „süß“. Für den nächsten ist eine hüfthohe Welle eventuell groß. Welchen Tipp hast du für Leute, um sich an immer größere Wellen heranzutasten?

Im Endeffekt das, was auch du gemacht hast: Versuchen jeden Tag zu surfen und wenn man größere Wellen surfen will, dann auch langsam an die rangehen. Das kommt dann von alleine, das muss man dann nicht irgendwie erzwingen. Einfach Spaß haben und langsam ran tasten. Wenn es dann so ist, ist es so – wenn nicht, dann nicht.

Ich habe dir ja bereits erzählt, dass es auf meinem Blog sehr viel um die Entwicklungsstufen beim Surfen geht und wie man weiterkommen kann. Gibt es bestimmte Stufen, an die du dich erinnerst, in denen du voll geflasht warst und dachtest: „Oh krass, jetzt kann ich auf einmal Manöver XY“?

Ich hatte immer meine persönlichen Ziele z.B. erinnere ich mich noch ganz gut daran… vor ca. 15 Jahren… da hat einer einen 360 und einen Reverse in der gleichen Welle gemacht. Diese zwei Manöver zusammen hatte ich noch nie zusammen gesehen, auch nicht bei Pro-Surfern. Damals habe ich gedacht: Wenn ich das irgendwann mal kann, dann bin ich auf meinem Top-Level angekommen und dann brauch ich nicht mehr zu können. Aber das sind so Grenzen, die jeder für sich selber hat und die schieben sich aber sowieso immer weiter nach vorne.

Und hast du die beiden Manöver damals erreicht?

Ja, das ist heutzutage eigentlich ziemlich easy. Nicht nur für mich, sondern für alle fortgeschritteneren Surfer… ein Pro-Surfer macht jetzt nicht mal mehr einen 360 und Reverse, sondern gleich noch mehr, aber vor 15 Jahren war es schon ne Sache, die sehr neu war.

Und was ist dein derzeitiges Ziel?

Es gibt einen Spot, vor dem wir alle sehr sehr viel Respekt haben. Das war auch der in dem Video von gestern. Das ist eine linke Welle und wenn man weiter innen starten würde, dann könnte man voll die fette Barrel fahren, aber der TakeOff ist sehr sehr schwierig und vorne ist eine Felswand. Wenn man da verkackt, dann… *macht eine Pause und grinst*

Big Session San Borondon from VIVALAFIN studio on Vimeo
 

… biste platt und knallst gegen die Felswand?

Ja, sehr wahrscheinlich *lacht*. Ich surfe an diesem Spot seit 3 Jahren. Im zweiten Jahr dort hatte ich eine Barrel, bin aber nicht rausgekommen. Jetzt hatte ich diesen Winter eine Barrel und bin rausgekommen, aber ich war eben nicht so megatief drin, wie ich wollte. Man könnte viel weiter innen starten. Das ist im Moment mein Ziel.

Und bei all dem paddelst du in deine Wellen rein und lässt dich nicht ziehen, richtig?

Ja genau. Früher haben wir uns auch reinziehen lassen, aber das ist halt so ein bisschen langweilig. Beim Reinpaddeln geht es steiler runter!

Du hast von eurer europäischen Whatsapp-Gruppe erzählt, in der verschiedene Big Wave Surfer gemeinsam planen und Big Wave Missions starten. Ich habe mich gefragt: Wie viele Frauen sind in dieser Gruppe?

Keine.

Damn! Interessant. Europaweit gibt es aber auch Big Wave Surferinnen, richtig?

Ja, Justine Dupont, die ist megagut sogar. Ich war hier in Frankreich diesen Winter mit ihr im Wasser und es hat mich erstaunt, dass jemand so schnell paddelt wie ich. Normalerweise paddeln alle langsamer als ich. Und sie hatte zweimal den gleichen Speed wie ich. Ich weiß jetzt nicht, ob ich irgendwie unfitter war oder… sie ist auf jeden Fall mega am trainieren, dauernd auch in Nazare. Und in Jaws hat sie es auch super gemacht!

Wenn ich jetzt sagen würde, ich hab Bock in Richtung Big Wave Surfen zu gehen, wo fange ich an? Also ich sehe mich da derzeit nicht. Ich frage mich nur immer, was für eine Basis man braucht, um überhaupt daran zu denken?

Probier mal, wo deine Limits sind! Du wirst es hundert Pro merken! Wenn du bei 7 Fuß 10 Wellen in einer Stunde hast, dann geh auf 8 Fuß, 9 Fuß… du musst halt langsam machen. Weil: Wenn du bei 7 Fuß keine Welle hast, was glaubst du wie viele du bei 8 bekommst? Du musst Schritt für Schritt gehen! Und danach fühlst du dich bei 6 Fuß auch mega bequem! Wenn du dann bei 7 Fuß eine bekommst, erwischt du bei 6 Fuß wiederum 20!

Du unterrichtest auch Beginner und Intermediates in Teneriffa. Als wir gestern Nachmittag miteinander gesprochen haben, hast du gesagt, dass es dir total Spaß macht. Was glaubst du, woran das liegt?

Was mir Spaß macht ist, wenn die Leute gerne lernen wollen. Es gibt nämlich auch ganz andere Leute. Einmal hatten wir ein Mädchen, die mit der Einstellung kam „zwing mich jetzt ins Wasser reinzugehen, ich hab keinen Bock!“. In so einem Fall können wir vielleicht ein bisschen motivieren, aber wenn sie sich dann vorne hinsetzt und man vorschlägt: „Ok, lass uns die mal die Welle anstarten, die könnte gut für dich sein!“ und sie will sie nicht und du siehst, wie die Welle ihres Lebens vielleicht an ihr vorbeifährt und sie nicht starten will… sowas macht dann natürlich nicht soviel Spaß! Aber wenn dann jemand kommt, der voll gerne lernt, auch wenn er mega Anfänger ist und mega Spaß hat, dann ist es halt schon ein geiler Job!

Wir waren ja gestern auch gemeinsam im Wasser und da hast du mir ein paar sehr hilfreiche Tipps gegeben und mir gesagt, woran ich arbeiten kann, was ich super fand. Ich fand du warst sehr verständnisvoll und motivierend! Danke für die Coaching Session!

Wie läuft das bei euch in Teneriffa ab, wenn man zu dir bzw. euch zum Surfunterricht kommt?

Bei uns ist es halt so: Wenn es gute Wellen gibt, gehen wir rein, wenn nicht, dann nicht. Wir haben keinen festen Stundenplan, sondern wir sprechen uns mit den Kunden ab. Wir fragen die Kunden: Welche Pläne habt ihr? Wollt ihr evtl. auch wandern gehen oder auf einen Berg steigen? Gemeinsam planen wir dann den gesamten Aufenthalt. Ich erkläre den Kunden dann die Bedingungen für die Woche und erläutere welche Bedingungen für ihr Niveau am besten ist. Dabei arbeiten wir mit drei Surfschülern pro Person maximum.

Von allen Spots, die du je gesurft bist, könntest du deine 3 Favoriten nennen?

Alle drei bei uns Zuhause. Alle guten Surfern, die bei uns gelandet sind, sagen immer, dass wir den Goldkilometer haben. Weil wir so viele Spots mit verschiedenen Richtungen auf einer sehr sehr kleinen Fläche habe. Zum Beispiel hier in Frankreich, wenn du hier vor deiner Haustür onshore hast, dann hast du etliche Kilometer hoch und runter den gleichen onshore. Wir sind an einer Spitze und wenn Nordwind ist, dann ist bei uns überall kacke. Aber wenn Westwind ist oder Nordwest, dann haben wir auf der anderen Seite offshore. Und ich wohne genau gegenüber (lach) und schaue aus dem Fenster und alle texten mir so „oh, wie schauts aus?“. Wenn ich nicht antworte, dann rennen sie alle runter! (Lacht)

Du wurdest in Freiburg geboren, aber deine Eltern sind schon während deiner frühen Kindheit nach Teneriffa mit dir gezogen. Wie dankbar bist du deinen Eltern dafür?

Ich glaube, es ist Schicksal, oder? Aber man weiß ja auch nie, könnte ja auch woanders besser sein, man weiß es nie. Ich denke, dass man immer versuchen muss, das Beste aus jeder Situation rauszuholen.

So true! Vielen Dank Alex für dieses Interview und deine Zeit! Viel Erfolg beim Erreichen deiner Ziele!

Wer Bock hat, Alex persönlich kennenzulernen und gerne Surfunterricht bei ihm haben will, der kann das hier tun:

Green Wave Surf School Teneriffa

(Photocredits: Alex Zirke // teilweise bearbeitet von TakeOffandTravel)



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Big Wave Surfer Alex Zirke über Fortschritte und Ziele beim Surfen!

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