Als ich das letzte Mal Anfang August auf Bali war, war Trockenzeit angesagt. Die Zeit also, die ordentlich Swell Richtung Küste bringt und damit ganz schöne Brummer erzeugt!

Wie sehr mich diese Mega-Wellen von 10-15 Fuß faszinieren und wie das aussieht, wenn die Pros das Ganze angehen, habe ich vor wenigen Tagen in meinem letzten Post festgehalten:

Die beste Bali Reisezeit = Trockenzeit? Jetzt echt?

Wie ICH mit diesen Mega-Wellen umgehe…

Mit 10-15 Fuß – ganz ehrlich: Einfach gar nicht!

In so einem Fall ist für mich lieber nur zuschauen angesagt. Wir müssen uns ja nicht gleich umbringen!

Doch am nächsten Tag wage ich meine eigene kleine, aber für mich bedeutende Mission!

Denn der Surf-Forecast gibt an, dass der Swell abnimmt. Trotzdem ist die Rede von stolzen 8,5 Fuß!

Klingt immer noch groß, ist es auch! Aber hey, schauen wir uns das doch einfach mal live vor Ort an!

Wir kommen an und *hust – schluck – hust*… es wird halt nicht besser, wenn man es in Echt sieht!

Angst vor großen Wellen

Ordentliche Wassermassen bauen sich auf und werden von einigen sehr guten Surfern bestiegen! Sooo nice!

Ich mach mir vor Angst fast ins Bikinihöschen!

Also gut, dann müssen wir das halt doch nochmal aushalten und wieder Zuschauen!

Die Nervosität jedoch bleibt *auf dem Stuhl hin und herrutsch*

Nach 30 Minuten…

*immer noch hibbelig bin*

Weitere 30 Minuten…

*hmmm… nimmt der Swell nicht leicht ab?*

Weitere 15 Minuten…

*hmmmm… ist das soviel größer als das was ich in Hawaii gesurft bin?*

*hmmm… naja, vielleicht ist es ähnlich? Aber das war ja auch sehr brutal!*

*hmmm… oder ist das so hoch wie in Kaikoura in Neuseeland?*

*ach shit, es bricht über Riff, ist ja auch nochmal anders…*

*nee, is ok, ich lass es sein…*

Weitere 10 Minuten später…

*oder doch rein?…*

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Nach 2,5 Stunden, einer Cola, einem Toast und einem Fruitjuice…

… sieht der Swell etwas kleiner aus. Der Forecast spricht von 7 Fuß!

Es sieht auch auf jeden Fall etwas kleiner aus!

……

Hmmmmm….

……..

Scheiß der Hund drauf!

Ich versuche es!

Keine Ahnung, was passieren wird, aber einen Versuch ist es wert!

Das Adrenalin, das sogar jetzt noch beim Schreiben durch meinen Körper fließt, sorgt für zitternde Hände und ein sehr mulmiges Gefühl!

Ich bereite mich mental vor und versuche tief ein- und auszuatmen; mir zu sagen, dass alles gut wird und ich Wipe-Outs aushalten kann… eine Welle zu bekommen erwarte ich nicht, wie so oft bei so großen Wellen.

15 Minuten später sehe ich mich an der Wasserkante… ich springe rein und paddel langsam los… jetzt gibt es kein Zurück mehr! Entschieden ist entschieden!

Ins Line-Up komme ich relativ ok… die Setpause und das richtige Timing helfen!

Ich bin da!

Waaaaaaah! Krass!

Ich zitter! Ich hab Angst! Jetzt ist alles zu spät! Wenn ich wieder an Land will, dann nur mit einem fetten Wipe-Out oder auf einer Welle… ich tippe auf erstes!

Die Jungs im Line-Up sehen mich mit großen Augen an – eine von 2 Frauen da draußen… einer davon lächelt und sagt: „Good to see you out here! Good on ya!“

Solche Kommentare hört man öfter als Frau in größeren Wellen. Nett finde ich das!

Er fragt: „Aren’t you scared?“

Ich: „I am almost shitting myself!“

Er: „You can do it! Worst case: You will get back to shore somehow!“

Wir lachen!

So sehe ich das auch! Danke Typ!

Ab jetzt heisst es vollste Konzentration!

Meine Augen sind fest auf den Horizont gerichtet. Jeder Schatten am Horizont wird ernst genommen und langsam angepaddelt. Denn am Anfang dreht sich alles nur darum, rechtzeitig ÜBER die Wellen zu kommen und nicht von Ihnen verspeist zu werden.

Es gelingt. Aber bereits in diesem Stadium erlebe ich gefühlte RIESEN über die ich langsam und mit stetigem Atem hinüber paddel. In meinem Kopf die Worte: „Du kannst das – Ein und Ausatmen – gaaaaanz langsam!“

Ich blicke Richtung Land und mir wird schon ganz anders dabei, wenn die Welle nur von hinten sehe.

Ich erinnere mich nämlich daran, wie die Hawaiianer Wellen messen und wie groß das Face dann sein muss!

(In Hawaii wird die Wellengröße von hinten bestimmt, am besten erklärt anhand dieses sehr professionellen Bildes):

Hawaii-wavesize

Nur ein Wort trifft, was ich fühle: Ehrfurcht!

Ich arbeite mich langsam voran…

… immer näher an den Peak…

… die ersten Wellen paddel ich zu weit auf der Schulter an… eigentlich weiß ich das auch… aber noch brauche ich die Sicherheit… das Gefühl zur Welle…

… immer weiter Richtung Peak

… die Jungs im Line-Up fangen an mir Tipps zu geben… bisschen weiter da rüber, bisschen weiter hier…

ACHTUNG – SET!

Alle raus!

Über die erste komm ich rüber – über die zweite schaffe ich es gerade so – die Dritte…

Bääääääääm, fetter Waschgang…

Gerade oben, zaaaaaack, noch eine drüber!

KEINE PANIK!

Alles gut!

Erstmal wieder Atmen!

Alle sortieren sich wieder… Setpause… ok, wir sind safe!

Alle erholen sich erstmal! Kreislauf wieder runterfahren!

Und so geht das immer wieder!

Bis die eine verheerende Welle kommt:

AUS DEM NICHTS!

Ein Riesenoschi, mit dem keiner rechnet!

Wildes Paddeln, alle versuchen sich in Sicherheit zu bringen!

Aber alle wissen: Keine Chance! Bereit machen zum Zerfetzt werden!

Der Moment, wenn du dir ganz klar immer wieder sagen musst: Dreh nicht durch! Dreh nicht durch! Alles wird gut!

Das Timing ebenso beschissen: Sie wird direkt AUF UNS brechen.

All ihre Energie wird sich entladen und wir sind direkt darunter!

Das Einzige, was ich noch denken kann: TIIIIIIEF EINATMEN!

Und zaaaaaaaaaack, der Wipe-Out beginnt!

Hoch – runter – Schlag hier – schlag da…

Rolle vorwärts – seitwärts…

es dauert…

ich rede mir gut zu: „Relaaaaaax! Es wird vorbeigehen!“

„Relaaaaax…..

relaaaax….

relaaaax…

Relax, relax, relax – Hektik – relax, relax, relax…

uuund, zum Glück wieder oben!

Tief Luft holen!

Balangan_03.08.16

Was dann passiert ist unerwartet…

Die Leash meines Bretts verheddert sich mit der Leash des Bretts eines anderen. Ach du scheiße!

Ich: Oh shit, sorry!

Er versucht die Leashes so schnell wie möglich zu sortieren und schreit nur noch mit weit aufgerissenen Augen Richtung Horizont: BREAAAAAAAAATH!!!

Keine Sekunde zum Überlegen: Ich atme tieeee….

Bääääääääm, die nächste fette Welle hat mich erwischt!

Nichts mit relax, denn ich habe nicht genug eingeatmet. Mein Kopf meldet mir das immer und immer wieder! Ich versuche ihm zu widersprechen: Keine Panik, keine Panik, keine Panik…

Aber das Wort Panik und die Geschwindigkeit mit der ich diese 3 Worte in meinem Kopf höre, lösen etwas anderes aus… ich hab Todesangst!

Trotzdem: Durchhalten, durchhalten, durchhalten….

Kurz bevor ich glaube, ich pack es nicht mehr…

Zack, bin ich oben!

Weit vorne bereits, weg vom Line-Up!

Ich konzentriere mich nur darauf, soviel Luft wie möglich in meine Lunge zu bekommen, egal wie hektisch alles ist, um mich mit den Wellen, die noch kommen, an Land raus spülen zu lassen!

Vorne angekommen, muss ich erstmal mit meiner Panik umgehen…

Ich sehe, dass eine meiner Finnen nur noch halb eingesteckt ist… zum Glück habe ich Finnen mit FCS-2-System, bei dem die Finne nicht eingeschraubt, sondern eingeklickt wird und somit auch wieder rausklickt, wenn Kraft darauf einprallt. D.h. meine Finnbox bleibt ganz und mein Surfbrett somit auch!

Das muss wohl beim Aufprall mit dem anderen Brett schon passiert sein!

Zum Glück schaffe ich es noch, die Finne aus dem Brett in meine Hand zu nehmen und verliere sie nicht!

Ich lege mich auf mein Brett und paddel… hauptsache raus… ans Land… atmen… ein und aus…

Nur langsam komme ich wieder runter!

Puhhh….

Scheiße Mann, was war das!?

Ich komme am Land mit einer Finne in der Hand an – Robin fängt den Moment ein:

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… Meine Atmung geht schwer, aber ganz langsam bewegt sie sich in Richtung Normalzustand – mein Herzrasen ist immer noch da….

… Katrin und Robin empfangen mich…

… die einzigen Worte, die meinen Mund verlassen: „Junger Vater, das war heavy!“

Ich kann nicht mehr aufhören zu grinsen und gleichzeitig den Kopf zu schütteln! What the fuck, wo stimmt’s bei mir eigentlich nicht!?

Leider ist das Bild mega verwackelt, aber der Ausdruck erkennbar:

Balangan_heile_raus

War es das alles wert?

Fuck yeah! Ich LEBE genau für solch verrückte Momente in den Wellen! Natürlich finde ich Sessions noch schöner, wenn ich Wellen bekomme und gemütlich unterwegs sein kann – Surfen ohne Todesangst ist ja schon eher schön… *lach*

Aber: Ich kann gar nicht ausdrücken, wie GEIL ich es finde, immer wieder mal einen solchen Adrenalin-Rausch einzugehen!

Ich liebe es einfach, dass die Natur ganz klar das Sagen hat und solche Momente zeigen einem immer wieder, wie mächtig sie ist! Diese Kraft zu spüren, macht mich lebendig!

Wer Surfen leben will, muss auch Wipe-Outs lieben lernen!

Denn sie gehören einfach dazu!

Drumrum kommt keiner, auch nicht der beste Surfer der Welt!

Wie du mit größeren Wellen umgehen lernst…

Nicht jeder, der surft, muss sich solchen Grenzerfahrungen ausliefern!

Und wichtig zu verstehen ist auch: Das was überkopfhohe Wellen bei mir auslösen, kann bei jemand anderem schon eine hüfthohe Welle sein. Das merke ich immer wieder, wenn ich Surfunterricht gebe. Das Prinzip ist: Jeder hat eine andere Angstgrenze und das ist auch absolut ok so.

Hätte man mir vor 3 Jahren erzählt, dass ich irgendwann so einen Post schreibe, hätte ich ihm den Vogel gezeigt!

Schritt für Schritt kann man sich jedoch an größere Wellen rantasten und seine eigene Grenze austesten…

Da ich immer wieder gefragt werde, wie ich mit der Angst vor großen Wellen umgehe und welchen Ratschlag ich geben kann, habe ich diesen Post dazu für euch verfasst:

Die Angst vor großen Wellen – Was DU tun kannst!

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Wenn ihr sonst auch darüber informiert werden wollt, wenn neue Post erscheinen, dann begleitet mich:

Erfahrt, wie auch ihr an eure persönliche Grenze gehen könnt!

Schon in wenigen Tagen…

Achja und ganz wichtig:

Ich habe lange auf den Typen gewartet, mit dem sich mein Brett verheddert hat, um mich nach ihm und seinem Brett zu erkundigen! Leider hab ich ihn auch nach Stunden nicht gesehen.

Allerdings am nächsten Tag und das war genau so wie es sein sollte: Ich habe ihn gefragt, ob alles ok sei und er meinte nur: Hey, alles gut! Dir geht es gut, oder? Dann ist auch alles kein Thema!

Super Typ! Super Einstellung! So muss das sein!

Und nach den Anderen schauen, gehört auch einfach dazu!

 

Die Angst vor großen Wellen – Wie ich sie überwinde!

Ein Gedanke zu „Die Angst vor großen Wellen – Wie ich sie überwinde!

  • 25. August 2016 um 18:56
    Permalink

    ahhhh ich hab so mitgefiebert bei dem Post!! Wahnsinn! Und erinnert mich daran auch mal wieder an meine eigenen Grenzen zu gehen (aber vielleicht doch ein Fuß niedriger 😉 )

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