Als ich 2013 den Wellen verfallen bin, hatte ich keine Ahnung, welch schwerwiegenden Konsequenzen auf mich warten würden!

Denn nur 1,5 Jahre später, Ende 2014, würde ich bereits aufbrechen, um mich 1 Jahr lang komplett den Wellen hinzugeben…

… mein Surfbrett, mein Backpack und ich…

Die schwerwiegende Konsequenz dabei?

… ich kehrte nie wieder fest in mein altes Leben in Stuttgart zurück!

„Ist doch geil – immer bei den Wellen!“ – Jop, korrekt, das ist ganz schön geil!

Was bei solchen Stories aber immer nur kurz Erwähnung findet:

Der Moment des Abschieds – Von Freunden, von der Familie, vom gewohnten Umfeld.

Jedes Mal wieder…

Abschiede – Wie schwierig sind sie wirklich?

Wenn du so unabhängig in der Welt unterwegs bist, denkt jeder von dir:

„Haja, die ist frei wie ein Vogel! Die braucht Niemanden! Einfach los und weg…!“

Und ja, ich liebe diese Freiheit alleine unterwegs zu sein – mein Ding zu machen, Neues zu erleben und die Welt mit anderen Augen sehen zu lernen!

Aber: Was tatsächlich auch nach 3 Jahren unverändert geblieben ist:

Abschiede werden einfach NICHT leichter!

Wie Abschiede ganz praktisch aussehen…

… während ihr auf Facebook oder Instagram eine Momentaufnahme von mir mitbekommt, ist mein Abschied tatsächlich jedes Mal ein Prozess über mehrere Tage!

Den aktuellen in der vergangenen Woche habe ich deshalb versucht für euch festzuhalten:

Eintrag vom Mi, 20. September 2017, Tag des Abflugs nach Neuseeland:

Abschiede zerreissen mich innerlich!

So wie derzeit gerade wieder!

Bis einige Tage vorher bin ich noch entspannt, weiß was ich will, freue mich auf das nächste Kapitel.

Die letzten Tage vor Abschied allerdings wendet sich das Blatt plötzlich!

So wie auch dieses Mal am Sonntag, als ich alle meine Freunde zusammen trommle und wir das letzte Mal miteinander abhängen.

Bis zu diesem Moment ist alles noch in Ordnung: Schließlich sitzen wir zusammen. Kein Grund zur Panik.

Meinen Freunden bemerken, dass ich gefasst bin.

Bis sich dann langsam einer nach dem anderen verabschiedet und ich einen meiner Lieblingsmenschen in den Arm nehme… meinen Fels in der Brandung… ein Mann der wenigen Worte, aber des riesigen Herzens…

… und: Der Wasserfall beginnt zu laufen!

Mein Herz blutet – Mal wieder.

Das Ventil hat sich geöffnet.

Ab dem Moment weiß ich, dass die nächsten Tage bis nach Ankunft in Neuseeland emotional sehr anstrengend werden.

Denn jetzt habe ich es mal wieder kapiert: Abschied ist angesagt!

Ab diesem Moment wird mein Tagesablauf von Heulattacken, Gewissensbissen und Zweifeln bestimmt… dann wieder gutes Zureden… um dann wieder in den vorherigen Modus zu verfallen…

… immer wieder Mal eine Runde Goodbye-Flennen:

  • Ich hole mein Surfbrett bei einer Freundin ab – wir flennen beide miteinander.
  • Ich verabschiede mich von meinen Eltern, wenn auch noch nicht final – ich flenn mir danach die Augen aus dem Kopf.
  • Ich sehe ein Bild meiner Nichte – ich heule wie ein kleines Kind.

Das Gefühlschaos ist anstrengend. Es ist traurig. Es gehört nicht zu den Glanzmomenten des Surf-Bumm-Lebens.

Was in solchen Momenten hilft

Finde dich damit ab: Es gibt nichts, das diese Abschiedsphase verhindern könnte.

Sie gehört einfach dazu und ist auch wichtig, denn sie zeigt uns nur, dass es etwas gibt, das mit unserem Herzen connected ist und das uns wichtig ist: Unsere Familie und Freunde!

Letztes Jahr erging es mir nicht anders und Zweifel kamen damals natürlich ebenso auf. Beschrieben hatte ich das Ganze folgendermaßen und hatte damals schon einige wichtige Erkenntnisse für mich gezogen:

2 Jahre Surf-Weltreisen – Zeit, nach Hause zurückzukehren?

Wenn du also vor einer solchen Reise stehst oder bereits an einen solchen Punkt gelangst, sei beruhigt:

Den meisten Menschen geht es so!

Wie du siehst: Auch mir!

Und das obwohl ich nach 3 Jahren hin und her ja eigentlich der Master des Abschieds sein sollte!

Allerdings gibt es ein paar Dinge, die mir über die Zeit bewusst geworden sind und die mir dabei helfen, mit der Situation umzugehen.

Vielleicht hilft dir als „Langzeitsurftrip-Abschieds-Beginner“ der eine oder andere Erfahrungswert von mir dabei.

1. Herz über Verstand!

Ja, ich weiß – da kommt jetzt der Sozialpädagogen-Anteil in mir ins Spiel… aber ganz ehrlich:

Erstmal alles rauslassen!

Nicht denken, nicht hirnen – sondern einfach mal ordentlich ausflennen!

Wenn sich dein Herz schwer anfühlt und die Tränen schon aufsteigen, dann hilft sowieso nichts anderes mehr, als es ab und zu so richtig knallen zu lassen!

Sobald du dich beruhigt hast und alles draußen ist, sprich mit jemandem.

Selbst wenn du glaubst, dass die die Leute um dich rum denken, du seist verrückt, weil es dir ja eigentlich super gehen sollte – Tu es! Kein Mensch erwartet von dir, dass dir das leicht fällt! Wenn doch, kann er sich nicht richtig einfühlen.

Wie immer im Leben: Darüber reden hilft!

Und dafür sind Freunde bekanntlich da!

2. Verstand über Herz!

Grundsätzlich bin ich dafür, seinem Herzen zu folgen! Nur ist das Problem in diesen Tagen, dass dein Herz einen wesentlichen Schwerpunkt wählt: FAMILIE+FREUNDE!

Völlig zurecht auch!

Nachdem du also alles rausgelassen hast und dich mit Freunden ausgetauscht hast, musst du wieder anfangen, mit deinem Verstand zu kommunizieren.

Du: „Hey Buddy, was geht denn da bei Herz ab? Der ist heute schon wieder am Boden zerstört! Ich glaube es wird Zeit mal wieder zu denken und nicht nur zu fühlen! Irgendeinen Ratschlag vielleicht?“

Verstand: „Ja hey, ich hör Herz auch schon den ganzen Tag flennen. Aber hör mal, du weißt doch, wie das ist: Der braucht jetzt etwas Aufmerksamkeit und Streicheleinheiten – vergiss aber nicht, wieso du überhaupt schon an diesem Punkt bist und wieso du so entschieden hast: Behalte die vielen Gründe vor Augen, die dich zu deiner Entscheidung bewegt haben! Wenn Herz in einigen Wochen immer noch so drauf ist, sprechen wir nochmal miteinander!“

Verstand ist ziemlich weise, wenn es um so Sachen geht. Also einschalten!

3. Wofür nochmal das Ganze?

Ich weiß, wie viele Zweifel in solchen Phasen aufkommen.

Oftmals hilft es deshalb, sich bewusst zu machen, weshalb man sich für den Aufbruch entschieden hat: Bilder vom letzten Trip; Gespräche mit denjenigen, die das selbe empfinden; Pro- und Contra-Liste auskramen, die du evtl. ganz zu Beginn deiner Entscheidung gemacht hast…

Zeige dir selbst nochmal auf, wie du zu deiner Entscheidung gelangt bist!

4. Zweifel: Vielleicht ist das alles ein riesiger Fehler?

Ich: „Verstand, aber sag mal, mache ich nicht vielleicht doch einen riesigen Fehler??? Was ist denn nur los mit mir? Wellen können doch nicht sooo wichtig sein, dass man seine Familie und Freunde zurücklässt! Vielleicht erkenne ich das jetzt gerade?“

Verstand:

Abschied-Reisen

Danke Verstand!!!

5. Und wie war das gleich nochmal beim letzten Mal?

Ich habe bereits erklärt, dass das Trauer-Gefühl an sich nicht leichter wird…

… allerdings hat man einen klaren Vorteil: Man kann sich darauf besinnen, wie die Zeit danach beim letzten Mal lief!

Ich persönlich kann darauf zurückgreifen, dass jedes Mal folgendes passieren wird:

Die Tage vorher sind hart, der Moment am Flughafen ist noch härter…

… sobald du im Flugzeug sitzt, beruhigst du dich langsam wieder…

… das Realisieren und die Vorfreude finden wieder einen Platz…

… die Ankunft fühlt sich fabelhaft und erleichternd an…

… auf dieses Ankommens-Hoch folgt ein erneutes Abschieds- und Einfindungstief und du fragst dich, ob das alles so wirklich richtig ist, was du da machst…

… diese Phasen wechseln sich nochmal ein bisschen ab…

… bis du nach ein paar Tagen oder auch Wochen endlich wieder angekommen bist…

6. Was wäre wenn…

… du dich deinen Zweifeln im Abschiedsmoment hingibst und doch nicht losziehst?

Wärst du glücklicher, wenn du es nicht machst?

Darf dich eine Phase oder ein Moment davon abhalten, etwas zu tun, von dem du so lange überzeugt warst?

Sind wir doch mal ehrlich: Wir kennen die Antwort!

7. www = WORLDWIDEweb!

Vergiss nicht, dass wir heutzutage saugut vernetzt sind: Mit einem Klick sitzt du schon wieder beim Kaffee trinken mit deinen Lieblingsmenschen!

Facebook-Videocall, Skype….

Kontakte pflegen war noch nie so einfach wie heute!

8. Deine Lieblingsmenschen wollen dich glücklich sehen!

Auch wenn es deinen Leuten schwer fallen wird, dich gehen zu lassen, werden sie am Ende auch erkennen, dass es dir so besser geht.

Ich habe es damals für unmöglich gehalten und habe lange kämpfen müssen (siehe hier: My Big Fat Greek Surf-Weltreise) – aber schlussendlich will jede Familie nur das Beste für seine Menschen!

Egal wie hart es ist, loslassen lohnt sich!

Mein Leben und das vieler anderer beweisen:

Ja, es ist manches Mal schwer loszulassen!

Aber nein, es geht nicht anders.

Zumindest nicht, wenn du Neues erleben willst und du als landlocked Surfer lange Zeit am Stück in den Wellen sein möchtest!

Denke dran, dass es jedem so geht – und dass es eine Phase ist, durch die wir alle durchmüssen!

Das was danach folgt, wird dich entschädigen und du wirst stolz sein, dass du den harten Schritt gegangen bist!

Und das weiß ich aus Erfahrung!

Sollte es anders kommen und du bist nicht glücklich unterwegs, dann kannst du jederzeit wieder zurückkehren!

Nichts ist für immer und du entscheidest, wohin es geht!

Aber glaub mir, die Wahrscheinlichkeit, dass dir das Leben nach der Abschiedsphase richtig gut tun wird, ist verdammt hoch!

Deshalb, nicht aufhalten lassen – losziehen – Leben genießen!

TakeOffandTravel!!!

Wie immer will ich an dieser Stelle meiner Familie und meinen Freunden danken, die mich durch alle Jahre hinweg begleitet haben und mir bei jedem Abschied trotz vieler Tränen auch soviel Zuspruch und Motivation entgegen gebracht haben! Ich weiß mich sehr glücklich zu schätzen, euch alle in meinem Leben zu haben – selbst mit einer Entfernung von 18.000km!

 (Gilt natürlich auch für diejenigen, die hier auf dem Bild fehlen!)

Much love an euch alle! <3

Wellen vs. Familie/Freunde – Über Abschiede und einen guten Umgang damit!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.